Bauboom in Bremen So baut Bremen

Mehr als 2000 Wohneinheiten hat das Bremer Bauressort 2017 genehmigt. Der Bausenator spricht von einem Bauboom. Doch was sagen die Experten bei der Baumesse Hansebau?
20.01.2018, 18:58
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
So baut Bremen
Von Pascal Faltermann

Nicht nur bundesweit, sondern auch in Bremen kann man von einem Bauboom sprechen. Das sagt Bausenator Joachim Lohse (Grüne) dem WESER-KURIER auf Nachfrage. Insgesamt 2012 Wohneinheiten hat das Bremer Bauressort im Jahr 2017 genehmigt.

Eine Zahl, die leicht über der aus dem Jahr davor liegt und deutlich zeige, dass die Anzahl seit 2010 mit lediglich 892 Baugenehmigungen erfolgreich gesteigert wurde. „Die Kräne über Bremen drehen sich“, sagt Lohse, der sich über ein hohes Niveau beim Wohnungsbau freut. Aussagen, die fast alle Experten bei der Hansebau, der größten Baumesse Norddeutschlands, bestätigen. Nur in Sachen Bauland und bei den Einfamilienhäusern sehe es in Bremen nicht ganz so gut aus.

„Das politisch vereinbarte Ziel von 1300 Wohnungen pro Jahr aus der Gewos-Studie von 2010 haben wir weit übertroffen“, betont der Senator. In den vergangenen drei Jahren seien regelmäßig rund 2000 Wohnungen bewilligt worden. „Ich bin sehr froh darüber, dass wir seit mehreren Jahren deutlich über dem Soll liegen. Die diesjährige Anzahl der Genehmigungen ist ein weiterer Etappensieg auf dem Weg, das Wohnungsproblem in Bremen zu beseitigen.“

Fest steht, dass es in Bremen aber immer noch an Wohnungen fehlt. Die größte Nachfrage gibt es bei klassischen Drei-Zimmer-Wohnungen für Kleinfamilien sowie bei Wohnungen für Großfamilien. Fest steht zudem, dass der Großteil der Bremer in Singlewohnungen lebt. Wie viele Wohnungen 2017 fertiggestellt wurden, kann noch nicht gesagt werden. Die neusten Daten des Statistischen Landesamtes weisen nur die Zahlen bis 2016 auf. Die Arbeiten in 1602 Wohnungen in 528 neu errichteten Wohngebäuden wurden 2016 danach beendet.

Von 40 auf 80 Millionen Euro aufgestockt

Begünstigende Faktoren für die Bauaktivitäten sind unter anderem die niedrigen Kreditzinsen. In Bremen kommen Wohnraumförderprogramme hinzu. Mittlerweile gab es davon drei, jeweils mit 40 Millionen Euro versehen. Der Senat will das Bauen weiter unterstützen:

Das dritte Programm wurde im vergangenen Herbst von 40 auf 80 Millionen Euro aufgestockt, womit seit 2013 insgesamt 160 Millionen Euro Förderdarlehen bereitgestellt wurden. Derzeit wird ein viertes Wohnraumförderprogramm vorbereitet, das laut Behördensprecher Jens Tittmann bis zum Sommer festgelegt werden soll. Darin sollen unter anderem die Förderbedingungen angepasst werden.

Lohse will an dem von der Koalition beschlossenen Weg der Innenentwicklung festhalten, „weil wir die Grünflächen rund um Bremen unbedingt schützen müssen und die verfügbaren Flächen für viele Jahre ausreichen.“ Der Senator appelliert an die Bauwirtschaft, die genehmigten Wohneinheiten möglichst kurzfristig zu realisieren.

Baugenehmigungen sind ein wichtiger Indikator dafür, wie sich die Bautätigkeit entwickelt. Von einem Bauboom wollen die Experten unter den 407 Ausstellern bei dem Messe-Dreierpack „Hansebau“, „Altbautage“ und „Immobilientage“ an der Bürgerweide jedoch nicht sprechen. „Wir haben eine sehr gute Auftragslage, aber ein Boom ist das nicht“, sagt etwa Christian Korzeniowsky, Dachdeckermeister bei der Firma Gehlhaar und Mitglied in der Dachdecker-Innung Bremen.

Vor allem für die Bereiche Umbau und Sanierung sei die Nachfrage hoch, da es in Bremen viele Dächer aus den 60er und 70er Jahren gebe. Durch Sturmschäden seien die Auftragsbücher im vergangenen Jahr voll gewesen. „Ja, bei Altbausanierungen hatten wir im vergangenen Jahr gut zu tun“, bestätigt auch Torben Hartmann, Bauleiter bei der Firma Vetter Stasch Unternehmen Bau.

Martin Grocholl, Geschäftsführer von Energiekonsens, hat die zunehmenden Bauaktivitäten in Bremen registriert. „Wir merken das“, sagt er. Auffällig sei, dass der Trend immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit gehe. Wer nach bestem Standard baue, bekomme gute Förderungen. Ganz anders sieht es Lars Schleinecke, Verkaufsleiter beim Fertighaushersteller Kampa: „In Bremen ist das Bauland begrenzt“, sagt er. Wer ein Einfamilienhaus bauen wolle, habe in der Stadt keine Chance. Bezahlbare Grundstückspreise gebe es höchstens noch in Bremen-Nord. Das sei ein Grund, warum immer mehr Familien ins Umland abwanderten.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+