Hintergrund

So entstand der Liveblog zur Bombennacht

Vom 18. auf den 19. August 1944 gab es den schwersten Bombenangriff auf Bremen während des Zweiten Weltkrieges. In einem umfangreichen Liveblog zeichnet der WESER-KURIER die Ereignisse nach – so entstand er.
31.07.2019, 09:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan-Felix Jasch Max Seidenfaden
So entstand der Liveblog zur Bombennacht

Das Foto zeigt die Crew um die Flugoffiziere W.C. Chester und A.J. Carter (Bildmitte mit Flugmütze, von links) vor dem Angriff auf Bremen.

Canada Department of National Defence

Die Nacht vom 18. auf den 19. August 1944 ging in die Geschichte ein. Über 1000 Menschen kamen bei einem Bombenangriff auf Bremen ums Leben. 273 britische Flugzeuge warfen mehr als 120.000 Bomben auf die Stadt, die meisten davon zerstörten den heutigen Westen der Stadt nahezu komplett.

In diesem Jahr jährt sich das Ereignis zum 75. Mal. Der WESER-KURIER nimmt dieses Jubiläum zum Anlass die Geschehnisse der Nacht in einem Liveblog nachzuzeichnen.

So entstand der Liveblog

Hauptverantwortlich für das Projekt waren zwei Online-Redakteure. Sie übernahmen Planung, weite Teile der Recherche sowie die Umsetzung und Aufbereitung der Inhalte. Dabei wurde sie von weiteren Kolleginnen und Kollegen unterstützt, sodass am Ende knapp zehn Leute an dem Projekt mitgewirkt haben.

Die Idee, einen Liveblog oder Liveticker zu erstellen, entstand relativ schnell. Doch wie kommt man an Material dafür? Ein erstes Brainstorming und eine schnelle Internetsuche geben schon erste Erkenntnisse. Das Staatsarchiv Bremen scheint eine gute Anlaufstelle zu sein. Die Suche der Einrichtung bringt auch schon Ergebnisse. Doch es ist klar, das Material muss vor Ort angeschaut werden.

Parallel dazu druckte der WESER-KURIER einen Aufruf, in dem er Zeitzeugen bat, sich zu melden. Tagelang stand das Telefon der Onlineredaktion kaum still. Mehr als 50 Menschen, die sich an die Zeit des Zweiten Weltkrieges erinnern, haben sich gemeldet. Dazu kommen Firmen, die Material aus der Zeit gefunden haben, darunter zum Beispiel Einträge in Wachbücher.

Ein Polizeibericht.

Ein Polizeibericht.

Foto: Staatsarchiv Bremen

Das Projekt-Team versuchte, möglichst viele der Menschen zu besuchen, Gespräche mit ihnen zu führen oder das Material zu sichten. Dabei entstanden mehrere Stunden Videomaterial, unzählige Fotos, Scans und wir erhielten leihweise sogar private Aufzeichnungen.

Im Staatsarchiv sichteten Mitglieder des Teams alte Zeitungsausgaben der BREMER NACHRICHTEN, dazu kamen weitere private Tagebucheinträge und Aufzeichnungen. Als besonders ergiebig erwiesen sich Protokolle der Polizeieinsätze, in denen die Beamten genau Zeiten, Orte und Ereignisse vermerkt hatten. Ähnliches Material förderte auch das Feuerwehrarchiv zutage: teilweise minutengenaue Angaben zu Einsätzen.

Auch ein Besuch im Kulturhaus Brodelpott in Walle – das am stärksten vom Angriff betroffene Gebiet – erwies sich als hilfreich. Dort fanden sich weitere Tagebücher, Bilder, Tonaufnahmen und Videomaterial. Die Mitarbeiter des Kulturhauses hatten bereits 1994 zum 60. Jahrestages des Angriffs eine umfangreiche Broschüre herausgebracht und haben Teile des Materials als digitales Museum online gestellt.

Ein Eintrag aus einem Wachbuch. Die Abkürzung "Bolona" steht für bombenlose Nacht.

Ein Eintrag aus einem Wachbuch. Die Abkürzung "Bolona" steht für bombenlose Nacht.

Foto: Firma Hoffmann und Leisewitz

Die britische Seite

Auf diese Weise gelang es dem Team, die Bremer beziehungsweise deutsche Seite des Angriffs abzubilden. Doch der Anspruch war, auch darzustellen, wie es für die britischen Piloten war. Wie sie sich bei Angriffen fühlten, wie sie sich vorbereiteten, von wo die Maschinen starteten. Hilfreich war dabei Ron Mayhill. Er gehörte zu dem 75. Squadron, das an dem Angriff auf Bremen beteiligt war. Er hatte an dem betreffenden Tag jedoch frei. Im Gespräch mit dem WESER-KURIER schilderte er seine Erlebnisse umfangreich. Der Kontakt zu ihm kam über die Internet-Seite der New Zealand Bomber Command Association (NZBCA) zustande. Die NZBCA versorgte uns auch mit weiteren Informationen zum 75. Squadron.

Online suchte das Team nach weitere Informationen zu den am Angriff beteiligten Squadron, was ihn mühsamer Kleinarbeit auch gelang. Auf verschiedenen Seiten wurden detaillierte Informationen zu beteiligten Piloten, Uhrzeiten und Vorgehen während der Flüge.

Nachdem das Material gesammelt worden war, ging es daran, es zusammenzustellen. Allein eine Auswahl zu treffen, war extrem schwierig. Dazu kommt das Schneiden von Videos, Bearbeiten von Fotos und Verfassen von Texten. Welche Anzahl von Stunden das Projekt in Anspruch nahm, ist nicht zu sagen. Da die Arbeit nicht kontinuierlich, sondern tage- und stundenweise stattfand. Rund ein halbes Jahr waren knapp zehn Mitarbeiter damit beschäftigt.

Die Ergebnisse lesen und sehen Sie hier:

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