GB Tuning in Beckedorf So erging es den Beckedorfern nach der "Höhle der Löwen"

Vor knapp acht Monaten präsentierten sie ihren nachrüstbaren Heckklappenöffner für Autos in der Show "Höhle der Löwen". Was der Auftritt dem Beckedorfer Online-Shop-Händler GB Tuning gebracht hat.
21.05.2018, 18:13
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So erging es den Beckedorfern nach der
Von Julia Ladebeck

Knapp acht Monate sind seit dem Auftritt der Jungunternehmer von GB Tuning in der Fernsehsendung „Die Höhle der Löwen“ vergangen. Im September 2017 hatten sie in der Show für Gründer ihren nachrüstbaren automatischen Heckklappenöffner „Go Simply“ präsentiert. Seither ist bei dem Start-up-Unternehmen mit Sitz in Beckedorf viel passiert.

Nachdem die Zahl der aktiven Nutzer auf der Seite des Onlinehändlers direkt nach der Sendung von etwa 300 auf rund 1,1 Milli­onen pro Tag hochgeschnellt war, pendelte sie sich laut Geschäftsführer Christoph ­Eisold inzwischen stabil im vier- bis fünfstel­ligen Bereich ein. Darüber hinaus entwickelten die GB-Tuning-Unternehmer neue Produkte und erweiterten das Sortiment.

Ausstrahlung der Sendung brachte den Durchbruch

„Durch die Ausstrahlung der Sendung ,Höhle der Löwen‘ haben wir eine riesige mediale Aufmerksamkeit bekommen“, resümiert Christoph Eisold. Der 27-jährige Nordbremer ist mit Unterstützung von Alexander Wirtgen für das operative Geschäft des Unternehmens zuständig. Weitere Partner sind die Brüder Benjamin und Simon Gabriel sowie Jan-Lucca Sielski, die sich auch als Gründer des Start-ups My Swooop mit dem Handel von Gebraucht-Elektronik einen Namen gemacht haben. Die Erfahrung der drei im Online-Handel hatte GB Tuning bereits vor dem Auftritt in „Die Höhle der Löwen“ vorangebracht. Die Ausstrahlung der Sendung brachte dann allerdings den Durchbruch.

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„Der achtminütige Auftritt in ,Die Höhle der Löwen‘ entspricht einem Werbebudget von etwa vier bis fünf Millionen Euro“, erläutert Christoph Eisold die Bedeutung der Fernsehpräsentation. Unmittelbar nachdem die Sendung ausgestrahlt worden war, stellten die Jungunternehmer ihren Heckklappenöffner „Go Simply“ außerdem etwa 25 Minuten lang in einem Teleshopping-Kanal vor. „Durch diese Auftritte wurden wir sehr bekannt. Das hat uns viele Türen geöffnet“, fasst der Geschäftsführer die positiven Folgen für das Unternehmen zusammen. Das zeigt sich unter anderem an den Verkaufszahlen: 300 bis 400 „Go Simply“-Sets hatte GB Tuning bis dahin monatlich verkauft. Inzwischen liegt die Zahl der verkauften Pakete laut Eisold im Durchschnitt im mittleren vierstelligen Bereich.

Der erhöhte Bekanntheitsgrad hilft den Unternehmern aber auch bei der Produktentwicklung. Die „Go-Simply“-Einbausätze sind derzeit für knapp 75 Automodelle erhältlich. In etwa zwei bis drei Monaten können nach Angaben des Vegesackers bereits rund 90 Modelle mit dem automatischen Heckklappenöffner nachgerüstet werden.

Die Autohäuser kommen mittlerweile aktiv auf sie zu

Für die Entwicklung benötigen die Unternehmer die verschiedenen Automodelle, unter anderem um Maß zu nehmen. Die Spiraldruckfedern zum Öffnen der Heckklappe sind nämlich millimetergenaue Spezialanfertigungen. Je nach Automodell variieren sie in Größe und Form, damit das Öffnen und Schließen der Kofferraumklappe geschmeidig verläuft. Die Produktpalette der „Go Simply“ Produkte reicht von automatischen Heckklappenöffnern für Kleinwagen, zum Beispiel Kia Ceed GT, VW Scirocco und Skoda Fabia, für Kombi-Modelle wie Passat Variant und Ford Mondeo MK3 und sportliche Kompaktwagen wie VW Golf und 1er BMW.

Eisold erzählt: „In der Vergangenheit hatten wir Probleme, an die Autos ranzukommen. Ein Blumenthaler Autohändler hat uns früher schon sehr unterstützt.“ Mittlerweile, sagt der 27-Jährige, kommen die Autohäuser sogar aktiv auf die Start-up-­Unternehmer zu und bieten eine Zusammenarbeit an. Beim Hersteller Ford sei GB Tuning inzwischen als Zulieferer gelistet, so Eisold. Nach wie vor seien die Heckklappen-Sets für Volkswagen, BMW, Audi und Ford ­besonders gefragt. „Weil diese Wagen in Deutschland einfach besonders häufig gefahren werden.“

Neben der größeren Bekanntheit hat die Show den Unternehmern auch die Zusammenarbeit mit Investor Ralf Dümmel gebracht. Mit ihm einigten sich die Firmengründer auf eine Investitionssumme von 150 000 Euro für 20 Prozent der Firmenanteile. Dümmel unterstützt die jungen Onlinehändler mit seinem Know-how und seinem Team. „Der Investor übernimmt die Lagerung und den Versand der Produkte. Außerdem bekommen wir Unterstützung beim operativen Geschäft.“ Mit Ralf Dümmel persönlich habe er wenig Kontakt. „Er ist nur bei besonders wichtigen Meetings dabei“. Mit Dümmels Team tauscht sich Christoph Eisold indes täglich aus.

Firmenstandort soll bleiben

Während die Ideen für neue Produkte und die ersten Entwürfe in Beckedorf entstehen, übernimmt die weitere Produktentwicklung ein Ingenieurbüro. Vor dem Vertrieb steht außerdem die Qualitätssicherung mit Belastungstests. „Von der Idee bis zur Produktion in Serie vergeht ein halbes bis dreiviertel Jahr.“

Produziert wurden die Teile schon im vergangenen Jahr bei einer Zulieferfirma. Die Endmontage zum Einbauset erfolgte damals noch am Standort des Unternehmens am Gewerbekamp. Das hat sich seit der viel größeren Nachfrage geändert. Die Sets werden mittlerweile in Bremen gepackt. Gelagert und versendet werden die Produkte in Gallin in Mecklenburg-Vorpommern. Dort hat

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Ralf Dümmels Firma, die DS Produkte GmbH, ihr Zentrallager. In Beckedorf haben die Gründer inzwischen nur noch ihr Büro. Der Firmenstandort soll aber auf jeden Fall dort bleiben. „Wir fühlen uns hier einfach wohl.“

Direkt nach der Sendung waren die „Go Simply“-Heckklappenöffner für einige ausgewählte Automodelle im Einzelhandel erhältlich. Die Aktion sollte vor allem dazu dienen, den Bekanntheitsgrad zu erhöhen. „Unsere Produkte soll man im Fachhandel finden, dort, wo der Kunde auch beraten wird“, betont Eisold. Inzwischen seien die Heckklappenöffner aus Beckedorf an mehr als 1800 Fachhandelsstandorten in ganz Deutschland erhältlich, „und wir bauen unser Netzwerk immer weiter aus“.

Hauptvertriebsweg ist jedoch nach wie vor das Internet. Die Kunden bestellen über den Online-Shop von GB Tuning, aber auch über Amazon und Ebay. Das Ziel, das der Gründer für die Firma formuliert, ist ehrgeizig: „Wir wollen das Zalando des Tunings zu werden.“ Die Herangehensweise sei aber „hanseatisch konservativ“. „Wir planen vorsichtig, weil wir uns nachhaltig etablieren möchten. Das hat bisher gut geklappt und wir wollen in dem Tempo weitermachen.“ So soll zunächst einmal der Umsatz des Jahres 2017 gehalten werden. Der lag laut Christoph Eisold „im mittleren sechsstelligen Bereich“. Künftig will der Beckedorfer Online-Händler seinen Kunden die Möglichkeit bieten, ihre Autos komplett bei GB Tuning zu gestalten. „Wir sind ständig dabei, weitere Produkte zu entwickeln.“ Neu ins Programm genommen wurden zum Beispiel Rückleuchten mit dynamischer Blinkfunktion für den VW Scirocco sowie sogenannte Bodykits, also optische Tuning-Pakete, für den VW Golf 5. Christoph Eisold: „Mit denen, die in Kürze live geschaltet werden, haben wir dann mehr als 100 Produkte bei uns im Online-Shop.“

Info

Zur Sache

GB Tuning

Das junge "GB Tuning"-Team – die Unternehmer sind alle Mitte 20 – besteht aus den autobegeisterten Unternehmern Christoph Eisold, Jan-Lucca Sielski, Simon und Benjamin Gabriel und Alexander Wirtgen. Die Gründer machten sich Gedanken, wie man automatische Heckklappenöffner, wie sie in hochpreisigen Automodellen zu finden sind, mechanisch und kostengünstig reproduzieren kann und entwickelten die ersten Prototypen. Die Idee wurde 2011 zum Patent angemeldet. Mittlerweile gibt es die automatische Heckklappenöffnung „Go Simply“ für zahlreiche Modelle. Der Vertrieb läuft über den eigenen Online-Shop, Ebay und Amazon. Außerdem sind die Heckklappenöffner an mehr als 1800 Fachhandelsstandorten in ganz Deutschland erhältlich. Insgesamt bietet GB Tuning mehr als 100 Tuning-Produkte in ihrem Store. Der Umsatz des Onlinehändlers lag im Jahr 2017 im mittleren sechsstelligen Bereich.

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