Schutz vor Insekten So kommen Sie stichfrei durch die heißen Tage

Sie sind einfach nur lästig, weil sie unseren Schlaf stören und juckende Quaddeln hinterlassen: Stechmücken sind vor allem Plagegeister. Stiche von Zecken, Bienen und Wespen dagegen können ernste bis manchmal sogar lebensgefährliche Folgen haben.
25.08.2016, 00:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Sabine Doll und Alice Echtermann

Sie sind einfach nur lästig, weil sie unseren Schlaf stören und juckende Quaddeln hinterlassen: Stechmücken sind vor allem Plagegeister. Stiche von Zecken, Bienen und Wespen dagegen können ernste bis manchmal sogar lebensgefährliche Folgen haben.

Wespen und Bienen

Wo ist die Gefahr eines Wespen- oder Bienenstichs am größten?

2015 war ein gutes Jahr für Wespen – dieser Sommer dagegen weniger. Den Grund vermutet Biologe Rolf Witt vom Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) in der recht langen nass-kalten Phase in diesem Jahr. Wespennester dürften auf keinen Fall eigenhändig entfernt werden, sagt die Biologin Heike Schumacher vom BUND Bremen. „Generell stehen alle wild lebenden Tiere unter Naturschutz.“ Wer ein Problem mit einem Nest in der Nachbarschaft habe, könne sich an den BUND oder den Imkerverein Bremen wenden. Die Experten versuchten dann, die Tiere umzusiedeln, ohne die Nester zu beschädigen.

Honigbienen haben als fleißige Blütenbestäuber und Honigsammler zwar anders als Wespen einen sehr guten Ruf – trotzdem seien ihre Stiche gefährlich, sagt Rolf Witt. Das Gift einer Honigbiene sei sogar stärker als das einer Wespe. Allerdings würden Bienen so gezüchtet, dass sie weniger aggressiv sind. Die Gefahr eines Bienenstichs drohe vor allem beim Spaziergang über blühende Wiesen, da die Tiere gern auf den Blüten sitzen, erklärt Witt. Von Hummeln dagegen geht kaum eine Gefahr aus. Sie seien „sehr viel gemütlicher“ als Bienen und Wespen, sagt Heike Schumacher, und würden nur bei äußerster Bedrohung stechen.

Welche gesundheitlichen Risiken drohen?

„Stiche von Wespen und Bienen können drei Arten von Folgen haben. Der Körper reagiert an der Einstichstelle mit Schmerzen, einer Rötung und Schwellung“, erklärt Jens-Gert Kuipers, Chefarzt im Roten Kreuz Krankenhaus Bremen (RKK), die unmittelbare Hautreaktion nach einem Stich. Etwa zwei bis fünf Prozent entwickeln eine Allergie, die gefährlich werden kann. Kuipers: „Vor allem Wespenstiche sind dafür berüchtigt.“ Anzeichen sind Quaddeln am ganzen Körper, Schweißausbrüche, tränende Augen, Atemnot, Herzrasen, Zittern, Übelkeit oder Erbrechen. Sie entwickeln sich innerhalb weniger Minuten und können im schlimmsten Fall zu einem anaphylaktischen Schock führen. Kuipers: „Dann besteht akute Lebensgefahr durch Bewusstlosigkeit, Atem- und Kreislaufstillstand.“ Lebensgefahr bestehe auch, wenn in den Mund- und Rachenraum gestochen wird. So wie bei dem 78-jährigen Bremer, der vor kurzem nach einem Wespenstich im Mund gestorben ist. Die Schleimhäute seien so empfindlich, dass sie sofort extrem anschwellen und die Luftwege innerhalb weniger Minuten blockiert sind.

Verhaltenstipps:

Wichtigster Schutz: Wespen und Bienen aus dem Weg gehen – und vor allem, sie nicht durch Schlagen oder Anpusten provozieren. Wer das Fressverhalten der Wespen kennt, kann den Kontakt ganz einfach vermeiden. Die Vorlieben der Tiere änderten sich mit dem Verlauf des Sommers, erklärt Heike Schumacher vom BUND Bremen. Zu Beginn benötigen sie vor allem Eiweiß, um ihre Larven zu füttern. Sie fliegen daher bevorzugt auf Fleisch und töten andere Insekten, beispielsweise Mücken. Im Spätsommer lösen sich dann die Wespenvölker auf und die Königinnen legen keine Eier mehr. Die Arbeiterinnen müssen sich also nur noch selbst versorgen – und das tun sie mit süßem Nektar, weshalb Eis oder Kuchen besonders verlockend für sie werden. Schumachers Tipp: Die Tiere gezielt ablenken, zum Beispiel mit überreifem Obst in einiger Entfernung vom Sitzplatz im Garten.

Wer eine Insektengiftallergie hat, muss immer ein Notfallset bei sich haben. Es enthält ein Antihistaminikum, ein Kortisonpräparat und Adrenalin zum Inhalieren oder Spritzen. „Wer schon einmal eine allergische Reaktion hatte, dem wird dringend zu einer spezifischen Immuntherapie geraten“, betont Chefarzt Jens-Gert Kuipers. Dabei wird das Immunsystem durch regelmäßige Injektionen kleiner Mengen des Gifts an die Allergie auslösende Substanz gewöhnt – und dadurch unempfindlich gemacht.

Zecken

Wo ist die Gefahr eines Zeckenstichs am größten?

„Zurzeit ist Hochsaison für Zecken“, sagt Jens-Gert Kuipers. Die etwa ein bis zwei Millimeter kleinen Parasiten ernähren sich vom Blut zahlreicher Wirbeltiere. Dazu gehören auch Menschen. Über Zecken kursiert immer wieder der Irrtum, dass sie sich von Bäumen auf ihre Opfer stürzen. „Das ist nicht der Fall“, sagt der Chefarzt. „Sie lauern in Wiesen und Wäldern, im Gebüsch oder Gräsern und lassen sich von ihren Opfern, die daran vorbeikommen, abstreifen.“ Für ihre Blutmahlzeit suchen sich Zecken vor allem warme und feuchte Stellen am Körper aus, das sind zum Beispiel Achselhöhlen, Kopfhaut, die Innenseiten der Oberschenkel und Körperfalten.

Welche gesundheitlichen Risiken drohen?

Kuipers: „Zecken können Infektionskrankheiten wie die Lyme-Borreliose übertragen. Auslöser sind Bakterien, Borrelien, die durch den Zeckenstich in den Körper gelangen.“ Wird die Erkrankung nicht frühzeitig erkannt, kann sie zu Gelenkentzündungen, Schäden an Haut, Nerven, Herz und anderen Organen führen. Etwa jede zehnte Zecke in Norddeutschland trägt die Bakterien in ihrem Körper. Das größte Risiko geht von den Nymphen aus: Diese Vorstufe zur Zecke ist der Hauptüberträger von Borrelien. Typisches Anzeichen für eine Infektion kann eine Wanderröte sein: eine ringförmige Hautrötung rund um den Zeckenstich, die in der Mitte blasser wird. Sie ist aber nicht immer zu sehen. „Eine Borreliose wird mit Antibiotika behandelt.“ Zecken können auch eine Frühsommermeningoenzephalitis – kurz: FSME – auslösen. Das ist eine entzündliche Erkrankung des Gehirns oder der Hirnhäute. „FSME-Zecken kommen vor allem im Süden Deutschlands vor. Wer dort etwa zum Wandern hinreist, sollte sich impfen lassen“, sagt Kuipers. Gegen Borreliose gibt es keine Impfung.

Verhaltenstipps:

„Der beste Schutz vor Zecken ist Kleidung: lange Hosen, die in die Strümpfe gesteckt werden, und langärmelige T-Shirts“, betont Kuipers. Und das sorgfältige Absuchen des Körpers nach einem Spaziergang über die Wiesen. Wer fündig wird, sollte der Zecke auf keinen Fall mit Hausmitteln wie Öl oder Klebstoff zu Leibe rücken und sie bloß nicht quetschen oder drücken. „Im Todeskampf entleeren sie ihren kompletten Darminhalt inklusive Borrelien in den Körper ihres Opfers“, warnt der Chefarzt. Am besten wird das Tier mit einer Zeckenkarte oder -zange oder einer Pinzette entfernt. Wer die nicht zur Hand hat, greift den Zeckenkörper mit den Fingernägeln direkt oberhalb der Haut und zieht die Zecke heraus. Die Einstichstelle sollte gründlich mit Desinfektionsmittel abgespült werden, damit sie sich nicht infiziert.

Stechmücken

Wo kommen Stechmücken vor allem vor?

Laut den Experten des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (Zalf), die den sogenannten „Mückenatlas“ herausgeben, jagen die meisten Mückenarten in der Dämmerung und nachts. Sie legen ihre Eier in stehende Gewässer, weshalb Gartentonnen, Teiche oder auch gefüllte Gießkannen im Sommer ideale Brutstätten für die kleinen Blutsauger sind.

Welche gesundheitlichen Risiken drohen?

Grundsätzlich sind ganz „normale“ Mückenstiche vor allem lästig, weil die Quaddeln tagelang jucken. Aber: Nach Beobachtungen des RKK-Chefarztes sind die Hautreaktionen auf Mückenstiche in den vergangenen Jahren extremer geworden: „Es kommt häufiger vor, dass sich große Schwellungen entwickeln, manchmal sogar Arme oder Beine komplett angeschwollen sind. Diese starken Reaktionen könnten daran liegen, dass wir es mit mehr und anderen Mückenarten zu tun haben.“ Bei solchen Schwellungen sollte man immer zum Arzt gehen, um Infektionen zu vermeiden.“ Eine höhere Dosis Kortison oder Antibiotika könnten dann gegeben werden.

Verhaltenstipps:

Als Hausmittel gegen juckende und schmerzende Mücken- sowie Wespen- und Bienenstiche kann eine aufgeschnittene Zwiebel helfen. Auch Kühlpads oder ein kühlendes Gel, so der Chefarzt Jens-Gert Kuipers, seien hilfreich. Neue Mückenstiche werden durch lange Kleidung oder Duftmittel vermieden.

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