Rad-Brücken und günstigere Tickets So plant Rot-Grün-Rot die Verkehrswende in Bremen

Die Innenstadt soll bis 2030 weitgehend autofrei sein. Dieses Ziel haben die Koalitionäre von SPD, Grünen und Linken ausgegeben. Dafür wird es in den kommenden Jahren unterschiedliche Schritte geben.
26.06.2019, 19:45
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Von Nina Willborn und Norbert Holst

Keine Autos mehr, die im Bereich zwischen Kunsthalle und Bürgermeister-Smidt-Brücke, zwischen Hauptbahnhof und Westerstraße fahren: Das ist das Fernziel der rot-grün-roten Koalition für das Jahr 2030. Es bedeutet eine verkehrs-, aber auch klimapolitische Wende, für die in den kommenden Jahren viele einzelne Schritte notwendig sind. Zu den ersten, die der voraussichtliche künftige Senat auf den Weg bringen will, gehört die Anpassung der Preisstruktur für Tickets für den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV).

Vorgesehen ist, dass es für bestimmte Personengruppen günstiger oder sogar kostenlos werden soll, Busse und Bahnen zu nutzen. Dazu zählen zunächst die Kinder und Jugendlichen aus Familien, die Sozialhilfe beziehen. Auch der Preis des Stadttickets von derzeit 38,90 Euro soll auf rund 25 Euro sinken und auch auf Schüler und Auszubildende ausgeweitet werden. „Wir wollen die Gespräche auch mit dem Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen so schnell wie möglich starten“, sagt Sascha Aulepp, Landesvorsitzende der SPD. Das Thema ist in der Verwaltung bereits in Arbeit, nach WESER-KURIER-Informationen könnte die Preissenkung schon ab Anfang 2020 kommen – vorbehaltlich, das gilt für alle bislang vorgestellten politischen Projekte, der Finanzierung. Über Geld verhandeln die Parteien in der Koalitionsrunde am Freitag.

„Wir brauchen attraktive Komponenten, um die Menschen auf den Umstieg auf den ÖPNV oder aufs Rad zu bewegen“, sagt Maike Schaefer, Spitzenkandidatin der Grünen, die darunter sowohl finanzielle Anreize als auch infrastrukturelle Verbesserungen versteht. Zu Letzteren zählt als wichtiger Baustein die Errichtung von drei Brücken für Radfahrer und Fußgänger über die Weser zwischen Neustadt und Altenwall sowie in Hemelingen und Woltmershausen. Auch sie gehören zu den Projekten, die im Verkehrsressort Vorrang genießen sollen, zumal sie Bremen durch Fördermöglichkeiten des Bundes nicht alleine bezahlen müsste. Schaefer: „Die Brücken wollen wir in den nächsten vier Jahren bauen. Vieles andere werden wir erst mal planen müssen, bevor wir es umsetzen können.“ Dazu gehört zum Beispiel eine Prüfung, ob auch Bremen auf längere Sicht einen ÖPNV einrichten kann, der über Umlagen finanziert wird oder nach dem Wiener 365-Euro-Modell – und welches Konzept geeigneter wäre.

Planungsrecht gibt es durch einen Deputationsbeschluss aus dem Jahr 2014 schon für die Martinistraße, die SPD, Grüne und Linke „autoarm“ gestalten wollen. Das bedeutet, dass es künftig nur noch zwei statt vier Spuren für den Autoverkehr geben soll und die Radwege zugunsten von breiteren Bürgersteigen auf die Straße verlegt werden. Zusätzlich sollen mehr Querungen eingerichtet werden. Eine Verlegung der Straßenbahn aus der Obern- in die Martinistraße, wie sie sich einige Vertreter aus der Wirtschaft wünschen, ist dabei nicht geplant. Die Umgestaltung der Martinistraße könnte im Anschluss derer der Domsheide folgen, die in Planung ist. „Zusammen mit den Brücken, dem Fahrradmodellquartier und dem Wallring wären das Maßnahmen, mit denen Bremen deutschlandweit ein Beispiel für andere Städte sein könnte“, sagt Ralph Saxe, Verkehrspolitiker der Grünen. „Das ist eine riesige Chance für die Innenstadt.“ Wichtig sei es allerdings, die Bürger und Geschäftsleute in den Planungsprozess mit einzubeziehen. Weitere Projekte mit Priorität sind der Ausbau der A 281, bessere Taktungen bei Bussen und Bahnen auch in Randlagen sowie die Ausweitung des Anwohnerparkens in verschiedenen Stadtvierteln.

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Auf die Verkehrspläne von Rot-Grün-Rot gab es unterschiedliche Reaktionen. „Wir begrüßen grundsätzlich eine autofreie Innenstadt“, sagt Stefan Brockmann von der City-Initiative Bremen. Er schränkt aber ein: „Für uns muss die Erreichbarkeit der Innenstadt gesichert sein.“ Da habe man von SPD, Grünen und Linken aber bislang „wenig Konkretes gehört“. Recht zufrieden ist der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club mit den Ergebnissen der Koalitionsverhandlungen. „Nach erster Sichtung ist das ein großer Schritt für die Radverkehrsförderung in der Stadt“, erklärt ADFC-Geschäftsführer Sven Eckert. Kritik kommt vom ADAC. Sprecher Nils Linge betont, das Verkehrskonzept „wird nicht funktionieren“, weil die Verkehrsträger wie Auto und Fahrrad nicht gleich behandelt werden.

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