Mit Video So schön war der Bremer Samba-Karneval

Der farbenprächtige Umzug zum Bremer Samba-Karneval hat am Sonnabend Tausende Zuschauer an der Strecke vom Marktplatz bis ins Ostertor begeistert.
23.02.2019, 20:01
Lesedauer: 3 Min
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Von Kornelia Hattermann

Eine Explosion der Farben erlebten Tausende Zuschauer beim sonnigen Straßenkarneval am Sonnabend in Bremen, der sich ungetrübt der guten „Laune der Natur“ hingab.

Die Kostüme der vielen Sambistas, Stelzenläuferinnen, Tanz- und Maskenspielerinnen und -spielern leuchteten in der Sonne, die Gesichter der dicht gedrängt stehenden Zuschauer auf dem Marktplatz und entlang der Strecke über die Domsheide bis ins Ostertor strahlten. Der Samba-Rhythmus brachte alle in Bewegung.

"Besondere Stimmung"

„Es ist eine besondere Stimmung hier auf dem Marktplatz“, sagte Marquinhos aus Berlin, nachdem er die 48. und letzte Sambagruppe des Straßenkarnevals, Novos Caminhos aus Kiel, vom Marktplatz aus auf die Reise geschickt hatte. Von einem wunderschönen Programm in diesem Jahr sprach der Conferencier im schwarzen Samt-Cape, Zylinder auf dem Kopf. „Die kreativen Ideen, und wie liebevoll die Gruppen ihre Kostüme gestaltet haben“, das sei ganz besonders. „Das machen alle nebenbei in ihrer Freizeit“, betonte der Moderator, der viel in der Samba-Szene unterwegs und gerade aus Rio zurückgekommen war.

Das Motto „Laune der Natur“ des 34. Bremer Karnevals bot einen großen Gestaltungsspielraum, den viele Gruppen originell und gewitzt, mit kleinen Anspielungen oder großem politischen Statement umsetzten. Nachdem die Dom-Uhr zwölf Mal geschlagen hatte, inszenierten über 60 Akteure aus Bremer Einrichtungen wie dem Bürgerhaus Oslebshausen, von Tanzwerk, Zirkus Jokes und einigen mehr die poetisch launige Geschichte um die käufliche – oder doch unverkäufliche Natur? Katrin Witte erzählte von einer Hebebühne über dem Marktplatz aus von einem, der die Natur kaufen will, und dazu Halunken mitbringt, die zu jeder Schandtat bereit sind: Wälder roden, Braunkohle schöpfen, Platanen am Weserdeich köpfen. „Die Künste der Natur sind größer, als du denkst“, ruft Karin Witte, und es ist klar, wer in dieser Geschichte gewinnt.

Stelzen-Art

Nach der rund 30-minütigen Inszenierung warteten alle gespannt auf den Umzug, das Trommeln der Sambistas auf dem Marktplatz wurde immer lauter, und Stelzen-Art, die hoch aufragende Kostümgruppe von Janine Jaeggi, der Mitbegründerin und künstlerischen Leiterin des Bremer Karnevals, schritt voran und präsentierte ihre neuen fantasievollen Figuren.

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Dann ging es Schlag auf Schlag. Die Bremer Sambatanzgruppe Alegria tanzte zu den Klängen von Furiosa aus Berlin. Arco Iris aus Cambridge lief mit fast 50 Trommlerinnen und Trommlern vorbei, auch Bibo aus der Sesamstraße war dabei. Leuchtendes Lila folgte auf Knallorange, sattes Grün wurde abgelöst durch helles Gelb. Blaue Perücken, Zebras mit Blumenschwänzen, Bananen mit Kaktus auf dem Kopf, Waldgestalten mit Hörnern, Federboas und imposanter Kopfschmuck. Schräge Launen der Natur. Den Rhythms of Resistance, die Samba als Mittel verstehen, um ihrem Protest Gehör zu verschaffen, zum Beispiel gegen die Abholzung des Hambacher Forsts, schlossen sich Bremer Protestler an: „Platanen weg, Nein danke“, stand auf ihrem Plakat.

Lustige Widersprüche

Manchmal waren es aber auch die Widersprüche, die besonderen Spaß machten. Die Musiker von Via Jante aus München, die erstmals in Bremen dabei waren, waren wie Mozart gekleidet: Weiße Perücke, rote Jacke, schwarze Kniebundhose – und dann kamen statt klassischer Musik Sambaklänge dabei heraus. Die Samba-DNA trugen die Trommler von Bateria Incitar aus Quakenbrück in und an sich. Jeder und jede hat sich angeheftet, was für ein Stück er oder sie jeweils ist: „Lebenslustige DNA“ oder ein „durstiges Stück DNA“ beispielsweise.

„Schön! Wie immer“, lautete das Fazit von Daniel Steffen, der selbst einige Jahre bei Samba Batocada aus Osterholz-Scharmbeck mitgemacht hat. „Total begeistert“ war auch seine Schwiegermutter Tatjana Giese aus der Nähe Bremerhavens, die sich mit der Familie eine Dreiviertelstunde vor Beginn einen Platz direkt an der Strecke gesichert hatte. Sie trug ein Baby, ihren Enkel, auf dem Arm, der trotz der dröhnenden Trommeln sanft entschlummerte. Wohl als einziger auf dem Marktplatz.

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