Ex-Einbrecher gibt Tipps

So schützen Sie Ihr Haus vor einem Einbruch

Am 31. Oktober beginnt die Winterzeit - Einbrecher schlagen dann besonders gerne zu, weil es früh dunkel wird. Zum Start unserer neuen Serie „Aber sicher“ gibt ein Ex-Einbrecher Tipps zum Schutz.
27.10.2017, 19:55
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
So schützen Sie Ihr Haus vor einem Einbruch
Von Sabine Doll
So schützen Sie Ihr Haus vor einem Einbruch

Rolf H. ist früher in Häuser eingebrochen. Er sagt: "Viele Bewohner machen es Einbrechern zu leicht, zum Beispiel weil Fenster gekippt lassen, wenn sie nicht zu Hause sind."

Frank Thomas Koch

Es ist gegen 18 Uhr. Rolf H. weiß, wonach er schauen muss. Der junge Mann trägt eine Mütze, dunkle Kleidung und Handschuhe. In der Innentasche seiner Jacke stecken ein Schraubendreher und eine schmale Taschenlampe. Mehr hat er nicht mit. Und mehr braucht er nicht, wenn er gefunden hat, was er sucht. Seine Augen suchen die Häuserreihe in der Wohnstraße ab. Rolf H. findet das Haus, das ihm perfekt erscheint. Keine Rollläden vor den Fenstern, drinnen ist alles dunkel. Die Straße ist leer, niemand zu sehen. Der perfekte Ort und die perfekte Zeit für das, was Rolf H. vorhat.

Vorsichtig schiebt er die Gartentür auf und verschwindet hinter dem Haus. Es bleibt dunkel, also auch kein Bewegungsmelder. Auf der Terrasse stehen Gartenmöbel, die Bewohner haben sie vor Regen und Sturm mit einer Plastikplane geschützt. Auch von hinten ist kein Licht in dem Einfamilienhaus zu sehen. Niemand ist zu Hause. Rolf H. holt den Schraubendreher aus der Jacke. Er weiß genau, wo er ihn ansetzen muss. Und er weiß, wenn der Fensterrahmen sofort ein Stück nachgibt, dass ihn auch kein weiterer Widerstand erwartet. Noch einmal weiter unten angesetzt, dagegen drücken, das Fenster ist auf. Nicht einmal 30 Sekunden. Rolf H. verschwindet in dem Haus. Auch hier weiß er, wo er suchen muss. In Kleiderschränken, Kommoden und Schubladen. Mit der Taschenlampe leuchtet er in die Schränke, den Lichtkegel deckt er ein wenig mit der Hand ab. Damit er von draußen nicht zu sehen ist. Alles geht ganz schnell. Rolf H. sucht vor allem Bargeld und Schmuck. Nach gut einer Viertelstunde ist er wieder weg.

Lesen Sie auch

„Herbst und Winter sind die Hauptzeit für Einbrüche“

Rolf H. war Einbrecher. So oder ähnlich hat sich das abgespielt, was ihn schließlich ins Gefängnis brachte. Mehrere Jahre ist das jetzt her. „Eine Zeit lang ging alles gut, irgendwann konnte man mir aber die Einbrüche nachweisen“, sagt er. „Auf frischer Tat bin ich aber nicht erwischt worden.“ Er hat seine Strafe abgesessen und ist seitdem nicht wieder rückfällig geworden, sagt der Ex-Einbrecher. Er überlegt, ob er sich vielleicht irgendwann als Sicherheitsberater selbstständig machen soll. Rolf H. weiß, wo die Schwachstellen in Häusern sind. Er weiß, an welchen Stellen es Einbrechern zu leicht gemacht wird, wie er sagt. Und er weiß, wann die „beste“ Zeit dafür ist, „Häuser zu machen“. Rolf H. ist ausschließlich in Häuser eingebrochen.

„Herbst und Winter sind die Hauptzeit für Einbrüche – weil es früh dunkel wird“, sagt er. „Meistens sind die Bewohner nicht vor 19 oder 20 Uhr zu Hause. Sie arbeiten, gehen danach oft noch einkaufen, ins Fitnessstudio.“ Die Ferienzeit sei weniger interessant, weil dann die Nachbarn informiert würden und ein Auge auf das Haus hätten. Geld und Schmuck würden oftmals auch in den Urlaub mitgenommen. „Einbrecher müssen schnell rein und wieder raus. Das Schlimmste, was passieren kann, ist entdeckt zu werden“, sagt er. „Wenn ich bei einem Haus gemerkt habe, das wird hier zu aufwendig, und das dauert zu lange, dann habe ich das gelassen.“

„Man muss es Einbrechern so schwer wie möglich machen“

Rolf H. war überrascht, wie oft es Einbrechern zu leicht gemacht wurde. Durch Unachtsamkeit etwa, wenn Fenster oder Terrassentüren während der Abwesenheit gekippt gewesen seien, das komme einer Einladung gleich. „Vor allem, wenn eines von zwei nebeneinanderliegenden Fenstern gekippt ist. Dann muss jemand nur reingreifen und mit dem Griff das geschlossene Fenster öffnen.“ Rolf H. vermutet, dass es neben der Unachtsamkeit oftmals auch der Glaube sei: Das ging bislang gut, da wird schon nichts passieren. Oder: Wer bricht schon am Tag ein. Außerdem seien da doch die Nachbarn. Das sei jedoch ein Trugschluss.

Der größte Fehler aus Sicht des Ex-Einbrechers sind ungesicherte Türen und Fenster. Rolf H.: „Das A und O ist: Fenster und Türen immer schließen. Und vor allem sollte man sich von Fachleuten beraten lassen, wie man Türen und Fenster sicher macht.“ Bei Fenstern etwa gebe es bestimmte Widerstandsklassen, die empfohlen würden. Die Rahmen seien an der Innenseite zum Beispiel mit sogenannten Pilzkopfverriegelungen versehen. Bei ganz einfachen Fenstern dauere es gerade einmal eine Minute, bis ein Einbrecher mithilfe eines Schraubendrehers im Haus sei. „Die bieten wirklich keinen Schutz. Man muss es Einbrechern so schwer wie möglich machen. Erstens: Damit sie Haus oder Wohnung gar nicht erst als lohnendes Objekt in Erwägung ziehen. Oder, wenn sie es doch versuchen: Sie müssen scheitern, weil es viel zu aufwendig wäre und zu lange dauern würde, um hineinzukommen.“

Nachbarn sollten Polizei rufen - und den Einbrecher nicht aufschrecken

Ein weiterer Fehler sei es, ein Haus im Dunkeln zu lassen. Eine Möglichkeit sei der Einbau einer Zeitschaltuhr, um dafür zu sorgen, dass das Licht eingeschaltet wird, sobald es dunkel ist. „Das sieht so aus, als wäre jemand zu Hause – und schreckt Einbrecher in der Regel ab“, sagt Rolf H. „Niemand will auf frischer Tat ertappt werden.“

Und auch für Nachbarn, die den Verdacht haben, dass im Haus oder der Wohnung nebenan offenbar eingebrochen wird, hat der Ex-Einbrecher einen Hinweis: „Kommt das vor, sollte man umgehend und vor allem ohne Aufsehen die Polizei rufen. Man sollte Einbrecher nicht etwa durch lautes Rufen darauf aufmerksam machen, dass man sie im Nachbarhaus bemerkt hat. Dann ist nämlich die Chance, dass sie von der Polizei am Tatort erwischt werden, extrem schlecht.“

KfW fördert Einbruchschutz

Wer Haus oder Wohnung vor Einbrechern schützen will, kann dafür Zuschüsse bekommen. Die KfW Bankengruppe fördert Investitionen zum Einbruchschutz. Seit dem 15. September dieses Jahres ist dieser Zuschuss erhöht worden: Bei Einzelmaßnahmen zum Einbruchschutz beträgt der Zuschusssatz neuerdings 20 Prozent der förderfähigen Investitionskosten pro Antrag. Übersteigen die Kosten 1000 Euro, werden die ersten 1000 Euro mit 20 Prozent und dierestlichen förderfähigen Investitionskosten mit zehn Prozent gefördert. Wichtig: Der Antrag muss vor Beginn der Umrüstung gestellt werden.

Eine Beispielrechnung: Bei Investitionskosten von insgesamt 5500 Euro für eine Wohneinheit beträgt der Zuschuss danach für die ersten 1000 Euro 200 Euro (20 Prozent) und 450 Euro für den Rest (zehn Prozent). Oder: Bei einer Gesamtsumme von 16.600 Euro für eine Wohneinheit gibt es einen Zuschuss von 200 Euro für dieersten 1000 Euro (20 Prozent) plus noch einmal 1400 Euro für 14.000 Euro (zehn Prozent). Maximal werden 15.000 Euro bezuschusst. Die Bremer Aufbau-Bank informiert beim Tag des Einbruchschutzes in der Handwerkskammer am Sonntag, 29. Oktober, über die Fördermöglichkeiten.

Serie "Aber sicher":

  • 28. Oktober: Einbruchschutz
  • 1. November: Unterwegs mit dem Auto
  • 4. November: So wird der Garten winterfest
  • 7. November: Bleiben Sie gesund
  • 11. November: So heizen Sie richtig
  • 14. November: Fahrradsicherheit
  • 18. November: Haustiere in der Kälte
  • 21. November: Rund ums Haus
  • 25. November: Anwohnerpflichten
  • 28. November: Alles über Beleuchtung
  • 2. Dezember: Sportlich bleiben
  • 5. Dezember: Was tun bei Notfällen?
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+