Von Ausstrahlungskraft bis hin zu mehr Entscheidungsgewalt

So soll er sein - oder sie

Jens Böhrnsen geht, die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin läuft. Die Bürger haben bei der Besetzung des Amtes zwar nichts zu melden, aber durchaus Wunschvorstellungen vom wichtigsten Repräsentanten Bremens.
13.05.2015, 00:00
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Von Anke Landwehr, WESER-KURIER und Alexandra Knief
So soll er sein - oder sie

Jan-Peter Halves

Christina Kuhaupt

Jens Böhrnsen geht, die Suche nach einem Nachfolger oder einer Nachfolgerin läuft. Die Bürger haben bei der Besetzung des Amtes zwar nichts zu melden, aber durchaus Wunschvorstellungen vom wichtigsten Repräsentanten Bremens. Der WESER-KURIER hat sich umgehört.

Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative: Was wir brauchen, ist ein Visionär und Stratege. Die Probleme in Bremen sind so groß, dass jemand mit frischen Ideen die Kräfte bündeln muss. Ein „weiter so“ reicht nicht. Angesichts der Herausforderungen müssen Dinge komplett neu gedacht werden, ich denke da unter anderem an Ladenöffnungszeiten und verkaufsoffene Sonntage. Außerdem: Wenn wir das kleinste Bundesland sind, dann müssen wir schneller sein als die anderen. Es kann doch zum Beispiel niemand verstehen, dass ein Autobahnring 20 Jahre dauert. Bürgerbeteiligung ja, aber irgendwann muss man auf den Punkt kommen und an die Umsetzung gehen. Dieser Kaugummifaktor erschöpft uns. Der Bürgermeister sollte sich als erster Bürger der Stadt verstehen und das auch leben. Das geht aber nur mit der Richtlinienkompetenz. Es kann nicht sein, dass wir sieben oder acht Herzöge – sprich: Senatoren – haben und einen Bürgermeister ohne Weisungskompetenz. Ich hätte übrigens nichts dagegen, wenn es eine Bürgermeisterin wird und habe da gewisse Sympathien für Frau Hiller. Sie macht ihre Sache als Bremer Bevollmächtigte beim Bund sehr souverän und hat sich da auch gute Kontakte aufgebaut.

Irene Bejenke Walsh

Irene Bejenke Walsh

Foto: Frank Thomas Koch

Irene Bejenke- Walsh, Initiatorin der Petition 100 neue Lehrer für Bremen: Ich fände eine Frau gut. Frau Hiller macht einen ganz sympathischen Eindruck, und sie weiß etwas über Bundespolitik. Wer auch immer es wird, sollte Offenheit mitbringen, die Meinung der Bürger respektieren und sich austauschen. Davon hat man bei Böhrnsen leider nur wenig gesehen. Frau Vogt von den Linken hat das ganz gut gemacht mit dem Zuhören. Es ist ihre große Stärke, Anliegen der Bürger ernst zu nehmen und in die Bürgerschaft zu transportieren. Sie ist auf allen politischen Gebieten sehr bewandert und zudem eine energische Frau, die keine Angst vor heiklen Themen hat und die auch durchsetzen kann. In Sachen Bildung und Armut, die Kernbrennpunkte Bremens, hat sie sich sehr engagiert. Grundsätzlich: Der Bürgermeister sollte nicht nur eine dekorative Rolle haben, sondern eine Führungspersönlichkeit sein. Er sollte Dinge anstoßen, durchsetzen und auch kontrollieren können. Dafür wäre die Richtlinienkompetenz wichtig.

Marcel Haupt

Marcel Haupt

Foto: Frank Thomas Koch

Marcel Haupt (21) aus der Bahnhofsvorstadt: Ein Bürgermeister braucht charakterliche Reife und muss Führungsqualitäten mitbringen. Auch finde ich es wichtig, dass er teamfähig ist. Bestimmte Bereiche, in denen unbedingt etwas geändert werden muss, fallen mir nicht ein. Eigentlich bin ich ziemlich zufrieden damit, wie Bremen gerade ist.

Cord Hesterberg

Cord Hesterberg

Foto: Frank Thomas Koch

Cord Hesterberg (49) aus Schwachhausen: Am besten wäre es, wenn der neue Bürgermeister eine große Menge Geld mitbringt, um die Haushalte in Schuss zu bringen. Er sollte mehr Lehrer einstellen, damit weniger Unterricht ausfällt, und er sollte sich für mehr Sicherheit einsetzen, indem er die Polizei personell verstärkt oder dort für eine bessere Ausbildung sorgt. Er sollte ein offener, sympathischer Typ sein und volksnah – so, wie es Henning Scherf war. Das wäre schön.

Jutta Papenhagen

Jutta Papenhagen

Foto: Frank Thomas Koch

Jutta Papenhagen (68): Ich wünsche mir jemanden, der die Zügel in die Hand nimmt. Er oder sie soll sich besonders für Bildung einsetzen, gerade bei den Schulen muss viel gemacht werden. Der neue Bürgermeister sollte sowohl Feingefühl als auch Durchsetzungsvermögen mitbringen, und er sollte offen sein. Dabei kann er auch ruhig ein bisschen Entscheidungsmacht haben, er ist ja schließlich Bürgermeister.

Sylvia Gerking, Geschäftsführerin der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG): Mit meinen Kollegen habe ich über diese Frage noch nicht gesprochen, deshalb kann ich nur meine persönliche Meinung sagen. Ob ein Mann oder eine Frau das Amt bekommt, ist nicht relevant, Qualität hat nichts mit dem Geschlecht zu tun. Herr Böhrnsen hat das exzellent gemacht, der war hanseatisch gut. Ich ziehe meinen Hut vor ihm. Von der Richtlinienkompetenz halte ich nichts: Wozu haben wir Senatoren? Die haben alle Kompetenzen. Da brauche ich niemanden, der von oben durchgreift. Alle zusammen müssen zusehen, dass Bremen und Bremerhaven zusammenhalten, dass wir die soziale Infrastruktur erhalten. Für den sozialen Frieden zu sorgen und darauf zu achten, dass wir einander achten und respektieren, ist eine wichtige Aufgabe. Deshalb wünsche ich mir jemanden, der den sozialen Bereich im Blick hat und nicht nur darauf schaut, was Handel, Banken und Versicherungen für die Stadt bringen.

Klaus Ziegler, Vorsitzender der Landesgruppe Bremen des AGA-Unternehmensverbandes: Ob ein Mann oder eine Frau in dieses Amt gewählt wird, ist mir egal. Wichtig ist Entscheidungsfreude. Die käme natürlich nur dann zum Tragen, wenn die Person Richtlinienkompetenz erhält. Ich fordere das. Dass es sie in Bremen bisher nicht gibt, hat Herrn Böhrnsen im Wege gestanden. Die Fähigkeit zum sozialen Ausgleich ist erforderlich und setzt zugleich eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik voraus: Einen Arbeitsplatz zu haben, ist der Zufriedenheit des Menschen dienlicher, als wenn er von staatlicher Unterstützung leben muss. Konkret heißt das unter anderem, dass Genehmigungsverfahren gerade im Bauwesen und bei Unternehmensgründungen beschleunigt und Verwaltungsprozesse verschlankt werden müssen.

Ingo Podien

Ingo Podien

Foto: Frank Thomas Koch

Ingo Podien (58) aus Findorff: Der neue Bürgermeister muss ein bisschen zaubern können, denn aus der aktuellen Situation etwas richtig Gutes zu machen, ist schwer. Er braucht Ausstrahlung, Kompetenz und muss glaubwürdig sein. Dabei dürfen auch Fehler passieren, so lange er diese eingesteht.

Klaus Hübotter

Klaus Hübotter

Foto: Frank Thomas Koch

Klaus Hübotter, Wohnungsbauunternehmer: Zunächst – ich war, bin und bleibe ein Freund von Jens Böhrnsen. Der neue Bürgermeister sollte unbedingt eine weitgehende Richtlinienkompetenz haben und diese mit Entschiedenheit anwenden. Ob er dabei anecken muss oder nicht, ist bedeutungslos. Der neue Bürgermeister hat einen großen Vorteil, da die gesamte Legislaturperiode jetzt vor ihm liegt und er nicht gezwungen ist, irgendwelche Wahlgeschenke zu machen. Im Gegenteil, er wird in vielen Bereichen mehr nehmen müssen als geben können, um die bekannten Bremer Defizite auszugleichen. Ob der neue Bürgermeister eine Frau oder ein Mann sein wird, spielt keine Rolle. Hauptsache, es wird eine gute Politik gemacht. Allerdings, wenn ich mir die gestern im WESER-KURIER genannten Namen ansehe, dann denke ich im konkreten Fall doch eher an ein paar ausgezeichnete Männer: Carsten Sieling, Ulrich Mäurer und Andreas Bovenschulte.

Antonia Gerwien

Antonia Gerwien

Foto: Frank Thomas Koch

Michael Börgerding, Intendant Theater Bremen: Ich wünsche mir eine Person, die der Kultur einen Rückhalt gibt. Und sich auch für Kultur interessiert, wie es Böhrnsen getan hat. Das Modell, dass der Bürgermeister auch Kultursenator ist, hat der Bremer Kultur sehr gut getan – vor allem auch dank der Arbeit der Staatsrätin Frau Emigholz.

Antonia Gerwien (18) aus Peterswerder: Mann oder Frau ist mir egal. Hauptsache, die Person ist nett und tolerant. Der neue Bürgermeister sollte zuhören können und nicht nur sich selbst gerne reden hören. Schön wäre es, wenn er mehr soziale Aspekte in den Vordergrund rückt.

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