Serie "Behörde, Behörde": Teil 3

So tickt die Verwaltung des Ressorts für Kinder und Bildung

Wie funktionieren die Bremer Behörden, was macht eigentlich so eine Verwaltung? In dieser Serie erklären wir die verschiedenen Ressorts. In der Bildungsbehörde wird an Änderungen in der Struktur gearbeitet.
12.01.2020, 20:07
Lesedauer: 3 Min
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So tickt die Verwaltung des Ressorts für Kinder und Bildung
Von Nina Willborn
So tickt die Verwaltung des Ressorts für Kinder und Bildung

Die Behörde für Kinder und Bildung ist neben zwei weiteren Standorten in dem Nachkriegsbau am Rembertiring zu Hause.

Frank Thomas Koch

Zumindest die Baustelle direkt vor der eigenen Tür sind sie los am Rembertiring – wer die Behörde für Kinder und Bildung besuchen wollte, musste bis vor Kurzem wegen Arbeiten im Untergrund über eine Holzplanke zum Eingang laufen. Das Bild der Baustelle passt trotzdem nicht nur wegen des maroden Muschelkalk-Reliefs im Gehwegbereich zum Haus von Senatorin Claudia Bogedan (SPD), das sich zusammen mit der Behörde für Umwelt, Bau und Verkehr ein enges Rennen um den Titel des in der Öffentlichkeit meist gescholtenen Ressorts liefert.

Fehlende Lehrer, mangelndes Personal sowie Plätze in den Kindertagesstätten, marode Gebäude, grundsätzlich immer zu wenig Geld im Etat und beständig hintere Plätze bei den bundesweiten Vergleichstests: Die Liste der fachlichen Kritikpunkte, die Eltern, (Oppositions-)Politiker sowie Interessensvertreter regelmäßig monieren, ist lang. Die Bildungsbehörde hat nicht aber nur viele inhaltliche Baustellen zu bewerkstelligen. Auch intern gibt es im Moment einen größeren Umbruch, der einige der 315 Männer und Frauen, die an einem der drei Standorte des Ressorts (Rembertiring, An der Weide, Emil-Waldmann-Straße) arbeiten, direkt betrifft.

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Weil das Bildungsressort auch für die rund 1530 Beschäftigten bei Kita Bremen, die etwa 5200 kommunalen Lehrkräfte sowie die 375 Stellen für schulisches Personal, das nicht unterrichtet, zuständig ist, ist es die nach Köpfen größte Behörde. Entsprechend hoch ist mit knapp 978 Millionen Euro der Gesamthaushalt, 365 Millionen davon – mehr, als andere Ressorts insgesamt zur Verfügung haben – beträgt das Budget nur fürs Personal.

Abteilung Schule besonders groß

Im Titel der Behörde stehen derzeit die Kinder vor der Bildung, bei den internen Abteilungen ist es umgekehrt: Die vier Referate der „Frühkindlichen Bildung“ tragen die Ordnungsnummer 3 vorne, die sechs der „Schulischen Bildung“ die 2. Die Strukturen und Aufgaben der beiden Abteilungen unterscheiden sich, auch allein aufgrund ihrer Größe: 109 Mitarbeiter hat der Bereich Schule, 38 der der Kinder. Das liegt auch daran, dass nur 80 der insgesamt etwa 400 Bremer Kitas öffentlich betrieben werden, der große Rest von freien Trägern.

„Das Bildungsressort hat zwar die Fachaufsicht über alle“, erklärt Annette Kemp, Sprecherin der Senatorin, „aber die Dienstaufsicht nur über die Mitarbeiter von Kita Bremen. Bei den Schulen haben wir die Dienstaufsicht sowie die rechtliche und fachliche.“ Das wiederum bedeutet, dass zum Beispiel im Referat 24 („Schulbetrieb und -entwicklung“) geprüft wird, ob die Vorgaben der Kultusministerkonferenz eingehalten werden, dort ist auch – noch – die Aufsicht über die verschiedenen Schultypen angesiedelt.

Bremen bekommt, was es in Bremerhaven bereits seit Jahren gibt: ein Schulamt als administrative Fachaufsicht. „Wir trennen damit kommunale von Landesaufgaben“, sagt Kemp. „Bislang war die Struktur so, dass über die Jahre viel zusammengewachsen ist.“ Nun wird als erste Maßnahme besagtes Referat 24 zusammen mit den Kollegen aus der 25 („Zusammenarbeit Schule - Jugendhilfe“), die sich unter anderem um Ganztagsangebote kümmern, der neuen Abteilung 4 zugeordnet. Wie das Schulamt später genau aussehen wird, daran arbeiten seit dem 8. Januar die vormaligen Schulleiter Carsten Dohrmann (Grundschule Stichnathstraße) und Andreas Kraatz (Oberschule an der Egge) als Gründungsbeauftragte zusammen mit den Fachkollegen. Insgesamt wird intern mit ungefähr 40 Stellen für die neue Abteilung geplant. „Es ist eine sehr komplexe Aufgabe“, sagt Kemp. „Wir schauen da auch nach Bremerhaven, als Vorbild für uns.“

Neue Strukturen

Nicht nur das Schulamt muss sich derzeit strukturieren, auch eine neue Abteilung 5 wird vorbereitet. Bremen braucht in Zukunft dringend mehr Platz für seine Schüler, 104 von 125 Schulstandorten sollen bis zum Jahr 2025 wegen der Prognosen über steigende Zahlen im Primar- und Sekundarbereich und den Verpflichtungen für Ganztagsbetreuung und Inklusion erweitert oder umgebaut werden, dazu kommen neun komplett neue Schulen. Ebenso müssen weitere Kitas gebaut werden. Diese Aufgabe, die im Senat Priorität genießt, soll künftig eine eigene Abteilung im Ressort organisieren – zumindest so lange, bis der Sanierungsberg abgetragen ist. Danach, so der Plan, wird die Abteilung wieder in das Liegenschaftsreferat als Teil der Zentralen Dienste eingegliedert.

Umbruchszeiten sind es am Rembertiring, und auch in diesem Ressort drückt die Problematik der fehlenden Fachkräfte. „Wir können machen, was wir wollen, die Decke ist zu kurz“, sagt Kemp. Nach mehreren Etat-Aufstockungen, 2019 etwa waren es 129 Millionen Euro, ist nicht das Geld das größte Problem. Kemp: „Die Menschen fehlen, nicht die Stellen. Da ist dann hier im Haus Fantasie gefragt.“ Und Optimismus, den braucht auch, wer in dieser Behörde arbeitet. „Die meisten von außen sehen nur das, was fehlt. 1066 fehlende Kitaplätze wiegen schwerer als 4000 seit 2016 geschaffene“, sagt Kemp. „Aber wir sehen Licht am Ende des Tunnels, auch wenn er noch lang ist.“

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