Lüssum hat ein Müllproblem

Sofas und Sessel auf dem Radweg

Wenn sich erstmal etwas eingebürgert hat, ist es sehr schwer, davon wieder loszukommen. In Lüssum sorgt das für Ärger. Der Blumenthaler Ortsteil hat ein Müllproblem.
07.06.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Ulrike Schumacher
Sofas und Sessel auf dem Radweg

An einigen Plätzen wird regelmäßig Müll abgelagert.

Christian Kosak

Wenn sich erstmal etwas eingebürgert hat, ist es sehr schwer, davon wieder loszukommen. In Lüssum sorgt das für Ärger. Der Blumenthaler Ortsteil hat ein Müllproblem.

„Auch, weil sich bei den Leuten eingebürgert hat: Da kann ich meinen Schiet abladen“, sagt Malte Freudenberg. Der Kontaktpolizist hat den Unrat täglich vor Augen. Nun soll das Müllproblem auch Thema sein, wenn sich die Stadtteilgruppe Lüssum am Dienstag, 7. Juni, im Haus der Zukunft, Lüssumer Heide 6, zur Sitzung trifft. Sie beginnt um 16 Uhr.

Quartiersmanagerin Heike Binne berichtet von Mülleimern und Müllcontainern, die überquellen und von „ganz viel Sperrmüll“. Kontaktpolizist Malte Freudenberg nennt dafür „zwei Problemstellen“. Eine liegt auf dem öffentlichen Platz mit Sitzbänken in der Lüssumer Heide zwischen den Häusern 11 bis 23. „Da wird gern von Bewohnern und von Fremden Sperrmüll abgeladen“, weiß Freudenberg. Das habe sich regelrecht etabliert. „Da liegt alles. Das kann man sich gar nicht vorstellen.“ Der Kontaktpolizist spricht von „kompletten Wohnzimmereinrichtungen, die bis auf den Radweg stehen“. Wenn sich wieder Müll angesammelt hat, ruft er bei der Leitstelle „Saubere Stadt“ an, die den Unrat abtransportiert. „Das sind Kosten, die die Allgemeinheit trägt.“ Sein letzter Anruf liegt eine Woche zurück. Eine halbe Woche später habe wieder Müll herumgelegen.

Problem Container

Problemstelle Nummer zwei befinde sich an der Lüssumer Heide zwischen den Hausnummern 23 bis 44. Hier sei das Problem, dass zwei unterschiedliche Wohnungsbaugesellschaften Vermieter seien, berichtet Malte Freudenberg. Zuständig sind die Wohnungsunternehmen Vonovia und die Baum-Gruppe. „Zwischen den Häusern führt ein Fuß- und Radweg zum Lüssumer Ring – vorbei an einem Reihenhaus. Der Bewohner hat es „tipptopp in Schuss“, beschreibt der Kontaktpolizist die Lage.

Problem seien aber die Müllcontainer, die an seinen Garten grenzten. Inzwischen sind sie weg. Das Immobilienunternehmen Baum-Gruppe, das hier Vermieterin von 27 Wohnungen ist, hat für die Container eigens einen Müll-Raum eingerichtet, sagt die Sprecherin der Wohnungsgesellschaft. „Aber die Leute legen ihren Müll da trotzdem ab“, wendet der Kontaktpolizist ein. „Die Bewohner interessiert es nicht, wer ihr Vermieter ist.“ Und wenn erst mal etwas herumliegt, kommt schnell was dazu, sagt Malte Freudenberg. „Das lockt Ratten und große Vögel an.“ Das Verhalten gehe durch alle Nationalitäten. Es sei eine Frage der Persönlichkeitsstruktur, wie achtlos jemand mit Müll umgehe.

In der Vergangenheit hätten die Wohnungsgesellschaften für ihre Häuser Mitarbeiter gehabt, die sich darum kümmern, dass der Müll entsorgt wird. Die seien seit einiger Zeit aber nicht mehr im Einsatz, weiß der Kontaktpolizist. „Je weniger die Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaften vor Ort sind, umso problematischer wird es mit dem Müll.“ Zudem sei die Zahl der Bewohner gestiegen. „Von den insgesamt betroffenen 244 Wohnungen sind knapp 200 belegt – überwiegend mit Familien“, sagt die Quartiersmanagerin. Die Baum-Gruppe „hat einen externen Dienstleister mit dem Abfallmanagement vor Ort beauftragt“, berichtet Unternehmens-Sprecherin Friderike Carolin Weiss. „So wird mindestens einmal pro Woche der Müllplatz sowie die ordentliche Befüllung der Restmüllcontainer kontrolliert.“ Darüber hinaus würden die Standplätze gereinigt und „das Volumen der Abfall- und Wertstoffbehälter kontrolliert, damit sie dem tatsächlichen Bedarf vor Ort angepasst werden“.

„Das Müllproblem bereitet uns Sorgen und ärgert uns“, sagt auch Blumenthals Ortsamtsleiter Peter Nowack. Wie die Quartiersmanagerin und der Kontaktpolizist hält er es für sinnvoll, wenn an die Bewohner Flyer in verschiedenen Sprachen verteilt würden, um zu erklären, wie Müllentsorgung bei uns lauft. „Wir müssen den Leuten vermitteln, dass es so nicht geht“, meint Peter Nowack. Vonovia plane zusätzlich zu den aktuell nur deutschen Hinweisen künftig mehrsprachige Aushänge im Haus, kündigt Unternehmenssprecherin Bettina Benner an. Der Objektbetreuer und der Kontaktpolizist hätten in den vergangenen Wochen auch die Bewohner besucht und sie für das Problem sensibilisiert. Es gebe zudem Gespräche mit dem Müllmanagement-Partner Innotec, „der auch die Müllplätze sauber hält“.

Der Kontaktpolizist nennt aber auch ein positives Beispiel dafür, wie Vermieter das Problem in den Griff bekommen. Am Lüssumer Ring habe die Gewoba „ein Vorzeigeobjekt“. Hier gebe es für den Müll ein abgesperrtes Areal. Und seit ein Concierge am Eingang im Dienst ist, seien die Flure und Fahrstühle nicht mehr verdreckt. „Das Unwohlsein beim Betreten des Haus gibt es jetzt nicht mehr.“

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