Stromverbrauch bis zu den Kosten

Fragen und Antworten rund um die Solaranlagen-Pflicht für Neubauten in Bremen

Die Bremer Regierung hat eine Pflicht für Solaranlagen bei Neubauten beschlossen. Wir klären die wichtigsten Fragen und Antworten.
11.06.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Fragen und Antworten rund um die Solaranlagen-Pflicht für Neubauten in Bremen
Von Pascal Faltermann
Fragen und Antworten rund um die Solaranlagen-Pflicht für Neubauten in Bremen

So wird es demnächst in Bremen häufiger aussehen: Eine Solaranlage wird auf einem Dach installiert.

Rolf Haid / dpa

Wer künftig in Bremen baut, kommt an einer Anlage für Solarenergie kaum noch vorbei. Jeder geeignete Neubau im Bundesland soll nach dem Beschluss der rot-grün-roten Regierungskoalition vom Mittwoch verpflichtend mit Fotovoltaik ausgestattet werden. Doch was bedeutet das konkret? Was bringt das? Und wie kann das umgesetzt werden? Fragen und Antworten dazu:

Ist eine Solardach-Pflicht sinnvoll?

„Für das Erreichen der Klimaschutzziele müssen wir unseren Energiebedarf erstens senken und zweitens mit erneuerbaren Energien decken. Im urbanen Raum bietet sich hierzu die Solarenergie an, sagt Martin Grocholl, Geschäftsführer der gemeinnützigen Bremer Klimaschutzagentur Energiekonsens. Ähnlich sieht es Gerhard Cunze, geschäftsführender Gesellschafter der Bremer Firma Adler Solar Services: „Solaranlagen sind in innerstädtischen Gebieten wie in Bremen die einzige realistische Möglichkeit, einen eigenen Beitrag zur erneuerbaren Stromerzeugung zu leisten.“ Bei einem aktuellen Wert von etwa 518 Gramm CO2 pro Kilowattstunde Strom trage eine Fotovoltaik-Anlage mit vier Kilowatt Peak (maximale Leistung der Solaranlage) bei 850 Kilowattstunden Ertrag pro Jahr zu einer CO2-Minderung von 1760 Kilogramm bei, rechnet Grocholl vor. Kilowatt-Peak (kWp) ist ein Maß für die Leistung einer Fotovoltaik-Anlage, Kilowattstunden (kWh) geben die durch die Anlage erzeugte Strommenge an.

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Wann rechnet sich eine Solaranlage?

Da die Einspeisevergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gesunken sei (aktuell bei 9,17 Cent pro kWh), rechne sich eine PV-Anlage in der Regel, wenn der produzierte Strom nicht nur ins Netz eingespeist, sondern zusätzlich selber genutzt werde, sagt Energiekonsens-Chef Grocholl. „Nach wie vielen Jahren sich eine Solaranlage amortisiert, hängt hauptsächlich vom eigenen Strombedarf und der Größe der Solaranlage ab.“ Faktoren wie Ausrichtung, Neigung und Verschattung spielen dabei eine Rolle. Bei Unternehmen mit großen Dachflächen und hohem Stromverbrauch während des Tages – also der sonnenreichen Stunden – stehe die Wirtschaftlichkeit außer Frage, aber auch bei kleineren Haushalten lohne sich eine PV-Anlage auf längere Sicht oft ebenfalls finanziell, so Grocholl.

Was kostet eine Solaranlage?

Bei einer für Ein- bis Zweifamilienhäusern üblichen Anlagengröße von drei bis fünf Kilowatt-Peak sei laut Energiekonsens mit Kosten von circa 1500 bis 1700 Euro pro Kilowatt-Peak ohne Speicher zu rechnen. Bei größeren Bauvorhaben könne diese Summe auch geringer ausfallen, bei Nachrüstung von PV-Anlagen in Bestandsbauten auch höher. Einen Überblick, wie viel Kapazität auf dem eigenen Dach installiert werden kann und welche Kosten auf einen zukommen, bieten die Solarkataster in Bremen und Bremerhaven. Die genauen Beträge sind jedoch immer vom Einzelfall abhängig. Oder anders ausgedrückt: Eine leistungsfähige PV-Anlage ist zusammen mit einem Stromspeicher für unter 10 000 Euro zu realisieren, heißt es von der Firma Adler Solar, die seit 2008 mehr als fünf Millionen Solarmodule bearbeitet hat.

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Wo gibt es eine unabhängige Beratung?

Das Netzwerk „Solar in Bremen und Bremerhaven“ von Energiekonsens, dem BUND und der Verbraucherzentrale Bremen bietet Unternehmen, Institutionen und Privatpersonen im Land Bremen unabhängige und individuelle Beratung an. Mehr Infos dazu gibt es unter: www.solar-in-bremen.de. „Wir halten es für notwendig, die Endverbraucher nicht alleine zu lassen, sondern ihnen eine qualifizierte Beratung rund um die Montage und die Formalitäten der Antragstellung für finanzielle Zuschüsse anzubieten“, sagt Andreas Meyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Bremen, die die Initiative der Landesregierung für Fotovoltaik begrüßt.

Muss ich mich zusätzlich versichern?

Die Fotovoltaik-Anlage sollte auf jeden Fall bei der Gebäudeversicherung gemeldet werden, heißt es von Energiekonsens. Inwieweit eine zusätzliche Versicherung erforderlich ist, hängt von der bestehenden ab.

Wie funktioniert eine Solaranlage?

„Sie besteht aus Fotovoltaik-Modulen, die auf einer Trägerkonstruktion angebracht und mit Kabeln elektrisch verbunden werden“, erklärt Gerhard Cunze von Adler Solar. Der erzeugte Gleichstrom werde im Wechselrichter zu Wechselstrom umgewandte, der ins Hausnetz eingespeist wird. Für Module und Komponenten geben die Hersteller bis zu 25 Jahre Garantie, eine Solaranlage erzeuge aber deutlich länger elektrische Energie.

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Gibt es eine Förderung?

Ja, bei der staatlichen Förderbank Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gibt es durchaus Möglichkeiten. Weitere Optionen sollen geprüft und auf den Weg gebracht werden, so hat es die Landesregierung am Mittwoch beschlossen.

Wer prüft, ob eine Solaranlage wirtschaftlich und technisch umzusetzen ist?

Der genaue Weg, wie das später umgesetzt wird, muss erst noch erarbeitet werden, heißt es aus der Bau- und Umweltbehörde. Bislang sei nur der Auftrag an den Senat beschlossen. Das Ressort werde sich mit den anderen Behörden abstimmen und einen entsprechenden Gesetzestext erarbeiten, teilt Sprecher Jens Tittmann mit. Darin werde dann geregelt, wann eine Anlage vorgeschrieben ist, wann sie als wirtschaftlich gilt und wie der Genehmigungsweg ist.

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