Polizei Bremen verstärkt Einsatz Sonderermittler gegen Straßendealer

Die Bremer Polizei will stärker gegen Drogenhandel am Hauptbahnhof vorgehen. Das kündigte Polizeipräsident Lutz Müller an. Es solle eine Sonderermittlergruppe für Kleindealer gegründet werden.
18.11.2016, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Jan Oppel Jan-Felix Jasch

Die Bremer Polizei will die Maßnahmen gegen den offenen Drogenhandel am Hauptbahnhof weiter ausweiten. Das kündigte Polizeipräsident Lutz Müller im Interview mit dem WESER-KURIER an.

Um den Straßenverkauf effektiver bekämpfen zu können, solle eine Sonderermittlergruppe für Kleindealer gegründet werden. „Die Situation am Bahnhof ist einer modernen Großstadt nicht würdig“, sagt Müller. Er könne gut nachvollziehen, dass sich die Bremerinnen und Bremer an diesem Ort nicht mehr sicher fühlten. Jeden Tag beschlagnahmten die eingesetzten Beamten hier Drogen, regelmäßig gebe es Ärger mit den Dealern. Zwar könne der Handel nicht auf null reduziert werden, „wir werden der Szene aber zeigen, dass wir unseren Job ernst nehmen“, sagt Müller.

Im Steintor-Viertel und am Hauptbahnhof sei die Nachfrage nach Drogen besonders groß. Daher sei die verstärkte Präsenz der Polizei an diesen Orten besonders wichtig.

Straßenkriminalität ist Schwerpunktthema der Polizei

Die Polizei hat die Straßenkriminalität in Bremen zum Schwerpunktthema erklärt. Allein am Bahnhof sind täglich 20 Beamte im Einsatz. Zwar seien die jüngsten Aktionen, wie etwa die „Operation Honigtopf“, ein voller Erfolg gewesen, „uns war aber von Anfang an klar, dass die Dealer nicht von heute auf morgen verschwinden“, sagt Müller.

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Bei der Operation Honigtopf waren 15 Tatverdächtige im Alter zwischen 19 und 38 Jahren verhaftet worden. Sechs von ihnen sitzen weiterhin in Untersuchungshaft. Den zumeist afrikanischen Dealerstrukturen sei durch die Drogenrazzien ein Schlag versetzt worden. Mittlerweile hätten sich die Verkäufer neu aufgestellt und weiter in Richtung der Wallanlagen verlagert.

Die Drogen, die auf Bremens Straßen an Konsumenten verkauft werden, kommen laut Müller aus mafiösen Strukturen. Die Verteilung dieser Drogen liegt nach Müller fest in den Händen der Afrikaner. Der Straßenhandel floriert und zieht zunehmend auch Konsumenten aus dem Umland an. Durch die Debatte um die Legalisierung von Canabis sei offenbar der Eindruck entstanden, „dass es legal ist, Drogen in kleinen Mengen zu erwerben“, sagt Müller.

Jedes Delikt im Viertel und am Bahnhof wird verfolgt

„Die Polizei bringt grundsätzlich jedes Vergehen zur Anzeige und mit der Staatsanwaltschaft ist abgestimmt, dass insbesondere Taten an Brennpunkten wie am Bahnhof und im Viertel – wie übrigens auch an anderen sensiblen Orten wie Schulen – auch bei geringfügigen Mengen verfolgt werden und das Verfahren nicht automatisch eingestellt wird.“

Im Kampf gegen den Drogenhandel muss die Polizei zweigleisig fahren: Während die neue Ermittlergruppe den Straßenhandel eindämmen will, läuft in den Fachkommissariaten die Suche nach Hintermännern. „Drogenhandel ist ein weltweites Geschäft“, sagt Müller. „Wir haben Hinweise auf die Beneluxstaaten und auch auf Übersee.“ Daher arbeite die Polizei in dieser Sache mit Kollegen aus anderen Ländern zusammen.

Um die Sicherheitslage auch im Hauptbahnhof weiter zu verbessern, sind am Donnerstag 88 neue Überwachungskameras in Betrieb genommen worden. Die Kosten von einer Million für das Projekt übernehmen der Bund und die Deutsche Bahn.

Ziel der Ausweitung der Überwachung ist eine Steigerung der Sicherheit im Hauptbahnhof. So sollen vor allem Diebe und Gewalttäter durch die Kameras abgeschreckt und die Strafverfolgung vereinfacht werden. Die Aufnahmen werden, je nach Platzierung der Kamera, zwischen 48 Stunden und 30 Tagen gespeichert und sind vor Gericht als Beweismittel verwendbar.

Bahnhof komplett kameraüberwacht

Zwar sei die Polizeipräsenz im Hauptbahnhof bereits hoch, sagt Axel Treczokat von der Bundespolizei, trotzdem wolle man durch die Installation der Kameras noch mehr Sicherheit gewährleisten und das Gefühl der Bürger stärken. Durch die neuen und modernen Kameras sei nun nahezu der komplette öffentliche Bereich des Bahnhofs überwacht.

Das bezieht sich jedoch deutlich nicht auf die Vorplätze, denn dort endet das Hausrecht der Deutschen Bahn und sie darf nicht mehr filmen. Die Bilder der Kameras werden rund um die Uhr in die Bahnhofsbetriebszentrale der Bahn und in die Wache der Bundespolizei übertragen. Die beiden Stationen können per Funk kommunizieren, sodass im Ernstfall schnell eingegriffen werden kann.

Der Bremer Hauptbahnhof ist einer von zehn Bahnhöfen in Deutschland, die mit der neuen Technik ausgestattet worden sind. Bis 2023 wollen Bahn und Bund weitere 85 Millionen in das Projekt investieren und die Überwachung ausbauen.

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