Tag der älteren Generation stellt Bedürfnisse und Potenziale in den Vordergrund Sonne für Senioren

Bremen. Älter wird man von ganz allein, und den Rest bekommt man dann wohl auch noch hin. Alles ganz einfach, also? Eben nicht, und daher haben sich am Donnerstag Parteien, Gewerkschaften und viele andere Institutionen mit den Alten befasst, deren Sorgen formuliert, Fragen gestellt und Antworten geliefert.
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Sonne für Senioren
Von André Fesser

Älter wird man von ganz allein, und den Rest bekommt man dann wohl auch noch hin. Alles ganz einfach, also? Eben nicht, und daher haben sich am Donnerstag Parteien, Gewerkschaften und viele andere Institutionen mit den Alten befasst, deren Sorgen formuliert, Fragen gestellt und Antworten geliefert. Anlässlich des Internationalen Tags der älteren Generation wurde in Bremen getanzt oder diskutiert, und auf dem Hanseatenhof hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund einige Partner um sich geschart, um mal auszusprechen, was Menschen über 60 bewegt.

„Die Rentner“, sagt Manfred Siebert, „wollen vor allem Unterstützung haben.“ Siebert weiß das nur zu gut, denn als ehemaliger Betriebsratschef bei Kaffee Hag hat der 72-Jährige noch heute Kontakt zu früheren Kollegen und deren Angehörigen. Der Beratungsbedarf sei groß, sagt Siebert, der für die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie aktiv ist. In den Gesprächen, die er führt, geht es um Existenzielles, die Betriebsrente zum Beispiel oder den Umgang mit Hinterbliebenen.

Die Existenzfrage ist für viele ältere Menschen eine zentrale. „Jeder schafft das Sterben“, sagt Annelie Keil, „aber das Wie ist die Frage.“ Die emeritierte Sozialwissenschaftlerin skizziert in ihrem Vortrag auf dem Hanseatenhof die Möglichkeiten und Schwierigkeiten, die eine älter werdende Gesellschaft mit sich bringt. Zunächst einmal müssten sich die Menschen selbst darüber klar werden, was sie mit ihrem Leben noch anstellen wollten. Sie lebten länger als frühere Generationen, ein Potenzial, das es zu nutzen gelte. „Fragen wir uns doch: Was ist mein größter Traum? Und was kann ich dafür tun, dass er wahr wird?“, sagt Keil. Zugleich gelte es, die Schwierigkeiten zu bewältigen: Gesundheit, Wohnen, Einkommen, Pflege. „Wir alle werden schließlich als Pflegefall geboren“, sagt Keil, „und so enden wir auch.“

Das Nachmittagsprogramm aus Informativem, Unterhaltendem und Nachdenklichem nahmen die Besucher auf dem Hanseatenhof gern an. 1990 haben die Vereinten Nationen den Tag der älteren Generation ins Leben gerufen. In Bremen steht er schon seit Längerem unter einem guten Stern. Denn in den vergangenen fünf Jahren, erzählt einer, schien am 1. Oktober stets die Sonne.

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