Endet Unterstützung zu früh?

Sorge um Betreuung junger Flüchtlinge

Jungen unbegleiteten Flüchtlingen steht qua Gesetz die Hilfe des Jugendamts zu. Die jedoch endet, wenn sie 18 sind. Oder spätestens mit 21. Zu früh, findet der Verein Fluchtraum.
29.04.2018, 17:32
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Sorge um Betreuung junger Flüchtlinge
Von Ralf Michel
Sorge um Betreuung junger Flüchtlinge

Junge Flüchtlinge brauchen auch nach ihrem 18. oder 21. Geburtstag Betreuung, sagen Claudia Schmitt und Detlev Busche vom Verein Fluchtraum.

Frank Thomas Koch

Nach derzeitigem Stand werden in diesem Sommer 810 junge Flüchtlinge die Bremer Berufsschulen verlassen. Da bei weitem nicht alle den nahtlosen Übergang in eine Ausbildung schaffen werden, bemühen sich die zuständigen Behörden um ein ganzes Paket von Maßnahmen für den weiteren Werdegang der jungen Leute. Schon das ist eine Mammutaufgabe. Greift aber trotzdem noch zu kurz, sagen Claudia Schmitt und Detlev Busche vom Verein Fluchtraum. Denn selbst wenn sie in einer Maßnahme untergebracht seien, bräuchten die meisten der Geflüchteten in vielerlei Hinsicht weitere Hilfe. Tatsächlich aber droht ihnen das genaue Gegenteil: Altersbedingt fallen sie schon bald komplett aus der staatlichen Unterstützung heraus.

Wenn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach Bremen kommen, ist automatisch das Jugendamt für sie zuständig. Eine Aufgabe, die die Behörde unter Einbeziehung freier und gewerblicher Träger erfüllt. Doch diese Verpflichtung erlischt, sobald die Jugendlichen 18 Jahre alt werden. Danach gibt es einen Anspruch auf Betreuung nur noch im begründeten Einzelfall, erklärt Busche. Diese Unterstützung werde in Bremen zwar meistens gewährt, umfasse in der Regel aber nicht mehr als fünf bis zehn Stunden pro Woche. "Das reicht aber meistens nicht", sagt Claudia Schmitt, Vorsitzende von Fluchtraum. Ausländeramt, Jugendamt, Berufsberatung, Praktikumssuche, Wohnungssuche – "damit sind viele der jungen Leute hoffnungslos überfordert".

"Hoffnungslos überfordert"

Und dabei gehe es nicht allein um fehlende Deutschkenntnisse. "Viele haben Schwierigkeiten, das was ihnen gesagt wird, einzuordnen", so Schmitt. "Dafür kennen sie das deutsche System noch zu wenig."

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Und dies alles beträfe allein den Kreis der Geflüchteten, um die sich ja von staatlicher Seite durchaus noch gekümmert werde, betont Detlev Busche. Doch von den laut Sozialbehörde für Ende Dezember 2017 geführten 1560 jungen unbegleiteten Flüchtlingen seien bereits 1136 über 18 Jahre alt. Weitere 148 würden in diesem Jahr volljährig. "Und wenn die 21 sind, gibt es keinerlei professionelle Unterstützung mehr", sagt Busche. "Müsste es aber. Und zwar dringend."

Hinzu käme, dass die Zahl derer, die sich aus der Zivilgesellschaft heraus um Geflüchtete kümmern, gefühlt ebenfalls zurückginge. Busche spricht bewusst von "gefühlt", denn belastbare Zahlen gebe es hierzu nicht. "Es gibt keine zentrale Stelle, die das bündelt. Wir wissen nicht, wie viele in diesem Bereich als Freiwillige tätig sind." Für die Ehrenamtlichen von Fluchtraum ein Versäumnis der Behörden. "Die Fallbetreuer bei der Jugendhilfe müssten da intensiver hinschauen und sich bei jedem Einzelnen erkundigen, ob es da jemanden gibt, der hilft und sich kümmert", fordert Busche.

Gute Ansätze verpuffen

Ansonsten würden die zahlreichen guten Ansätze für Maßnahmen, die es in Bremen ohne Frage vonseiten der Behörden gebe, verpuffen, fürchtet Claudia Schmitt. Die Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen hätten immer gezeigt, wie zurückhaltend viele von ihnen auch nach ein, zwei Jahren in Bremen noch seien. "Die trauen sich nicht, alleine irgendwo hinzugehen, weil sie immer noch einen Riesenrespekt haben." Und würden auch nicht sagen, wenn etwas nicht klappt oder wenn es ihnen nicht gut geht, ergänzt Busche. "Da muss man schon wirklich mehrfach nachfragen, bis da etwas kommt." Eben deshalb bräuchten die jungen Menschen weiterhin Hilfe, Unterstützung und Begleitung.

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Dies sicherzustellen, soll Aufgabe eines Beratungs- und Begegnungszentrums sein, über dessen Einrichtung man mit der Sozialbehörde im Gespräch sei, erklärt Detlev Busche. Behörden, Lehrer, Sozialbearbeiter, Vereine, Ehrenamtliche – alle an einen Tisch, lautet hierfür eine der Grundideen. Für Busche ist dabei besonders wichtig, das Wissen der zentralen Bezugspersonen von Flüchtlingen mit einzubinden. "Bislang wird das in Bremen nämlich noch von niemandem systematisch abgefragt."

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