Kassenärztliche Vereinigung Bremen

Sorge vor Praxis-Ausfällen in der Corona-Krise

Die Kassenärztliche Vereinigung verschafft sich derzeit einen Überblick, ob Arztpraxen den Betrieb wegen des Coronavirus einschränken oder einstellen mussten.
24.03.2020, 20:36
Lesedauer: 2 Min
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Sorge vor Praxis-Ausfällen in der Corona-Krise
Von Sabine Doll
Sorge vor Praxis-Ausfällen in der Corona-Krise

Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen hat eine Online-Umfrage in Arztpraxen gestartet, ob der Betrieb wegen des Coronavirus eingeschränkt werden musste.

Monika Skolimowska/dpa

Die Zahl der Corona-Infizierten steigt – und damit auch das Risiko, dass sich nicht nur in den Kliniken, sondern auch in den Arztpraxen Ärzte und Personal mit dem Sars-CoV2-Virus infizieren. Dies könnte zur Folge haben, dass Praxen ihre Sprechzeiten einschränken oder zeitweise ganz schließen müssten. Nicht nur wegen Infektionen: Wurden in Arztpraxen Patienten behandelt, bei denen sich später eine Corona-Infektion bestätigt, droht dem Personal vorsorglich außerdem eine Quarantäne.

„Wir alles tun, damit die ärztliche Versorgung im niedergelassenen Bereich aufrechterhalten bleibt“, sagt der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen (KVHB), Christoph Fox. Viele Menschen seien zwingend darauf angewiesen, wegen akuter, aber auch chronischer Erkrankungen, die behandelt werden müssten. Um sich einen Überblick über die aktuelle Lage zu verschaffen – ob es bereits geschlossene Praxen oder Einschränkungen bei den Sprechzeiten gibt und um frühzeitig auf drohende Versorgungsengpässe reagieren zu können – hat die Kassenärztliche Vereinigung jetzt eine Online-Umfrage bei niedergelassenen Ärzten in Bremen und Bremerhaven gestartet. Konkret wird zunächst danach gefragt, ob eine Praxis wegen Corona geschlossen, der Praxisbetrieb eingeschränkt ist oder war. Die Teilnehmer sollen außerdem die Gründe dafür angeben: Quarantäne-Maßnahmen, fehlende Kinderbetreuung, mangelnde Schutzausrüstung oder weil Fachärzte fehlen.

Fox: „Wir benötigen dringend Rückmeldungen.“ Sollten sich Versorgungsengpässe abzeichnen, müsse rechtzeitig gegengesteuert werden. Erste Überlegungen, wie solche Maßnahmen aussehen könnten, gebe es bereits. „Wenn es zu Ausfällen kommt, müssten wir ganz neue Wege gehen“, betont der KVHB-Sprecher. „Vorstellbar wäre beispielsweise ein Schichtdienst. Einzelne Praxen oder Teams könnten sich in Schichtdiensten abwechseln, um die vorhandenen Kapazitäten möglichst effizient zu verteilen – und vor allem auch, um das Infektionsrisiko für alle zu reduzieren.“

Ein erstes Zwischenergebnis der Online-Befragung konnte die KVHB am Dienstag ziehen: Bis zum Nachmittag haben demnach etwa 120 Praxen teilgenommen, „die weitgehend noch die Stellung halten“, so Fox. „Einige Praxen haben vermerkt, dass der Betrieb reduziert ist, unter anderem wegen fehlender Schutzausrüstung.“ Im Land Bremen gibt es laut KVHB rund 2000 Ärzte und Psychotherapeuten in 1280 Praxen.

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Wie der WESER-KURIER berichtete, hat sich auch der Bremer Hausärzteverband damit befasst, wie Versorgungsengpässe vermieden werden können: Nach Angaben des Vorsitzenden, Hans-Michael Mühlenfeld, plant der Verband, sogenannte Infekt-Behandlungsstellen einzurichten. Dort sollen Patienten behandelt werden, die an Symptomen wie Husten oder Fieber leiden, aber keinen Anspruch auf einen Corona-Test haben. Die Symptome könnten auch Anzeichen für einen „normalen“ Infekt, etwa eine Erkältung, sein. Dies sei aber nicht in jedem Fall bei einer telefonischen Beratung zu klären. Ziel der Infekt-Behandlungsstellen sei es, Ärzte und medizinische Fachangestellte in den Praxen zu schützen, so Mühlenfeld.

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