Grundstückspreis in der Kritik „Sorgenfrei 1“ auf dem Hulsberg-Gelände geht teuer über den Tisch

Mit „Sorgenfrei 1“ wird in Bremen das erste Grundstück auf dem Hulsberg-Gelände zum Verkauf ausgeschrieben. Für die Stadtteilgenossenschaft hat der Preis des Grundstücks eine Bedeutung für die Entwicklung des Quartiers.
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Von Matthias Holthaus

„Es geht uns um die Entwicklung der Grundstückspreise des Stadtteils, und die Preise im Neuen Hulsberg-Viertel werden Auswirkungen auf den ganzen Stadtteil haben“, sagte Margot Müller von der Stadtteilgenossenschaft Hulsberg auf der Sitzung des Beirates Östliche Vorstadt im Saal des Bürgerhauses Weserterrassen. Hintergrund ist, dass mit „Sorgenfrei 1“ das erste Grundstück auf dem Hulsberg-Gelände zum Verkauf ausgeschrieben wird.

„Der für das Grundstück ermittelte Verkehrswert liegt bei 315 000 Euro. Dies ist der Mindestpreis, den die GEG im Verkaufsverfahren von Bietern erwartet“, heißt es seitens der „Grundstücksentwicklung Klinikum Bremen-Mitte GmbH“ (GEG). Für die Genossenschaft aber hat dieser Preis für das 244 Quadratmeter große Grundstück eine Bedeutung für die Entwicklung des gesamten Quartiers, heißt es in einem Schreiben an den Beirat, denn: „Der von allen an der Entwicklung des Bebauungsplans beteiligten Akteuren geäußerte Wunsch nach einem sozial durchmischten Quartier mit bezahlbarem Wohnraum auf dem Hulsberg hängt im Wesentlichen von der Höhe der Grundstückspreise ab.“ Diese guten Absichten sehe die Genossenschaft durch die Grundstückspreisentwicklung bedroht.

Trend trifft nicht nur den Hulsberg

Durch diese Grundstückskosten, die sich nach Schätzung der Genossenschaft durch den Abriss und Nebenkosten noch einmal erhöhen könnten, würden „die Gesamt-Baukosten in schwindelnde Höhen“ steigen. Jeder erfolgreiche Verkauf oberhalb des Verkehrswertes treibe den offiziell zu ermittelnden Verkehrswert für die folgenden Grundstücksverkäufe weiter in die Höhe. „Dieser Trend trifft nicht nur den Hulsberg selbst, sondern das gesamte Umfeld Östliche Vorstadt“, heißt es in dem Schreiben.

Bei Unkenntnis der Baupläne und mit Hinweis auf Unwägbarkeiten am Bau könne man mit aller Vorsicht Mietkosten von nicht unter 14 Euro kalt pro Quadratmeter Wohnfläche annehmen. „Wir finden es falsch, dass die Stadt selber sich an der Preistreiberei auf dem Wohnungsmarkt beteiligt“, schreibt die Genossenschaft. „Es geht hier um die weitere Entwicklung des gesamten Stadtteils Östliche Vorstadt.“

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In der anschließenden Diskussion fand Dieter Mützelburg, der für das ausgeschiedene Beiratsmitglied Kirsten Wiese nachgerückt ist, deutliche Worte der Kritik an der Genossenschaft: „Mir gefällt nicht, dass Sorgenfrei 1 für die eigenen Belange der Genossenschaft instrumentalisiert wird.“ Allerdings fügte er hinzu: „Doch der hohe Preis gefällt mir auch nicht. Die politischen Parteien und der Senat müssen Maßnahmen ergreifen, wie man mit öffentlichen Grundstücken umgeht.“ Und er regte an: „Die Vergabe sollte nicht im Verkauf, sondern im Erbbaurecht vergeben werden.“

Stellungnahme des Beirats

Der Beirat sollte den Senat auffordern, dass die weiteren Verkäufe im Neuen Hulsberg-Viertel nach anderen Regeln erfolgen. Genossenschaftsmitglied Hartwig Gerecke darauf: „Ich freue mich, dass das Erbbaurecht nun diskutiert wird.“ Und Peter Bargfrede, ebenfalls von der Genossenschaft, ergänzte: „70 Prozent der Wohnungen im Neuen Hulsberg-Viertel können sich nur Besserverdienende leisten. Die Politik muss da gegensteuern. Wir fordern eine längerfristige Sozialbindung und eine Vergabe nach Erbbaurecht.“

Für GEG-Geschäftsführer Florian Kommer war der zuvor geäußerte Einwurf, durch den Verkauf der Grundstücke werde der Neubau der Klinik mitfinanziert, falsch. Zudem stimme die Höhe der zu erwartenden Mietkosten für Sorgenfrei 1, 14 Euro, nicht: „10 bis 13,20 Euro sind es eher.“

Ortsamtleiterin Hellena Harttung formulierte abschließend eine Stellungnahme des Beirates: „Der Beirat unterstützt das Anliegen, dass für die weitere Durchmischung des Neuen Hulsberg-Viertels ein anderes Konzept als das Konzept der Höchstpreisvergabe vorgesehen wird.“

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