Studie spiegelt Strukturprobleme

Sozialausgaben in Bremen auf hohem Niveau

Im Vergleich der Sozialausgaben der 16 größten deutschen Städte ist Bremen bei den wichtigsten Indikatoren im oberen Drittel zu finden. Das geht aus einer Studie des Hamburger Instituts Consens hervor.
30.12.2016, 00:00
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Sozialausgaben in Bremen auf hohem Niveau
Von Jürgen Theiner
Sozialausgaben in Bremen auf hohem Niveau

Consens diagnostiziert Bremen eine vergleichsweise hohe Armutsquote.

dpa

Im Vergleich der Sozialausgaben der 16 größten deutschen Städte ist Bremen bei den wichtigsten Indikatoren im oberen Drittel zu finden. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Hamburger Institut „Consulting für Steuerung und soziale Entwicklung GmbH“ (kurz: Consens) vorgelegt hat.

Consens verfolgt bereits seit mehreren Jahren im Auftrag der Kommunen die Entwicklung der Sozialausgaben auf verschiedenen Gebieten, insbesondere bei den kostenträchtigsten Leistungen Arbeitslosengeld II sowie Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (GSiAE).

Die aktuelle Consens-Studie bezieht sich auf das Jahr 2015, spiegelt also nicht mehr die allerneueste Entwicklung. Überraschendes findet sich zu Bremen in dem 75-Seiten-Papier kaum. Das Zahlenmaterial festigt eher den Befund einer problematischen Sozialstruktur, die dauerhaft hohe Kosten verursacht. Consens diagnostiziert für die Hansestadt zunächst eine vergleichsweise hohe Armutsquote.

Bei der Zahl der ALG-II-Bezieher nimmt Bremen einen vorderen Platz ein.

Bei der Zahl der ALG-II-Bezieher nimmt Bremen einen vorderen Platz ein.

Foto: DDP

Armutsquote liegt in Bremen bei 16 Prozent

Als armutsgefährdet gilt dabei, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Bezogen auf das Bundesmittel liegt die Armutsquote bei 22,5 Prozent. Nimmt man als Bezugsgröße das Landesmittel, dann sinkt – weil in Bremen im Schnitt weniger verdient wird – die Armutsquote auf 16 Prozent. Gemessen am Bundesmittel stehen deutschlandweit nur Dortmund, Duisburg und Leipzig schlechter da als Bremen. In Relation zum Landesmittel schnitt Bremen im Großstädtevergleich dagegen günstig ab.

Bei den Zahlen zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung liefert die Consens-Studie zu Bremen unerfreuliche Zahlen. 21,2 von 1000 Einwohnern waren 2015 in der Hansestadt auf diese Sozialleistung angewiesen, die überwiegend an Menschen gezahlt wird, deren Rente nicht zum Leben reicht. Mehr waren es unter den 16 größten deutschen Städten nur in Frankfurt am Main. Insbesondere Langzeitbezieher von Arbeitslosengeld II, so heißt es in dem Consens-Papier, seien „häufig aufgrund zu niedriger oder nicht vorhandener Rentenansprüche mit Erreichen der Altersgrenze auf Leistungen der GSiAE angewiesen“.

Bremen hat die niedrigste durchschnittliche Rentenhöhe

Überhaupt hat Bremen, wenn man den Zahlen des Hamburger Instituts folgt, die niedrigste durchschnittliche Rentenhöhe unter allen untersuchten Kommunen. Das durchschnittliche Ruhestandsgehalt betrug im vergangenen Jahr 889 Euro pro Monat. Alle anderen Großstädte lagen über der 900-Euro-Schwelle. In Leipzig und Rostock überwies die Rentenversicherung im Schnitt circa 1050 Euro.

Besonders kennzeichnend für die soziale Situation in Bremen ist die hohe Zahl von Beziehern des Arbeitslosengeldes II, also der staatlichen Leistung für Langzeitarbeitslose. 171 von 1000 Einwohner der Stadtgemeinde nahmen 2015 ALG II in Anspruch. Der Mittelwert der 16 größten Städte lag bei 142. München kam lediglich auf 60,3 Personen. Besonders bedenklich für Bremen: Bei den meisten Städten war die Dichte der ALG-II-Bezieher pro 1000 Einwohner rückläufig. In Bremen stieg sie weiter an, was sonst nur in einigen Ruhrgebietsstädten sowie in Köln festzustellen war.

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