Fachkonferenz "Perspektiven der sozialen Stadtpolitik" Soziale Spaltung in Bremen nimmt zu

Bremen. Mit ihrer selbst gewählten Kernkompetenz, einer sozialen Stadtpolitik, hat sich die Bremer SPD am Wochenende auf der Fachtagung "Perspektiven der sozialen Stadtpolitik" befasst. Im Fokus stehen Einkommen, Bildung und sozialer Wohnungsbau.
12.03.2012, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Liane Janz

Bremen. Mit ihrer selbst gewählten Kernkompetenz, einer sozialen Stadtpolitik, beschäftigte sich die Bremer SPD am Wochenende auf der Fachtagung "Perspektiven der sozialen Stadtpolitik". Im Fokus standen Einkommen, Bildung und sozialer Wohnungsbau.

Die "Perspektiven einer sozialen Stadtpolitik" waren Thema einer Fachkonferenz der SPD am vergangenen Wochenende im Konsul-Hackfeld-Haus. Dabei sprachen Bürgermeister Jens Böhrnsen über den sozialen Zusammenhalt und Stadtteilgerechtigkeit, Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper über "Neue Teilhabechancen durch Bildung und soziale Stadtteilentwicklung" und Jürgen Pohlmann, baupolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion, über die "Wohnungs- und städtebaupolitischen Aspekte der sozialen Stadt".

"Das war eine Gesamtschau der verschiedenen Bereiche in einer Qualität, wie ich sie lange nicht bekommen habe", sagte SPD-Mann Jens Dennhardt aus Hemelingen. Besonders gut gefiel ihm aber - und damit war er nicht allein - der Vortrag vom Hauptgeschäftsführer der Arbeitnehmerkammer, Ingo Schierenbeck.

Er sprach über die "Herausforderungen und Aufgaben sozialer Stadtpolitik" und ging dabei auf die wirtschaftliche Situation der Bremer in den einzelnen Stadtteilen ein. So erklärte er, dass die Bremer Wirtschaft im vergangenen Jahr mit 4,1 Prozent dynamischer gewachsen sei als im Vorjahr und mit einer Quote von 11,6 Prozent im Lande Bremen die Arbeitslosigkeit so niedrig sei, wie schon lange nicht mehr.

Dann kam das Aber: Dieses Wachstum komme bei den wenigsten Bremern an. "Die soziale Spaltung nimmt sogar zu", sagte Schierenbeck. Im Ortsteil Ohlenhof in Gröpelingen verdiene ein Arbeitnehmer im Schnitt 17500 Euro im Jahr. In Horn seien es sechsmal so viel, nämlich 108000 Euro. Allerdings gebe es einen Aspekt, der Mut mache. Denn neben den Spitzen nach oben und unten gebe es in beiden Ortsteilen "ein recht ähnliches Plateau von bescheidenen und mittleren Einkommen."

Nach oben aber gehe es immer weiter: "Allein in dem Zeitraum von 2004 bis 2007, also in nur drei Jahren, hat sich die Zahl der Spitzeneinkommen erheblich verändert und zwar ausnahmslos nach oben." Schon in der Mitte der Bremer Stadtgesellschaft hätten sich die Verdienste der Arbeitnehmer vom Wachstum weitgehend abgekoppelt, erklärte Schierenbeck weiter. Denn auch in der Mitte sei der Niedriglohnsektor stark gewachsen. Das mache sich "unten" in der Gesellschaft ebenfalls bemerkbar.

So hätte sich die Leiharbeit in Bremen seit 2004 fast verdoppelt. 12000 Leiharbeitnehmer gebe es derzeit - damit sei Bremen bundesweit Spitzenreiter. 71000 Menschen hätten Mini-Jobs und die sozialversicherungspflichtige Teilzeitbeschäftigung sei in den vergangenen zehn Jahren um 25 Prozent gestiegen. "Dafür befindet sich das typische Arbeitsverhältnis, die unbefristete Vollzeitstelle, auf dem Rückzug", so Schierenbeck.

Diese Beschäftigungsformen seien nicht nur schlecht bezahlt, sie bieten den Menschen auch weniger Sicherheit und Perspektiven sowie eine "geringere Planbarkeit ihres Lebens".

Als Auftrag gab Schierenbeck den Politikern mit, für gute Bildungs- und Qualifizierungsmöglichkeiten zu sorgen, "jetzt, da der Arbeitsmarkt dank guter Konjunktur aufnahmefähig ist und der Fachkräftebedarf zunimmt." Er fordert zudem mehr Verteilungsgerechtigkeit, Chancengleichheit in der Bildung und günstigen Wohnraum.

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