Sparkassen-Filialen im Westen Filialnetz im Westen verändert sich

Die Sparkasse Bremen strukturiert auch im Bremer Westen ihre Niederlassungen um. Dass damit ihre Wege weiter werden, lässt nicht alle Kunden kalt. In Oslebshausen etwa gab es dagegen Protest.
20.08.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Filialnetz im Westen verändert sich
Von Anne Gerling

Wird womöglich bald die Sparkassen-Filiale am Wartburgplatz in Walle geschlossen? Ein entsprechendes Gerücht zumindest hält sich seit einiger Zeit hartnäckig im Stadtteil – auch wenn die Zweigstelle, die während der Corona-Pandemie vorübergehend geschlossen war, seit Ende Juni wieder regulär geöffnet ist.

Anlass für die Spekulationen dürfte das neue Filialkonzept sein, das die Sparkasse seit einiger Zeit umsetzt. Mit dieser Umstrukturierung entstehen 15 sogenannte Stadtteilfilialen. Den Anfang hatte Ende 2017 die Neustadt gemacht, wo es seitdem an der Pappelstraße solch eine Stadtteilfiliale gibt. Vier weitere der neuen Einrichtungen – in Obervieland (Januar 2019), Horn-Lehe (Juli 2019), Schwachhausen (Februar 2020) und zuletzt in Lesum – sind seitdem gestartet. Anfang Oktober soll außerdem der Umbau der Filiale in der Bahnhofstraße zu einem Kundenzentrum in der City abgeschlossen sein.

Auch im Bremer Westen sind erste Veränderungen im Sparkassen-Filialnetz spürbar. So hatte das Kreditinstitut im Juni entschieden, nach der coronabedingten Schließung die Filialen an der Waller Heerstraße 160 und am Oslebshauser Bahnhof nicht wieder zu öffnen, sondern diese – wie es schon vor der Corona-Pandemie geplant war – direkt auf Selbstbedienung umzustellen. An den sogenannten SB-Standorten ist kein Personal vor Ort; Kunden können dort an Terminals Geld abheben, Überweisungen tätigen und Kontoauszüge holen.

Stadtteilfiliale Gröpelingen kommt

Als Nächstes werde in einem guten Jahr die Stadtteilfiliale in Gröpelingen mit zugehöriger Zweigstelle und Schließfachanlage folgen, teilt Sparkassen-Sprecherin Elke Heussler auf Anfrage mit. Geplant ist demnach, dass diese Stadtteilfiliale in das neue Ohlenhof-Carrée einziehen soll, das derzeit an der Kreuzung Gröpelinger Heerstraße/Beim Ohlenhof gebaut wird. „Umliegende Filialen werden parallel umgebaut sowie Dienstleistungs- und Serviceangebote entsprechend angepasst“, so Heussler weiter: „Eine weitere Stadtteilfiliale Findorff/Walle ist geplant. Sobald sich in diesem Kontext die Planung auch für den Wartburgplatz konkretisiert, werden wir Sie und unsere Kundinnen und Kunden darüber informieren.“

Bei denen wiederum hält sich die Begeisterung über das veränderte Filialnetz in Grenzen. Schließlich konnten sich Sparkassen-Kunden viele Jahre lang über ein ausgesprochen dichtes Filialnetz freuen. Nun aber müssen auch sie weitere Wege auf sich nehmen. Im Fall der Oslebshauser Filiale hatte sich dementsprechend im Stadtteil Widerstand geregt: 500 Unterschriften gegen die Schließung hatte Hubert Pust, Vorsitzender des Bürgervereins Oslebshausen (BVO), Anfang Juli an den Sparkassen-Vorstand geschickt. „Die Oslebshauser Bevölkerung will am Oslebshauser Bahnhof eine Sparkasse, wie es sie dort im Februar 2020 gab“, heißt es in dem dazugehörigen Schreiben. Als Kompromiss habe er vorgeschlagen, die Filiale wenigstens zweimal die Woche zu besetzen, so Pust: „Eine Antwort darauf haben wir aber nie bekommen.“ Ende Juni hatte außerdem der Gröpelinger Beirat auf einen Antrag der Linksfraktion hin das Kreditinstitut aufgefordert, die Sparkassenfiliale in Oslebshausen mit Beratungsangebot zu erhalten.

„Wir können nachvollziehen, dass unsere Entscheidung – einen personenbesetzten Standort in einen SB-Standort umzuwandeln – als nicht wertschätzend gegenüber der älteren Generation empfunden wird“, hatte eine Sprecherin der Sparkasse dem Ortsamt daraufhin schriftlich mitgeteilt. Als Wirtschaftsunternehmen müsse die Sparkasse jedoch mit geänderten Rahmenbedingungen wie zum Beispiel strengen Regulierungsvorschriften, Digitalisierung oder geändertem Nutzungsverhalten umgehen.

Um dabei insbesondere ältere Kundinnen und Kunden nicht im Regen stehen zu lassen, habe man einen neuen Bargeld-Bringdienstservice ins Leben gerufen: „Zurzeit haben wir zwischen 15 und 20 Bestellungen pro Tag, vor der Corona-Pandemie waren es zehn Bestellungen pro Monat. Der Service kostet 6,50 Euro und es werden bis zu 500 Euro pro Bestellung ausgeliefert.“

Oslebshauser vermissen Standort

Hubert Pust ist der Ansicht, dass der neue Bringdienst aufgrund der damit verbundenen Kosten keine zufriedenstellende Alternative ist. Jeweils um den Monatsersten herum habe er schon lange Schlangen von Wartenden vor dem EC-Automaten in der SB-Station am Oslebshauser Bahnhof beobachtet, sagt der Bürgervereinsvorsitzende. Mehrfach sei es dabei schon vorgekommen, dass der Geldautomat leer war: „Dann rufe ich immer da an und sage, sie sollen mal Geld nachfüllen.“

Für Oslebshauser Senioren ist dies seiner Meinung nach eine Zumutung: „Die Fahrt nach Gröpelingen ist momentan eine Katastrophe, weil an der Heerstraße alles aufgerissen ist. Ob du dann nach Gröpelingen oder Lesum fährst: Du bist zwei Stunden unterwegs.“

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