Anfrage der SPD-Fraktion Eine App gegen häusliche Gewalt

Die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt steigt auch in Bremen. Die SPD-Bürgerschaftsfraktion drängt nun auf die Einführung einer App, die den Opfern lautlose Notrufe und eine Dokumentation ihrer Leiden ermöglicht.
05.09.2021, 16:17
Lesedauer: 2 Min
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Eine App gegen häusliche Gewalt
Von Joerg Helge Wagner

Häusliche Gewalt will die SPD-Bürgerschaftsfraktion jetzt auch auf digitalem Wege bekämpfen oder zumindest aufklären. Das Mittel dazu heißt Inkognito- oder Tarn-App. Die Anwendung ist auf dem Smartphone nicht ohne Weiteres erkennbar und ermöglicht lautlose Notrufe in akuten Gefahrensituationen. Für die Entwicklung der App hatte das Bundesjustizministerium bereits Ende November rund 1,7 Millionen Euro bereitgestellt. Die SPD-Abgeordneten wollen nun vom Senat wissen, wie er dieses Instrument bewertet und ob er eine solche App auch im Land Bremen bereitstellen will, eventuell gemeinsam mit anderen Bundesländern.

Partner bei der Entwicklung der App ist das Landeskriminalamt Niedersachsen, die Region Hannover ist laut Bundesjustizministerium das erste Testgebiet. Die App soll deutlich mehr sein als nur ein digitaler stummer Alarmknopf: Opfer können mit ihr auch ein verstecktes Tagebuch führen und "Verletzungen in einem gesicherten Protokoll gerichtsfest dokumentieren", wie das Justizministerium betont. Zudem soll die App ein Wegweiser zu sozialer, psychologischer oder juristischer Hilfe sein.

In anderen Ländern, etwa Frankreich oder Brasilien, wurden bereits ähnliche Apps entwickelt. Das französische Modell HeHop ist bereits seit Juni 2020 kostenlos verfügbar, allerdings nur in Frankreich. Nach einem Bericht der Europäischen Investitionsbank funktioniert HeHop wie die Digitalwährung Bitcoin über eine Blockchain-Datenbank. So können bis zu 20 Minuten Audio- und 5 Minuten Videomaterial sowie Fotos aufgenommen werden. Die Dateien werden dann automatisch in der Blockchain-Datenbank gespeichert. Ziel ist es auch hier, gerichtsfeste Beweise zu sammeln, betont Entwicklerin Sandy Beky.

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In Bremen hat es im vorigen Jahr laut Kriminalstatistik bei der häuslichen Gewalt 293 Fälle mehr gegeben als 2019. Das entspricht einem Anstieg um 15,8 Prozent. „Dieser Anstieg steht sehr wahrscheinlich in Zusammenhang mit den pandemiebedingten Maßnahmen, da diese das familiäre Zusammenleben in besonderem Maße betreffen“, sagte Polizeisprecher Nils Matthiesen bei der Vorstellung der Zahlen Ende Mai. Soziale Isolation, eine krisenbedingte Verunsicherung und existenzielle Sorgen könnten „soziale Konflikte und innerfamiliäre Konfliktdynamiken forcieren und gewalttätiges Handeln in Familien und Partnerschaften begünstigen“.

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