150 Euro als Umzugsprämie

SPD fordert Begrüßungsgeld für Azubis

Für Studierende, die nach Bremen ziehen, gibt es das Begrüßungsgeld schon. Jetzt will die SPD die Prämie auf Azubis ausweiten - um mehr Geld für Neubürger aus dem Länderfinanzausgleich zu bekommen.
13.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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SPD fordert Begrüßungsgeld für Azubis
Von Jan Oppel
SPD fordert Begrüßungsgeld für Azubis

Die SPD verspricht sich von dem Begrüßungsgeld für Azubis, dass mehr junge Menschen für eine Ausbildung nach Bremen ziehen.

INGO WAGNER, dpa

Für Studierende, die nach Bremen ziehen, gibt es das Begrüßungsgeld schon. Jetzt will die SPD die Prämie auf Azubis ausweiten - um mehr Geld für Neubürger aus dem Länderfinanzausgleich zu bekommen.

Seit einigen Jahren zahlt Bremen auswärtigen Hochschülern, die ihren Wohnsitz nach Bremen verlegen, einmalig 150 Euro. Das ist ein gutes Geschäft, denn jeder Neubürger bringt dem Haushalt der Hansestadt nach Angaben der SPD über den Länderfinanzausgleich etwa 5800 Euro pro Jahr. Um diesen positiven Effekt noch zu steigern, sollen die 150 Euro nach dem Willen der Sozialdemokraten nun auch an Azubis gezahlt werden.

„Die Regelung hat sich bei den Studierenden bewährt“, sagt Sybille Böschen, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bremer SPD-Fraktion. „Es gibt keinen Grund, bei diesem Thema Abiturienten und Studierende bevorzugt zu behandeln – insbesondere weil die größere Anzahl an Jugendlichen eine Ausbildung beginnt.“

Im vergangenen Jahr haben 2242 Studierende das Begrüßungsgeld beantragt – und Bremen hat ihnen 336 300 Euro geschenkt. Inklusive einer Bearbeitungsgebühr von 100 Euro pro Fall sind so Kosten in Höhe von 560 500 Euro entstanden.

Azubis brauchen günstigen Wohnraum

Das Begrüßungsgeld allein werde die auswärtigen Azubis nicht zu einem Umzug bewegen, glaubt die SPD-Politikerin Böschen. Man müsse den jungen Leuten auch andere Angebote machen – vor allem günstigen Wohnraum. In diesem Zusammenhang befürwortet die SPD auch die Schaffung von Azubi-Wohnheimen, wie es sie seit Kurzem beispielsweise in Hamburg gibt. „Rund 2100 der insgesamt 6000 Bremer Auszubildenden haben im vergangenen Jahr noch außerhalb der Stadt gewohnt. Könnten wir nur einen Teil von ihnen zu einem Umzug an die Weser bewegen, wäre das schon ein echter Erfolg“, sagt Böschen.

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In Hamburg gibt es zwar noch kein Begrüßungsgeld für Azubis, dafür hat im vergangenen Jahr das erste Wohnheim eröffnet. Ein möbliertes Zimmer gibt es für 350 Euro warm im Monat. Im Preis enthalten sind freies WLAN und pädagogische Betreuung: Rund um die Uhr stehen den überwiegend minderjährigen Bewohnern Ansprechpartner im Haus zur Verfügung.

Die Stadt und die Handelskammer beteiligen sich jeweils mit einer Million Euro an den Kosten. Das Angebot wird gut angenommen – schon jetzt gibt es mehr Bewerber als Zimmer. Aus diesem Grund will Hamburg bis 2022 sechs weitere Wohnheime mit insgesamt 1000 Plätzen bauen.

"Das ist wohl eher eine Werbemaßnahme"

Die Bremer CDU steht dem Begrüßungsgeld für Auszubildende ebenfalls positiv gegenüber. „Angelehnt an die entsprechende Regelung für Studierende ist das eine nette Geste“, sagt die arbeitsmarktpolitische Sprecherin Birgit Bergmann. „Als Zaubermittel zur Einwohnergewinnung und Kompensierung der vielen verpassten Chancen des Senats, Bremen als wachsende Stadt zu entwickeln, ist es jedoch nicht ausreichend.“

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Dass Bremen allein durch ein Begrüßungsgeld deutlich mehr Azubis zu einem Umzug ins kleinste Bundesland bewegen kann, glaubt der Senat ebenfalls nicht. Es sei nicht anzunehmen, dass Bremens ohnehin hohe Anziehungskraft für Auszubildende durch ein Begrüßungsgeld in Höhe von 150 Euro wesentlich gesteigert werden könne, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion.

Diese Auffassung teilt auch Karlheinz Heidemeyer, der bei der Bremer Handelskammer für den Bereich Ausbildung zuständig ist. „Das ist wohl eher eine Werbemaßnahme“, sagt er. Viel wichtiger sei es, günstigen Wohnraum zu schaffen und das Image der Ausbildung im Land Bremen zu verbessern. Mit einmalig 150 Euro sei das nicht getan. Die Ausstattung der teils maroden Schulen und die Bedingungen in den Unternehmen müssten verbessert werden. Nur so könne man langfristig mehr Auszubildende dazu bewegen, nach Bremen zu ziehen.

Bremer Handwerkskammer begrüßt die Pläne

Die Bremer Handwerkskammer begrüßt grundsätzlich die Pläne der SPD. „Es ist gut, wenn Auszubildende und Studierende gleich behandelt werden“, sagt die Geschäftsführerin Martina Jungclaus. „Wir haben aber leider keinen Überblick darüber, wie viele Auszubildende in Bremen wohnen, ohne hier gemeldet zu sein.“ Daher könne die Kammer die Nachfrage nach diesem Angebot nicht beurteilen.

In Kiel wird Auszubildenden bereits seit 2014 ein Begrüßungsgeld in Höhe von mittlerweile 100 Euro gezahlt. Ursprünglich waren es sogar 250 Euro. Die Kommune schätzt, dass jährlich etwa 200 bis 300 Anträge auf Begrüßungsgeld für Auszubildende gestellt werden. „Für die Stadt ist das eine gute Rechnung“, sagt Hans Joachim Beckers von der Industrie- und Handelskammer Schleswig-Holstein.

Kiel zahle jedem Azubi 100 Euro und bekomme zwischen 800 und 1000 Euro aus dem Finanzausgleich zurück. Auf die Bewerberlage in den Betrieben habe das Begrüßungsgeld allerdings keinen signifikanten Einfluss gehabt. „Es ist aber ein Angebot, das die Auszubildenden gerne mitnehmen“, sagt Beckers.

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