Prototyp einer Parteikarriere SPD-Mann Thomas Ehmke geht seinen Weg

Es gibt einen Mann in Bremen, der auf dem Weg nach ganz oben ist. Sein Name: Thomas Ehmke. Sein Status: Staatsrat. Seine Perspektive: Bürgermeister. Ehmke ist das Paradebeispiel für eine politische Karriere.
21.02.2015, 00:00
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SPD-Mann Thomas Ehmke geht seinen Weg
Von Jürgen Hinrichs

Es gibt einen Mann in Bremen, der auf dem Weg nach ganz oben ist. Sein Name: Thomas Ehmke. Sein Status: Staatsrat. Seine Perspektive: Bürgermeister. Ehmke ist das Paradebeispiel für eine politische Karriere. Er hat bisher alles richtig gemacht, und das ist es vielleicht, was falsch daran ist: Wer so glatt läuft, hat keine Ecken und Kanten.

Seine Anzüge wirken ein wenig zu groß, er müsste sie maßschneidern lassen, aber das ist auch wieder schwierig, weil es ihm als Luxus ausgelegt werden könnte. Der schnappt jetzt über, könnten die Leute sagen, dem ist was zu Kopf gestiegen, sein Amt, die neue Würde, und allerbeste Aussichten, die ihm daraus erwachsen. Die allerbesten!

Thomas Ehmke könnte irgendwann Bürgermeister werden, nicht wenige, die ihm das zutrauen, aber erst einmal muss er sich als Staatsrat bewähren. Seit dem 1. Dezember ist er der zweite Mann hinter Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Ein weiteres Kapitel einer Geschichte, die so heißen könnte: Der unaufhaltsame Aufstieg des Thomas E..

Er fängt als Schüler an, in der Gesamtschülervertretung, da ist er 16. Gleich darauf der Eintritt in die SPD, und mit 19 bereits Vorsitzender der Bremer Jungsozialisten. Ein Jahr später sitzt Ehmke das erste Mal in der Bürgerschaft, als Jüngster in seiner Fraktion. Parallel dazu Zivildienst und Studium in Bremen. In der Partei bringt er es bis zum stellvertretenden Landesvorsitzenden, da ist er 28.

Ehmke muss nun aufpassen, das bisher einzige Mal, aber er kriegt die Kurve. Ein Student, der nie fertig wird, weil er mit Politik beschäftigt ist, darf vielleicht in der Mannschaft spielen, aber für höhere Weihen taugt er nicht. Also klinkt er sich aus, verlässt das Parlament, und kümmert sich um seinen Abschluss.

Der Jurist, nun ist er es mit allen Examen, kommt zur Staatsanwaltschaft. Der Form halber, denn tatsächlich wird er sofort abgeordnet. Ehmke ist zunächst „Koordinator“ im Justizressort und wirkt dort später als Pressesprecher. Sein Chef: Martin Günthner (SPD), Senator für Wirtschaft und Justiz. Die beiden sind Freunde und politische Weggefährten.

Es sind Lehrjahre, aber eigentlich auch schon Herrenjahre. Ehmke ist jetzt angekommen, er sitzt im Pool, wenn es um hohe Posten geht. Zwischendurch sollte er während der Zeit bei Martin Günthner mal Fraktionsgeschäftsführer werden, nun ist er Staatsrat. Mit 36 Jahren.

Thomas Ehmke empfängt in seinem Büro beim Innensenator. Er hat an der Einrichtung nichts verändert, nachdem sein Vorgänger ausgezogen war. Holger Münch sitzt jetzt in Wiesbaden und ist Chef des Bundeskriminalamtes. Auch einer, der Karriere gemacht hat.

Das Büro, das Münch hinterlassen hat, ist ein wenig schmucklos, hat dafür aber einen schönen Blick in die Wallanlagen. Eines hat Ehmke übrigens doch mitgebracht, erzählt er. Die Uhr an der Wand, damit er bei seinen vielen Terminen die Zeit nicht vergisst. „Der Nagel war schon da“, sagt er. Nur kein Aufwand.

Ehmke ist Sozialdemokrat, was denn sonst in Bremen, wenn er als Bürgermeister infrage kommt? Er steht links in seiner Partei, ist aber geschmeidig genug, sich anzupassen. Für seine Arbeit in der Innenbehörde, traditionell eher ein Hort der Law-and-Order-Fraktion, hört sich das so an: „Wir sorgen für die Sicherheit von allen und denken dabei gerade auch an solche Menschen, die sich Sicherheit nicht kaufen können.“

Das ist so ein Satz, der Ehmke sofort auf die richtige Seite bringt, zu den Menschen, die man kleine Leute nennt.

Sein Ort in der Politik, seine Basis, auch wenn man sich einen wie ihn dort nicht so recht vorstellen kann. Leutselig? Vielleicht kann er das sein, aber er wirkt nicht so mit seiner ruhigen, sehr bedächtigen Art. Ehmke denkt nach, bevor er redet, ein alter Junger, könnte man sagen, abgeklärt.

„Er ist ein Überzeugungstäter“, sagt einer, der ihn seit Jugendjahren kennt. Geschickt in dem, was er erreichen will, aber kein typischer Karrierist. „Der erzählt einem zwar nicht alles, aber man kann sich auf ihn verlassen.“ Und sonst? „Ein guter Redner und hervorragend vernetzt.“

Gut für die Kür, gut, wenn’s drauf ankommt. Doch vorerst steht Ehmke echte Kärrnerarbeit bevor, er steckt im Grunde bereits mittendrin. Die Reform des Stadtamtes, das seit Jahren nicht richtig funktioniert und mit der Ausländerbehörde nur eine von vielen Baustellen hat. Das Bäderkonzept, von der Landesregierung beschlossen, aber im Detail noch nicht ausgefeilt. Der Brandschutz, ein heißes Thema, sagt der Staatsrat. Kommt die Feuerwehr überall in der Stadt schnell genug hin, wenn es brennt?

Solche Fragen, solche Themen. Ehmke, ein Katholik, der verheiratet ist und zwei kleine Kinder hat, ist gut beschäftigt in seinem neuen Amt. Die üblichen 100 Tage, um sich einzuarbeiten, sind ihm nicht vergönnt. Viel Zeit bleibt auch nicht mehr bis zur nächsten Bürgerschaftswahl, drei Monate nur noch, dann geht das wieder los: Wer wird was?

„Ich strebe nicht ernsthaft an, Senator oder Bürgermeister zu werden“, sagt Ehmke zum Abschied. Wieder so ein Satz. Die nötige Demut, aber auch eine Botschaft: Ausgeschlossen ist gar nichts.

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