National Games

Special Olympics in Bremen feierlich eröffnet

Bremen. Gänsehaut-Atmosphäre am Montagabend bei der Eröffnungs-Zeremonie der Special Olympics in der Bremen Arena. "Gewinner sind jetzt bereits alle Athletinnen und Athleten", hatte Willi Lemke, Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für Sport zuvor gesagt.
15.06.2010, 00:20
Lesedauer: 4 Min
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Von Volker Junck

Bremen. Gänsehaut-Atmosphäre am Montagabend bei der Eröffnungs-Zeremonie der Special Olympics in der Bremen Arena. Als das Olympische Feuer die Arena erreicht hatte, sang Jennifer Schröder stimmstark: 'Let me win!' 'Gewinner sind jetzt bereits alle Athletinnen und Athleten', hatte Willi Lemke, Sonderbeauftragter des UN-Generalsekretärs für Sport zuvor gesagt.

Und wirklich gilt bei den Special Olympics das Motto: 'Dabei sein ist alles!' wie bei keiner anderen Olympiade. Unverkrampft, fröhlich und ausgelassen zu den Wettbewerben anzutreten, davon können sich andere Olympioniken noch eine Scheibe abschneiden. Fröhlich und ausgelassen war auch die Auftakt-Feier in der Bremen Arena. Mitglieder des Blumenthaler Turnvereins Bremen-Nord wirbelten mit Bändern und Hula-Hoop-Reifen herein. Die Kinder des Turnvereins Bremen 1860 schwenkten Tücher in den Farben der teilnehmenden Bundesländer.

Begeistert bejubelt wurde das Blaumeier Atelier, das das Publikum in exotischen Kostümen tanzend auf eine Reise in '80 Tagen um die Welt' mitnahm. Martin Sasse, Frontmann der Bremer Samba-Karnevals-Gruppe 'Confusao' heizte auf seiner Trommel die La-Ola-Welle an und brachte die Halle zum Beben.

Dabei hatte der Abend mit einer geheimnisvoll rauschenden Meeresbrise begonnen, als die Fabelwesen von Confusao auf Stelzen die Halle für sich eroberten. Allerlei Meeresgetier wie ein rosafarbener Riesen-Tintenfisch und ein feuerroter Riesenkrebs tummelte sich in den Gängen und verzauberte die Olympioniken. Als das Blaumeier Atelier schließlich mit weißen Segelbooten die Bremen Arena enterte, war es mit der Beschaulichkeit vorbei, ein Akkordeonist intonierte 'My bonney is over the ocean', und die ganze Halle klatschte lautstark mit. Frenetisch bejubelt wurde auch die Latein-Formation des Grün-Gold-Clubs, die eine meisterhaft kesse Sohle auf?s Parkett legte.

'Große Akrobaten, kleine Akrobaten, alle können was. Wichtig ist der Spaß', sangen die Kinder des Turnvereins Bremen 1860 und stellten in ihrer eigenen Special Olympics Tanz-Choreographie die unterschiedlichen Sportarten der 'National Games' vor. Der amtierende Bundespräsident Jens Böhrnsen hat sich auf jeden Fall vorgenommen, viele Wettbewerbe, aber auch das Kulturprogramm zu besuchen. 'Wir sind in der Gesellschaft angekommen, nicht am Rand, sondern in der Mitte. Wir sind auf einem guten Weg', hob Staatsminister a. D. Gernot Mittler, Präsident der Special Olympics Deutschland, hervor und dankte den vielen Freiwilligen für ihren ehrenamtlichen Einsatz. Wer bei dieser Eröffnungs-Zeremonie dabei war, hat keinen Zweifel an Mittlers Worten. Und zum guten Gelingen gab?s noch eine aufmunternde Video-Botschaft von Werder-Profi und Nationalspieler Per Mertesacker.

Im Laufe der Tages hatte sich sich die Bürgerweide immer mehr mit Gruppen in ihren einheitlichen Sportbekleidungen gefüllt. Sie kamen mit Bussen und Kleintransportern aus allen Bundesländern. Die einen strebten zur Akkreditierung in der Bremen Arena (Stadthalle), andere machten sich schon einmal ein Bild vom Ort der großen Eröffnungszeremonie. Wie Schwimmer Christian Stein, der mit seiner Mutter allerdings per Fahrrad angereist war und am Abend mit einem Schild die Hamburger Delegation anführte.

Mittendrin auch Robin Salgado, Bremer Student und einer unter 2300 Volunteers, wie die ehrenamtlichen Helfer offiziell heißen. Der 26-jährige gelernte Zimmermann ist als Lagerist dabei und muss den Überblick über ein riesiges Arsenal von allen möglichen Dingen behalten, wie sie für eine derartige Großveranstaltung benötigt werden. Das Pressebüro listet unter anderem 36 000 Liter Mineralwasser, 7000 Akkreditierungsbeutel, 2500 Hinweisschilder, 30 000 Äpfel oder 400 Pylonen für die Radrennstrecke rund um den Bürgerpark auf. Dort wurde gestern schon getestet und trainiert.

'Endlich geht es los nach fast zweijähriger Planung', freut sich Robin. Da gegenüber den letzten Special Olympics vor zwei Jahren in Karlsruhe diesmal fast 1000 Sportler und Sportlerinnen mehr dabei sind, ist auch der Organisationsrahmen mitgewachsen. Hans-Jürgen Schulke, Präsident des Organisationskomitees und Vizepräsident von Special Olympics Deutschland: 'Uns hat die Anmeldeflut regelrecht überrollt. Bei 4500 mussten wir aus Kapazitätsgründen dann doch die Reißleine ziehen.' Insgesamt hätten 5400 Anmeldungen vorgelegen. Inzwischen sei auch der äußerst geringe Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit so weit gestiegen, dass rund 80 Prozent der Bremer wüssten, worum es gehe.

So hofft Sportsenator Ulrich Mäurer denn auch auf eine lebhafte Publikumsbeteilgung zu den Wettkämpfen in 20 Sportarten bei kostenlosem Eintritt. 'Der Bremer braucht ja immer ein bisschen Zeit. Doch das wird sich ändern, wenn es erst richtig losgeht', meinte er gestern auf einer Pressekonferenz in der Bremen Arena. Für ihn ist wichtig, dass sich Bremen nicht nur als perfekter Ausrichter für die Wettkämpfe, sondern auch als Kulturstadt für den großen Rahmen darstellt.

Während auf der Bürgerweide schon alles für die Eröffnungsfeier rüstete, wurde in der Pauliner Marsch beim Weserstadion noch heftig am Olympischen Dorf gearbeitet. Der Sturm am Wochenende hatte einige Zeltplanen eingerissen, die ersetzt werden mussten. 'Wir sind trotzdem voll im Plan', versichert Projektleiter Christian Dirbach. In der Pauliner Marsch werden Beachvolleyball, Boccia, Floorball, Fußball, Leichtathletik, Tennis und das wettbewerbsfreie Angebot ausgetragen.

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