Ehrenamtliche Unicef-Mitarbeiterin Helga Hildebrand aus Schwachhausen berichtet über Reise nach Kambodscha

Spenden sorgen für bessere Hygiene

Eine Bremer Ruheständlerin reiste mit Unicef nach Kambodscha. Dort besuchte sie Entwicklungsprojekte und lernte Land und Leute, aber auch Armut und Probleme des Landes kennen. Und sie erfuhr, dass man mit relativ wenig Geld nach unseren Maßstäben dort viel erreichen kann.
11.03.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Hasemann

Eine Bremer Ruheständlerin reiste mit Unicef nach Kambodscha. Dort besuchte sie Entwicklungsprojekte und lernte Land und Leute, aber auch Armut und Probleme des Landes kennen. Und sie erfuhr, dass man mit relativ wenig Geld nach unseren Maßstäben dort viel erreichen kann.

Schwachhausen. Altersteilzeit, Vorruhestand – und was nun? Mehr Zeit für die Enkel aufbringen oder vielleicht ein Ehrenamt ausüben? Diese Frage stellte sich nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben auch Helga Hildebrand. Seit zehn Jahren engagiert sie sich ehrenamtlich in der Bremer Gruppe von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Vor einigen Wochen war die Schwachhauserin in Kambodscha, um Entwicklungsprojekte zu besuchen.

Mit neun anderen ehrenamtlichen Unicef-Vertretern aus Deutschland bereiste sie das asiatische Land. Das Kinderhilfswerk hatte für 2012 das Schwerpunktthema "Wasser wirkt" gesetzt. Ziel der Kampagne ist es, bis 2015 weltweit mindestens 500000 Kindern den dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Einrichtungen zu ermöglichen und gesundheitliche Aufklärung zu betreiben. Die zehn Gäste aus Deutschland konnten sich vor Ort informieren und mit eigenen Augen sehen, wofür das gesammelte Geld eingesetzt wird und ob es auch bei den Menschen ankommt. Viele Eindrücke von dem Leben der Menschen in Kambodscha habe sie sammeln können, erzählt Helga Hildebrand. "Nach 22 Stunden Flug sind wir in der Hauptstadt Phnom Penh angekommen, es war sehr heiß und es herrschte eine hohe Luftfeuchtigkeit." Zeit zum Ausruhen gab es nicht. "Wir sind dann morgens gleich um sieben Uhr losgefahren und haben jeden Tag verschiedene Projekte besucht", sagt Helga Hildebrand. Am ersten Tag besuchte die Gruppe eine Borda-Schule.

Borda, das ist die Bremer Arbeitsgemeinschaft für Überseeforschung und Entwicklung. Ziel der 1977 gegründeten Organisation ist es, eine Grundversorgung für die Menschen zu gewährleisten. In Kambodscha, wo weite Teile der Grundwasservorkommen mit dem Gift Arsen belastet sind, ist die Versorgung mit unbelasteten Trinkwasser eines der Ziele von Borda.

"In der von uns besuchten Borda-Schule sind unlängst sanitäre Anlagen geschaffen worden", sagt Helga Hildebrand. 500 Kinder in neun Klassen und 16 Lehrer können diese Anlagen jetzt nutzen. "Sie haben dort fünf Urinale und eine Toilette für die Jungen sowie drei Toiletten für die Mädchen und zehn Plätze zum Händewaschen." Betrieben wird die Anlage mit Regenwasser, das durch ein ökologisches Filtersystem gereinigt wird. "Die Kosten für eine solche Anlage betragen 17000 Dollar", erläutert Hildebrand. Die Kinder in dieser Schule erreichen fast alle einen Abschluss und bekommen neben Unterricht in der Landessprache Khmer auch Englisch-Unterricht. "Wir haben die Kinder natürlich befragt. Sie haben sechs Tage die Woche Schule und am Nachmittag drei Stunden Englisch." "Die Berufswünsche der Kinder sind vor allem Arzt und Lehrer, und sie wissen, dass sie lernen müssen", sagt Helga Hildebrand.

Trotz Hitze und vollem Programm war die Reise für die Ruheständlerin ein schönes Erlebnis. "Wir waren von morgens bis abends unterwegs, es war toll, ein befreiendes Gefühl, und es war beeindruckend. Es ist ein wunderschönes Land, aber auch sehr arm." Besonders der Unterschied zwischen Reich und Arm sei ihr aufgefallen.

Eine hohe Analphabetenquote und ein niedriger Bildungsstand erforderten eine grundlegende Gesundheitserziehung in Kambodscha."Wir waren zum Beispiel in einem Slum, dort gab es eine ausgebildete Gesundheitshelferin, die Babys gewogen und geimpft hat." Die Gesundheitsberater leisten auch Beratungen zur gesunden Ernährung. Diese Berater werden von der Unicef ausgebildet und gehen dann in die Dörfer.

Beeindruckt und zugleich erschreckt hat Helga Hildebrand der Besuch eines Krankenhauses. "Das erste, was wir gesehen haben, war eine Preistafel, auf der die Kosten für verschiedene Behandlungen standen." Eine Hochschwangere habe erzählt, sie hoffe, dass die Geburt nicht schwer werde, denn mehr als die hundert Dollar, die sie im Krankenhaus für die Geburt zahlen müsse, habe sie nicht.

Trotz der Armut begegneten die Menschen den Besuchern aus Deutschland offen und freundlich. "Es sind sehr höfliche Menschen. Die Kinder sind fast ehrfürchtig, ruhig und zurückhaltend, und sie strahlen trotz der Umstände Zufriedenheit aus."

Von der positiven Wirkung der Spendengelder konnte sich Helga Hildebrand selbst überzeugen: "Ich bin mir jetzt ganz sicher, dass das Geld ankommt, denn das habe ich mit eigenen Augen gesehen." Es müsse aber noch viel getan werden in dem Land. Auch mit kleineren Spendensummen könne einiges erreicht werden. Gerade mal 430 Euro koste zum Beispiel eine Wasserpumpe, die ein ganzes Dorf mit sauberen Wasser versorgen könne.

Helga Hildebrand berichtet gerne in Bremer Schulen von ihren Erlebnissen während ihrer Kambodscha-Reise und der Arbeit von Unicef. Interessierte Lehrer oder Schüler können sich unter der Telefonnummer 326263 direkt an sie wenden.

Spenden sorgen für bessere Hygiene

Ehrenamtliche Unicef-Mitarbeiterin Helga Hildebrand aus Schwachhausen berichtet über Reise nach Kambodscha

Zitat:

"Kambodscha ist

ein wunderschönes Land, aber auch sehr arm."

Helga Hildebrand, Unicef-Freiwillige

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