Gruppe SPD/Grüne macht sich für Waldkindergarten-Gruppe in Schwanewede stark / Heute berät der Ausschuss Spielen und lernen in der Natur

In der Gemeinde Ritterhude gibt es sie schon, in Schwanewede noch nicht: eine Waldkindergarten-Gruppe. Jetzt hat die Gruppe SPD/Grüne mit einem Antrag die politische Diskussion über die Einrichtung einer solchen Gruppe auch in Schwanewede angestoßen.
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Von Gabriela Keller

In der Gemeinde Ritterhude gibt es sie schon, in Schwanewede noch nicht: eine Waldkindergarten-Gruppe. Jetzt hat die Gruppe SPD/Grüne mit einem Antrag die politische Diskussion über die Einrichtung einer solchen Gruppe auch in Schwanewede angestoßen.

Seit 1996 gibt es in Niedersachsen Waldkindergärten und Waldgruppen. Mehr als 70 listet der Bundesverband der Natur- und Waldkindergärten in Deutschland für das Bundesland auf seiner Homepage. In Schwanewede gibt es das Angebot derzeit noch nicht. Doch das könnte sich ändern.

Die Gruppe SPD/Grüne im Gemeinderat hat jetzt einen Vorstoß gemacht. Mit einem Antrag, der am heutigen Mittwoch, 12. November, im Ausschuss für außerschulische Kinderbetreuung beraten wird, will sie die Voraussetzungen und Möglichkeiten für die Einrichtung einer Waldkindergarten-Gruppe prüfen lassen. „Im Waldkindergarten sehen wir ein wertvolles pädagogisches Angebot, das eine gute Alternative beziehungsweise Ergänzung zu bestehenden Betreuungsangeboten darstellt. Dies wird auch von einigen Eltern so gesehen, die sich in den vergangenen Tagen an uns gewendet haben“, begründen Andrea Hecht (Grüne) und Benjamin Soller (SPD) im Antrag der Gruppe.

Der Spiel- und Lernraum Wald biete Kindern besondere Entwicklungsmöglichkeiten, erläutert Hecht. „Im Wald gibt es kein vorgefertigtes Spielzeug. Kinder müssen mit dem arbeiten, was ihnen die Natur bietet. Das fördert ihre Kreativität.“ Soller führt einen weiteren Aspekt an: „Motorische Fähigkeiten werden herausgefordert und geschult.“

Die Überlegung, dass sich die Gemeinde durch eine Waldgruppe vielleicht den Neubau eines Kindergartens sparen könnte, habe für den Antrag keine Rolle gespielt. „In diese Richtung haben wir nicht gedacht. Die Waldgruppe ist für uns keine Billiglösung“, sagt Hecht. Es gehe allein um ein zusätzliches alternatives Betreuungsangebot für Schwanewede. Ob die Waldgruppe an eine bestehende Kindertageseinrichtung anzugliedern ist, welche rechtlichen Voraussetzungen und anderen Rahmenbedingungen erforderlich sind – dazu erhofft sich die Gruppe im Ausschuss Informationen von Vertretern des Landkreises und des Kindergartens in Stendorf.

Dort, in der Ortschaft der Nachbargemeinde Ritterhude, besteht seit dem Kindergartenjahr 2010/11 eine Waldgruppe. Zwei Waldpädagoginnen betreuen 15 Kinder. Die Gruppenstärke ist laut Ute Schmidt, zuständig für das Sachgebiet Bildung/Kultur/Freizeit bei der Gemeinde Ritterhude, vom Land vorgegeben. Die Nachfrage ist größer als das Platzangebot: „Wir haben seit Jahren immer Kinder auf der Warteliste“, sagt Dörthe Kehlenbeck, die die Waldgruppe von Anfang an mitbetreut.

Vertrag mit Waldbesitzer

Betreut werden die Kinder von 8 bis 13 Uhr. Wenn es nicht gerade stürmt, ist die Gruppe täglich im Wald. Die Gemeinde hat mit dem Eigentümer einen Gestattungsvertrag geschlossen. Er regelt unter anderem, dass die Kommune für eventuelle Unfälle haftet. Die Waldgruppe in Stendorf ist dem Kindergarten an der Habichthorster Straße angegliedert. Das hat Vorteile. „Bei sehr schlechtem Wetter können die Kinder im Kindergarten oder in der Turnhalle unterkommen“, sagt Kehlenbeck. Außerdem steht ein Bauwagen auf der Kita-Wiese als Gruppenraum für die Waldkinder zur Verfügung. Hier können sie bei Bedarf malen, lesen, spielen. Hier frühstücken sie auch. Mittag essen sie im Kindergarten.

Am Betreuungskonzept wurde immer wieder gefeilt. „Wir haben im Laufe der Jahre vieles ausprobiert, manches verworfen und dazugelernt“, sagt Kehlenbeck. Beispiel Toilettengang. Eine wichtige Frage, die auch Eltern immer wieder stellen. „Wir haben festgestellt: Die Kinder können den Toilettengang trainieren. Bei uns gehen sie nach dem Frühstück.“ Dass nicht alle neuen Kinder sofort in den Wald marschieren wollen, auch das mussten die Pädagogen im Laufe der Jahre erst lernen. „Wir haben die Eingewöhnungszeit daraufhin verlängert. Krippenkinder besuchen uns jetzt schon vor den Sommerferien“, erklärt Kehlenbeck.

Rund 10 000 Euro investierte die Gemeinde Ritterhude laut Schmidt in die Einrichtung der Waldgruppe. Die anfänglichen Personalkosten von rund 55 000 Euro im Jahr bezuschusste das Land damals mit etwa 11 000 Euro. Der Schwaneweder Ausschuss tagt heute ab 16 Uhr in der Kindertagesstätte Löhnhorst.

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