50 Jahre Klinikum Links der Weser

Spielend werden Kinder leichter gesund

Ursula Doms arbeitete rund 40 Jahre bis 2007 als Erzieherin in der Kinderklinik des Krankenhauses Links der Weser. Auch als Rentnerin setzt sie sich weiterhin für junge Patienten ein.
14.01.2018, 06:28
Lesedauer: 4 Min
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Spielend werden Kinder leichter gesund
Von Detlev Scheil
Spielend werden Kinder leichter gesund

Ursula Doms im Spielzimmer der Kinderklinik des Krankenhauses Links der Weser, in dem sie fast 30 Jahre lang Regie führte.

Walter Gerbracht

Ursula Doms arbeitete rund 40 Jahre bis 2007 in der Kinderklinik des Krankenhauses Links der Weser (LDW). Alles hatte mit einer Stellenanzeige im August 1968 im WESER-KURIER begonnen: Das erst im selben Jahr eröffnete Hospital suchte eine Kindergärtnerin für die Betreuung der jüngsten Patienten. „Die Arbeit mit den Kindern hat mir über die vielen Jahre immer gut gefallen“, sagt Ursula Doms, die in Stuhr wohnt. Diese Aufgabe ist ihr so sehr ans Herz gewachsen, dass sie sich auch als Rentnerin weiterhin für die kranken Kinder im LDW engagiert.

Gemeinsam spielen oder basteln: Jedes Wochenende kommen ehrenamtliche Helferinnen und Helfer ins Klinikum Links der Weser, um den kleinen Patienten Abwechslung zu bieten. „Wenn Kinder etwas tun können, was ihnen vertraut ist und was ihnen Spaß macht, trägt das zur Genesung bei“, ist Doms überzeugt. Der Förderverein der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin organisiert diese Treffen und sucht aktuell wieder Männer und Frauen, die sich sonnabends oder sonntags mit den Kindern beschäftigen möchten. Doms gehört zu den Koordinatorinnen des Projekts „Spielen macht gesund“, das seit dem Jahr 2000 läuft.

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Übers Wochenende seien viele Bettnachbarn zu Hause, weiß Doms. Deshalb würden sich die Kinder, die am Wochenende im Krankenhaus bleiben müssen, sehr über Besuch freuen. Meist setzen sich die Kinder und die Ehrenamtlichen im großen Spielzimmer auf der Station zusammen, wo jede Menge Gesellschafts- und Geschicklichkeitspiele bereitliegen. Im Sommer geht es auch nach draußen auf den Spielplatz des Krankenhauses. Heute sei es zwar die Regel, dass die Eltern bei ihren Kleinkindern im Krankenhaus bleiben können. Der Besuch der Ehrenamtlichen biete den Eltern aber die Möglichkeit, zwischendurch einmal die Klinik zu verlassen oder eine Pause in der Cafeteria einzulegen.

Ursula Doms absolvierte ihre Ausbildung zur Erzieherin in Dortmund und arbeitete danach auf der Insel Juist. Beim Dienstantritt im LDW zog sie in eines der Schwesternwohnheime direkt am Krankenhaus ein. „Das war damals ideal und richtig schön“, erinnert sie sich. Acht Jahre wohnte sie dort, ehe sie in die Neustadt umzog und später in Stuhr Wurzeln schlug.

Erhebliche Veränderungen

In den vergangenen Jahrzehnten habe sich der Krankenhausaufenthalt stark verändert, berichtet Ursula Doms. „Zum einen dauerten die Klinikaufenthalte früher viel länger als heute, zum anderen gab es nur Besuchszeiten von wenigen Stunden an zwei Tagen in der Woche.“ Das 650-Betten-Krankenhaus mit damals allein 182 Betten auf den Stationen der Kinderklinik stellte noch im Eröffnungsjahr eine Erzieherin ein, um die Rehabilitation der Kinder aktiv zu unterstützen. Sie freue sich, dass der Kontakt zu manchen Familien – das seien vor allem Familien mit chronisch kranken Kindern – sehr lange erhalten geblieben sei. Es habe sich in den langen Jahren ein sehr enges, vertrauensvolles Verhältnis entwickeln können. Ursula Doms: „Viele Kinder von damals sind heute selbst Eltern und schätzen das LDW weiterhin.“

Die Kindergärtnerin kümmerte sich nicht nur um stationäre und ambulante kleine Patienten, sondern hatte oft zugleich deren Geschwister und Freunde mit im Schlepptau. Doch das Gewusel brachte sie nie aus dem Konzept. Neben der täglichen Tätigkeit im Spielzimmer, in dem sie gemeinsam mit den Kindern auch immer neue Bastelideen verwirklichte, und Besuchen mit dem Spiel- und Bastelwagen bei bettlägerigen kleinen Patienten widmete sie sich zum Beispiel immer wieder den mehrtägigen Asthmaschulungen für betroffene Kinder, der Vorbereitung von Kinderfesten oder sie unterstützte die Organisation des großen, alle zwei Jahre angesetzten „Frühchentreffens“ im LDW. Als Frühchen gelten Kinder mit einem Geburtsgewicht von weniger als 1500 Gramm. Oftmals bangen die Eltern um das Leben ihres Frühchen-Nachwuchses. Bei den Treffen im LDW konnten sie vergleichen, wie sich andere Frühchen entwickelten und welche gesundheitlichen Probleme es vielleicht bei einigen Kindern noch gab. „Dieser Erfahrungsaustausch wurde und wird immer sehr gut angenommen“, berichtet Doms.

Ansturm von Kindergartengruppen

Nicht selbstverständlich war zunächst die Beschulung von Kindern im Krankenhaus. „Die Eltern mussten den Unterricht im Krankenhaus einklagen“, berichtet die Erzieherin. Erst dann habe es das Recht für Kinder auf Unterricht im Krankenhaus gegeben, sofern sie mindestens 14 Tage dort bleiben mussten. Auch heutzutage schickt die Bildungsbehörde regelmäßig eine Lehrkraft ins LDW, um Kinder zu unterrichten.

Geradezu einen Ansturm gab es zeitweise, wenn Kindergartengruppen aus Bremen oder Umgebung zu Besuch kamen, um das große Krankenhaus mit seiner Kinderklinik und dem Rettungshubschrauber zu besichtigen. „Als Ausflugsort war das LDW bei den Lütten sehr beliebt“, sagt Ursula Doms lächelnd. Viele Jahre arbeitete sie darüber hinaus im Personalrat mit.

Große Sensibilität ist nach ihrer Schilderung ganz besonders beim Umgang mit depressiven jungen Patienten und Kindern aus Problemfamilien nötig. „Neben Einfühlungsvermögen ist auch eine gute Beobachtungsgabe erforderlich, um den Kindern helfen zu können“, sagt Doms. Damit verschlossene Kinder sich öffnen, kommt der Klinikclown schon seit 13 Jahren jeden Dienstag in die Klinik. Doms begleitet ihn mit der Handpuppe „Fritz“ auf den Stationen von Bett zu Bett. Im Gespräch mit dem Clown Placeco alias Falko Weerts und der Puppe, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen, geben Kinder so manches Mal preis, was sie wirklich fühlen und denken. „Das kann die Therapie erheblich unterstützen“, betont Doms.

Einige Jahre bestand ab 1998 bei der Klinik eine Anlaufstelle gegen sexuellen Missbrauch namens „Aufbruch“. Ursula Doms hatte Kontakte zu Kindergärten, Schulen, Amt für Soziale Dienste und Gesundheitsamt geknüpft. Die Anlaufstelle bot eine Erstberatung für von sexueller Gewalt betroffene Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern oder Bezugspersonen an.

Ursula Doms würde sich freuen, wenn sich weitere ehrenamtliche Helferinnen und Helfer melden würden, die sonnabends oder sonntags mit den Kindern im Krankenhaus spielen oder basteln. Manche Ehrenamtliche kommen fast jedes Wochenende, andere nur einmal im Monat. Vormittags wird von 9.30 bis 12 Uhr gespielt, nachmittags von 14 bis 16.30 Uhr. Die Einsätze sind zwanglos, es wird wie in der Familie gespielt. Nicht nur ältere Menschen, sondern gerade auch junge Leute sind willkommen.

Die anderen Teile der Serie:

Teil 1 | Der erste Küchenchef erinnert sich

Teil 2 |Der frühere Pflegedirektor Günter Wollborn berichtet

Teil 3 | Der einstige Chefarzt für Innere Medizin Gerald Klose im Interview

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