Bund will Auflagen lockern

Sport darf lauter werden

In Bremen hat der Lärm auf Sportplätzen in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten geführt. Das hat bald ein Ende: Das Bundeskabinett will die Lärmschutzauflagen lockern.
01.12.2016, 00:00
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Sport darf lauter werden
Von Jan Oppel
Sport darf lauter werden

Der Lärmpegel auf Sportplätzen darf künftig bis 22 Uhr genauso laut sein, wie den restlichen Tag über. So müssen Vereine ihr Training nicht mehr unterbrechen.

dpa

In Bremen hat der Lärm auf Sportplätzen in der Vergangenheit immer wieder zu Konflikten geführt. Das hat bald ein Ende: Das Bundeskabinett will die Lärmschutzauflagen lockern.

Seit Jahren kämpft der Breitensport um eine Lockerung der Lärmschutzauflagen. In Bremen hat der Sportplatzlärm in den vergangenen Jahren immer wieder zu Konflikten zwischen Vereinen und Anwohnern geführt. Nun hat das Bundeskabinett eine Neuregelung für den Betrieb von Sportstätten in Wohngebieten verabschiedet. Kommunen und Fußballvereine mit Plätzen in Wohngebieten hatten in den vergangenen Jahren immer wieder beklagt, dass der Betrieb der Sportstätten durch Konflikte mit Nachbarn gefährdet sei.

Mit der Änderung der sogenannten Sportanlagenlärmschutzverordnung (Salvo), die am Mittwoch auf den Weg gebracht wurde, werden die sogenannten Immissionsrichtwerte für die Ruhezeit am Abend bis 22 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen nachmittags zwischen 13 und 15 Uhr an die Tages-Grenzwerte angeglichen, damit Vereine das Training nicht unterbrechen müssen. Die Richtwerte dürfen in den Abendstunden und sonntags um fünf Dezibel erhöht werden.

Die Verordnung soll am 1. Januar 2017 in Kraft treten. Vorher muss das Papier noch den Bundesrat und den Bundestag passieren. „Die Änderung der Sportanlagen-Lärmschutzverordnung ist ein wichtiges Mittel und hilft den Vereinen an der Basis“, sagt Reinhard Grindel, Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

"Vereine wurden beim Wachsen behindert"

Bremens Sportsenatorin Anja Stahmann begrüßte die geplante die Neuregelung der Salvo: „Die Modernisierung von Sportstätten darf keine Einschränkungen in der Nutzung zur Folge haben.“ Es sei nicht akzeptabel, dass wie im Fall der SG Aumund Vegesack, mehr als 420 Kinder und Jugendliche keinen Sport treiben könnten, weil sich einzelne Nachbarn durch den Lärm gestört fühlten.

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„Nach einem jahrelangen Kampf haben wir jetzt endlich Rechtssicherheit“, sagt Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes. Viele Vereine seien durch die strengen Verordnungen beim Wachsen behindert worden, da sie keine Mitglieder mehr aufnehmen durften.

Darüber hinaus hätten die betroffenen Klubs in der Vergangenheit auch ihre Trainingszeiten stark verkürzen müssen, berichtet Karoline Müller, Geschäftsführerin des Landessportbundes. Damit sei es nun vorbei. „Uns freut die Neuregelung sehr“, sagt Müller. „Wir wollen nicht, dass der Sport an den Stadtrand verdrängt wird.“ Es könne doch nicht sein, dass Kinder für den Sport immer weitere Wege auf sich nehmen müssten.

Mit der Neuregelung soll auch Sportvereinen geholfen werden, die nach Investitionen in neue Bodenbeläge oder Flutlichtmasten Probleme mit dem Lärmschutz haben. Nach der Verordnung sind nun auch Modernisierungsmaßnahmen, insbesondere die Umwandlung von Rasen- in Kunstrasenflächen nicht mehr als Nutzungsänderung zu sehen. Künftig soll für Plätze, die vor 1991 gebaut wurden, weiter das alte Recht gelten, sodass sie nicht ihren Betrieb einschränken müssen.

Vereinsleben soll nicht länger behindert werden

Bei der SG Aumund Vegesack dauere der Rechtsstreit mit einem genervten Anwohner an, sagt Hans-Bernhard Siems, Vorsitzender der Fußballabteilung. Etwa 10.000 Euro habe der Verein allein für Anwaltskosten ausgegeben. Ein Gutachter hatte massive Überschreitungen der geltenden Grenzwerte festgestellt. Der Nachbar klagte, seit dem war der Spielbetrieb nur noch mit Einschränkungen erlaubt. Auch beim TuS Schwachhausen hatten Nachbarn Nutzungseinschränkungen erwirkt.

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Beim ATSV Sebaldsbrück zeigte ein Anwohner sogar den Vereinsvorsitzenden an, weil ihn der Lärm störte. Die Sportanlage liegt mitten in einem Wohngebiet. An Sonntagen war bislang zwischen 13 und 15 Uhr auf dem Kunstrasenplatz kein Spielbetrieb erlaubt. „Es wird allerhöchste Zeit, dass dieses Problem nun gelöst wird“, sagt Peter Schnaars, Leiter der Fußballabteilung. Man dürfe das Vereinsleben nicht unnötig behindern. Die Klubs würden sich bundesweit für ein besseres Miteinander in der Gesellschaft starkmachen und Flüchtlingen den Neustart in Bremen und anderswo erleichtern. „Unsere Arbeit ist heute wichtiger als jemals zuvor“, sagt Schnaars.

Für die Nachbarn des ATSV werde sich nach der Neuregelung der Salvo nicht viel ändern. Der Klub plane sonntags weiterhin mit zwei Spielen. Die Verantwortlichen könnten jetzt aber flexibler planen und müssten Partien nicht gleich absagen, wenn Spieler einen Termin nicht einhalten könnten, sagt Schnaars. „Das erspart uns künftig viel Bastelarbeit.“

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