Anti-Aggressions-Projekt für Bremer Jugendliche

Sport statt Schlägerei

Bremen. Die Initiative "325 Training" bietet gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen in Osterholz die Möglichkeit, ihre Aggressionen mit Sport abzubauen und nebenbei gesellschaftliche Spielregeln kennenzulernen.
21.12.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Britta Schlesselmann

Bremen. 28325: Das ist die Bremer Postleitzahl des Stadtteils Osterholz – und die hat sich eine Initiative zum Markenzeichen gemacht: "325 Training" bietet gewaltbereiten Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Aggressionen mit Sport abzubauen und nebenbei gesellschaftliche Spielregeln kennenzulernen.

Sie sind laut, sie sind aggressiv – und Konflikte lösen sie mit der Faust: "Die Jugendlichen, die zu uns kommen, haben meist große Probleme in der Schule und zu Hause", sagt Trainer Daniel Magel. Im Projekt "325 Training" lernen die Kinder und Jugendlichen, Regeln zu beachten und aufeinander einzugehen. Der Name des Projekts ist ein Hinweis auf seinen Ursprung in Bremen-Osterholz: Der Stadtteil hat die Postleitzahl 28325.

Hier ist auch Daniel Magel aufgewachsen. Er kennt die Probleme und Schwierigkeiten der Jugendlichen im Stadtteil, deren Umfeld vielfach von Gewalt und Armut geprägt ist. "Die Idee entstand dadurch, dass ich mich daran erinnert habe, was meine Wünsche als Jugendlicher waren und was mir gefehlt hat", so Magel. Für die Jugendlichen bietet die Initiative "325 Training" die Möglichkeit, in ihrem Stadtteil kostenlos Sport zu treiben und einen Freundeskreis aufzubauen.

Viele der Teilnehmer werden von Lehrern, Eltern oder Sozialpädagogen zum Training geschickt. "Wenn die Jugendlichen zu uns kommen, dann erwarten wir keine besondere Leistung von ihnen – nur, dass sie sich an die Regeln halten", sagt Übungsleiter Magel. Er ist überzeugt davon, dass sich die Persönlichkeit der Kinder und Jugendlichen langfristig durch bewussten Frustabbau und eine Erhöhung der körperlichen Fitness positiv verändern wird.

Ziel des "325 Trainings" sei es, Kinder und Jugendliche von der Straße zu holen, ihnen neue Wege zur Konfliktlösung an die Hand zu geben, um dadurch die Gewalt im Stadtteil deutlich zu vermindern, so Magel. Durch Breitensport, Thai-Boxen und Grappling – eine Mischung verschiedener Kampfsportarten – lernen die Kinder und Jugendlichen auch, körperliche Nähe zuzulassen.

Die Übungsleiter haben beobachtet, dass insbesondere Jungen körperliche Kontakte nicht gewohnt seien. "Bereits in Grundschulen üben wir das Ringen, dabei müssen die Kinder Körperkontakt akzeptieren", sagt der 30-Jährige.

Im Rahmen seines Studiums "Inklusive Pädagogik" und seiner Masterarbeit beobachtet er, wie sich das Verhalten der Kinder verändert: Innerhalb relativ kurzer Zeit verinnerlichen sie bestimmte Kampf-Regeln und hören auf die Anweisungen des Schiedsrichters. Einige der Kinder werden ebenfalls als Schiedsrichter ausgebildet. "Das ist schon toll. Die größten Schläger sagen dann auf einmal: Ist alles okay mit dir? Hast du dir wehgetan?", freut sich der Übungsleiter. Über den Sport hinaus gibt es gemeinsame Koch- oder Kinoabende, um Freundschaften in der Gruppe zu festigen und das Selbstwertgefühl zu steigern.

Seit drei Jahren engagiert sich Daniel Magel gemeinsam mit dem Übungsleiter Moritz Barta Bohm für die Initiative. Unterstützung bekommen sie inzwischen vom Landessportbund, der AOK Bremen, SV Werder Bremen und St. Petri sowie vom Quartiersmanagement Schweizer Viertel und der Projektgruppe Tenever.

In Januar startet darüber hinaus die neue Kooperation mit dem SC Panthera – einem Kampfsportverein in Bremen-Osterholz. Dort wird "325 Training" unter anderem die Räume für das Training nutzen. Trainiert wird außerdem in der Turnhalle der Oberschule Koblenzer Straße sowie in der Gesamtschule Ost und in der Grundschule Düsseldorfer Straße.

Um bereits einen positiven Einfluss auf Grundschüler zu haben, bieten die beiden Übungsleiter zusätzlich die Arbeitsgemeinschaft "Ringen und Raufen" in verschiedenen Grundschulen des Stadtteils an. Über seine Erfahrung mit verhaltensauffälligen Kindern informiert Magel jetzt auch Pädagogen und Übungsleiter aus ganz Bremen: Werder Bremen hat den jungen Mann zu einer Fortbildung zu diesem Thema eingeladen. Eine Erfahrung wird der 30-Jährige dann auf jeden Fall weitergeben: "Wenn man die Jugendlichen abholt, wo sie gerade sind und ihnen viel Aufmerksamkeit und Empathie schenkt, dann kann man sehr viel erreichen", ist er überzeugt.

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