Handball

Vom Feuerwehrmann zum Dauerbrenner

Robert Nijdam wird den Frauen-Zweitligisten SV Werder Bremen auch in den kommenden Jahren trainieren. Der Niederländer hat seinen Vertrag vorzeitig bis 2024 verlängert.
13.04.2021, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Frank Büter
Vom Feuerwehrmann zum Dauerbrenner

Er bleibt an der Weser: Cheftrainer Robert Nijdam hat seinen Vertrag beim SV Werder vorzeitig bis 2024 verlängert.

Oliver Baumgart/hansepixx

Bremen. Mehr als 150-mal hat Robert Nijdam in seiner Laufbahn das Trikot der niederländischen Handball-Nationalmannschaft getragen. Der Rechtsaußen war in seiner aktiven Zeit für diverse Klubs im Einsatz, er hat in den Niederlanden, aber auch in Belgien, in Deutschland und in der Schweiz gespielt. Und auch als Trainer hat Nijdam bereits einige Stationen durchlaufen. Er hat in der Schweiz gearbeitet, in Belgien und in Afrika. „Erste Liga, Ausland, Nationalmannschaft – mein Ziel war es immer, auf höchstem Niveau zu arbeiten“, sagt Robert Nijdam.

Seit Dezember 2019 arbeitet der Niederländer nun beim SV Werder Bremen, wo er das Frauenteam in der 2. Bundesliga coacht. Das ist nicht das besagte höchste Niveau. Aber es ist eine Aufgabe, die ihn reizt. Die ihn gleichermaßen fordert und zufriedenstellt. Und die noch nicht beendet ist. Im vergangenen Frühjahr erst hat Robert Nijdam seinen Lebensmittelpunkt an die Weser verlegt, sein Haus in Arnheim hat er vermietet. Und so soll es absehbar auch bleiben: Nijdam, zunächst nur als Feuerwehrmann im Abstiegskampf für eine halbe Saison verpflichtet, hat seinen Vertrag jetzt ein weiteres Mal vorzeitig verlängert und sich bis Sommer 2024 an den SV Werder gebunden. „Wichtig ist“, sagt Robert Nijdam, „dass man dieses Gefühl hat, dass es stimmt.“

Ein Gefühl, das auf Gegenseitigkeit beruht, denn auch der Klub zeigt sich überzeugt von der Arbeit des Cheftrainers. „Robert Nijdam ist ein Glücksfall für den SV Werder", sagt Handballchef Martin Lange. "Robert passt mit seinem außergewöhnlichen Sachverstand, seiner Philosophie, seiner Erfahrung, seinem Ehrgeiz, seinen Wertevorstellungen und seiner Empathie sportlich und menschlich hervorragend zu uns. Wir sind sehr glücklich, dass wir den Weg in den kommenden Jahren mit ihm weitergehen können.“ Was indes in diesen Corona-bedingt schwierigen Zeiten für den Klub keine Selbstverständlichkeit sei – "und deshalb sind wir der Geschäftsführung und insbesondere Hubertus Hess-Grunewald sehr dankbar", sagt Lange. "Das ist ein starkes Zeichen für den Handball beim SV Werder und ein großer Vertrauensbeweis für die Arbeit der gesamten Abteilung.“

Hess-Grunewald, Vereinspräsident und Geschäftsführer für den Bereich Organisation und Sport, zeigt sich ähnlich euphorisch. „Wir sind sehr glücklich, dass wir mit Robert Nijdam einen so renommierten Handballlehrer beim SV Werder haben, der nicht nur hervorragende und erfolgreiche Arbeit abliefert, sondern sich auch auf außergewöhnliche Weise mit unserem Verein identifiziert“, sagt der Werder-Boss. „Die Handballabteilung hat einen spannenden Weg eingeschlagen. Wir unterstützen diesen Weg – und Robert Nijdam kommt dabei als Cheftrainer eine Schlüsselrolle zu.“

Eine Rolle, die Nijdam gerne annimmt und ausfüllt. Schon während des ersten Corona-Lockdowns hat der 49-Jährige in seiner damals gerade erst bezogenen Wohnung ungezählte Stunden an seinem Laptop gesessen und ein umfangreiches Konzept erarbeitet. Ein Konzept, das auf die Entwicklung junger Spielerinnen setzt. Der frühere Trainer der niederländischen Handballakademie in Papendal ist bestrebt, Talente zu fördern und sie auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen. Und weil das nur funktioniert, wenn auch der Unterbau mit Reservemannschaft und Bundesliga-A-Jugend stimmt, hat sich Nijdam auch sehr stark in die künftige Ausrichtung der Abteilung eingebracht. Dazu gehörten unter anderem die Vertragsverlängerung von Svenja Schultz als Jugendkoordinatorin an der Schnittstelle zwischen Leistungs- und Breitensport und die Verpflichtung der Niederländerin Renee Verschuren als neue Trainerin der neu zu formierenden Oberligamannschaft

„Wir haben in den vergangenen Monaten bereits vielversprechende Weichen für eine erfolgreiche Zukunft gestellt“, sagt Robert Nijdam. Er freue sich nun sehr darauf, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. „Wir haben schon jetzt tolle Möglichkeiten für unsere Arbeit, aber auch noch viel Potenzial, das wir gemeinsam wecken wollen.“ So etwas brauche aber Zeit, „in einem halben Jahr geht so etwas nicht“, sagt der erfahrene Handballcoach. Zeit, die Robert Nijdam jetzt hat. Zeit, um langfristig und nachhaltig Aufbauarbeit zu leisten.

Aktuell stellt Werder bereits die jüngste Mannschaft der Liga. Und sie wird zur neuen Saison noch jünger werden. Für Nijdam geht es deshalb in seiner Arbeit auch um Stabilität und Konstanz. Er spricht von Potenzial und Ambitionen. Von Philosophie, Entwicklung und Fokussierung. „Die Mannschaft muss als Mannschaft wachsen“, sagt Robert Nijdam. Höhere Ziele? Klar, die habe jeder und jede. Aber grundsätzlich ginge es zunächst darum, in der Liga zu bestehen. Im Moment sieht es so aus, als sollte sich Werder im sechsten Zweitligajahr erstmals frühzeitig retten und womöglich sogar einen einstelligen Tabellenplatz belegen können. Und auch darauf lässt sich aufbauen.

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Zur Sache

Zwei Zugänge soll es noch geben

13 Spielerinnen hat der SV Werder Bremen für die kommende Saison in der 2. Handball-Bundesliga der Frauen bereits unter Vertrag, darunter mit Jenice Funke (21/SV Union Halle) und den deutschen Junioren-Nationalspielerinnen Meike Becker (18/TuS Metzingen) und Mathilda Häberle (19/TG Nürtigen) drei externe Neuzugänge, die sich allesamt bis 2024 an Werder gebunden haben. Zwei Neuverpflichtungen soll es derweil noch geben. Rückraummitte und Rechtsaußen, das seien die Positionen, wo man sich noch verstärken möchte, verrät Cheftrainer Robert Nijdam, der überdies auf folgende Spielerinnen bauen kann: Danique Trooster, Victoria Nigbur, Merle Heidergott, Naomi Conze, Denise Engelke, Sarah Seidel (alle Vertrag bis 2022), Nina Engel, Maren Gajewski, Lena Thomas und Alina Defayay (alle bis 2023).

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