Ein treuer Familienmensch

Der Mann mit dem langen Atem

Was Willi Eickworth beginnt, scheint er nie zu beenden: Seit 45 Jahren ist der 66-Jährige eine der wichtigsten Personen im Bremer Squash - nun feierte er sogar das seltene 50-jährige Arbeitsjubiläum.
29.09.2020, 05:48
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Der Mann mit dem langen Atem
Von Olaf Dorow
Der Mann mit dem langen Atem

Ehre, wem Ehre gebührt: Squash-Aktivist Wilhelm Eickworth hat etwas geschafft, was nur die wenigsten schaffen. Er ist seit 50 Jahren Eisenbahner.

Frank Koch

Man darf wohl mit einiger Berechtigung behaupten, dass Wilhelm Eickworth eine treue Seele ist, ein Familienmensch. Mit seiner Halina sei er schon mehr als vier Jahrzehnte verheiratet, erzählt er. Wie wichtig ihm die Familie ist, mag allein der Name des Sohnes andeuten. Wilhelm Karl Herrmann Paul heiße der, sagt Eickworth. Wilhelm wie er selbst, Karl wie sein Vater, Herrmann wie der ältere, Paul wie der jüngere Bruder.

Und sonst so? „Ich bin eigentlich überwiegend ein Kind der Sonne“, sagt Wilhelm Willi Eickworth, der nicht nur mit Stolz auf seine Familie im engeren Sinne schaut. Er schaut auch mit einer gehörigen Portion Stolz auf das, was man im weiteren Sinne als seine zweite sowie seine dritte Familie ansehen könnte. Die Bahn und der Squash: Eickworth, 66 Jahre alt, ist seit 50 Jahren Eisenbahner und seit 45 Jahren im Squash-Sport aktiv. Das ist schon mal ein „Wow!“ wert, da ist er auch groß gefeiert worden neulich, als er zu seinem Dienstjubiläum, das eher ein außergewöhnliches denn ein handelsübliches ist, in den „Pusdorper Leuchtturm“ eingeladen hatte. Sogar sein Ex-Niederlassungsleiter ist aus Berlin gekommen in die Gaststätte gleich neben der Sportwelt, der Squash-Heimat des Willi Eickworth.

So verschieden die Metiers, so sehr ähneln sich die Rückblicke auf die Jahrzehnte bei der Bahn beziehungsweise am Squash-Court. Der Beruf wie der Sport hat es Wilhelm Eickworth nicht eben nur leicht gemacht. Hat ihm viel abverlangt, hat ihm Gründe gegeben zu hadern. Und hat ihm Gründe geliefert, das immer noch zu machen.

Bei der Bahn ist der gelernte Starkstrom-Elektriker jetzt ein sogenannter Senior Expert, er ist im Bereich DB Netze in der Leit- und Sicherungstechnik im gesamten Norden auf Achse. War er macht in seinem Unternehmen, ist sein Ding. Was mit seinem Unternehmen gemacht wurde, ist es nicht. Wie damals, Mitte der 1990er-Jahre angefangen wurde, so viel auszulagern, „nein, das ist nicht schön“, sagt er. Der Investitionsstau, der schlechte Ruf. Die Bahn müsse die Sünden der Politik ausbaden. Dabei sei es hochspannend, und die Technik an sich, die funktioniere auch prima.

Ein Schicksalsschlag gehört auch zu seinem langen Berufsleben. 14. Oktober 2004. Bei der Begleitung eines Schwerlasttransports wird ihm der Fuß abgefahren. Amputation, Einschränkungen, Depressionen. Freunde, die sich nicht mehr melden. Er gibt zu: „War 'ne Scheißzeit.“ Jahrelang sei der Kopf „die größere Baustelle als der Fuß“ gewesen.

Das Handicap stellte auch, um es bildhaft zu sagen: das Band zu seinem geliebten Sport vor eine Zerreißprobe. Noch mit Anfang 50 hatte er beim Bundesligisten 1. Bremer SC nicht nur als Trainer fungiert, sondern auch noch als Spieler ausgeholfen. Und jetzt? Alles anders. Er wollte alles hinschmeißen. Seine Halina habe ihn gerettet, sagt er. „Jetzt aufhören mit dem Squash? Quatsch“, habe sie gesagt. Er machte weiter, bis heute. Als Trainer, sagt er, sei er echt ein harter Hund, da gebe es kein Pardon. Außerhalb des Trainings, da versuche er, die Kinder Kinder sein zu lassen. Passt ganz gut, denkt man insgeheim, zu dem, wie dieser Langstrecken-Willi so im Allgemeinen auf das Leben schaut, das er lebt. Es ist anstrengend, ja, aber es gibt einem auch etwas. Doppeltes Ja.

Sein Blick auf den Squash-Standort Bremen ist auch keiner, den man mit dem eines Lottospielers auf seine sechs Richtige verwechseln könnte. Sportlich befindet sich der 1. Bremer SC mit seinem ersten Vorsitzenden Willi Eickworth, der auch Präsident des Bremer Squash-Verbandes ist, in der Rolle des Underdogs, der aber doch seit Jahren in der Bundesliga mithält. Wann die Liga wieder losgeht, weiß wegen Corona niemand. Willi Eickworth rechnet damit, dass es vor Anfang Dezember nix wird.

Das größere Problem als Corona, wenn man das angesichts der Pandemie mal so sagen darf, ist die Sportwelt. Ihr droht der Abriss, sie ist verkauft und vom Vorbesitzer Markus Begerow umgehend wieder gepachtet worden, zunächst mal bis 2023. Im Tabakquartier sollen Wohnungen gebaut werden. Aus dem alten Gaswerk, unweit der Sportwelt, könnte doch eine prima Sport- und Freizeithalle werden, sagt Wilhelm Eickworth. Der alte Eisenbahner und Squash-Pionier, auch das darf wohl so gesagt werden, ist in die Jahre gekommen. Was seinen Einsatzwillen anbelangt, hat das aber nicht so viel zu sagen.

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Zur Sache

Lennox Vogt wird deutscher U13-Einzelmeister im Squash

„Der kleinste Landesverband braucht sich nicht zu verstecken“, sagte Willi Eickworth. In seiner Funktion als Squash-Landestrainer blickt er mit Stolz auf das vergangene Wochenende zurück. In Duisburg wurden die deutschen Jugend-Einzelmeisterschaften ausgetragen, und die drei Vertreter aus dem 1. Bremer Squash-Club (BSC) belegten die Ränge fünf, vier und eins. Herausragend war der Titelgewinn des zwölfjährigen Lennox Vogt in der U13, der im Finale Cedric Andersen beim 11:4, 11:7 und 11:6 keine Chance ließ. Vogts „Dauerrivale“ bei Meisterschaften, Alexander Neumann, musste in diesem Jahr bereits in der U15 auflaufen, sodass der Weg für den Bremer frei war. In der U15 wurde David Lünnemann nach dem 1:3 gegen Marius Gehrken Fünfter. Philine Rupp erreichte in der U19 das Halbfinale, verpasste aber den Einzug ins Endspiel und unterlag in der Partie um Platz drei der Ägypterin Nour Safaey-Hassan mit 0:3. „Mit dem Abschneiden bin ich mehr als zufrieden“, sagte Eickworth, „es war ein mega Wochenende.“

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