Bis zu 30 Personen

Bremer Politik will Wettkampfsport ab 1. August erlauben

Schnelle Schritte in die Normalität: Die Bremer Politik will Wettkampfsport bis zu 30 Personen ab dem 1. August wieder erlauben. Training im Verein und Punktspiele werden somit wieder möglich.
10.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Politik will Wettkampfsport ab 1. August erlauben
Von Mathias Sonnenberg
Bremer Politik will Wettkampfsport ab 1. August erlauben

So war es einmal, so soll es wieder werden: Bremer Amateur-Fußball, hier beim Spiel Brinkum gegen den Bremer SV, wird bald wieder möglich sein.

Thorin Mentrup

Anja Stahmann hat als Sportsenatorin schon schlimmere Tage erlebt. Mal war es der Sporthaushalt, der nicht groß genug war, dann die Lockerungen, die nicht schnell genug vorangingen. Entsprechend gut gelaunt verkündete die Grünen-Politikerin am Donnerstag, was der Bremer Senat am kommenden Dienstag endgültig beschließen soll: Wettkampfsport in Bremen ist bis zu einer Zahl von 30 Personen ab dem 1. August wieder möglich. Wahrlich eine gute Nachricht für die vielen Sportlerinnen und Sportler, denn damit ist nicht nur wieder ein Training im Verein erlaubt, sondern sogar Punktspiele.

Stück für Stück hatten Bremens Sportpolitiker in den letzten Tagen für weitere Freiheiten gekämpft. Vor allem Björn Fecker, als Fraktionssprecher der Grünen ja ein Partei-Kollege Stahmanns, hatte immer wieder intern darauf gedrängt, weitere Lockerungen im Sport zu ermöglichen. Fecker, als Präsident des Bremer Fußball-Verbandes mit der Basis verhaftet, kämpft ja auch für seinen Verband, der so langsam Planungssicherheit für die kommende Saison benötigt. Die hat er nun, denn weil ab dem 1. August wieder Testspiele möglich sind, wird intern von einem Saisonstart am 1. September im Bremer Amateur-Fußball ausgegangen. Entsprechend erfreut zeigte sich Fecker. „Wenn der Senat das so beschließt, würden zigtausende Amateur-Fußballer im Land Bremen endlich wieder eine Perspektive haben. Und wir als Verband könnten in die konkreten Saisonplanungen einsteigen“, sagte er dem WESER-­KURIER.

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Es spricht wenig bis nichts dafür, dass der Senat den Vorschlag noch kippen wird. Stahmann hatte sich im Vorfeld die Zusage von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) und Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke) geholt. „Die niedrigen Infektionszahlen sprechen dafür, dass wir weiter lockern können im Sport“, erklärte Stahmann. Das sei nicht im Blindflug geschehen, sondern auch in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt. Senatorin Bernhard erklärte auf Anfrage: „Mir ist es wichtig, dass es gerade Kindern und Jugendlichen wieder ermöglicht wird, Teamsport betreiben zu können. Aber selbstverständlich ist das nur dann möglich, wenn sichergestellt werden kann, dass wir alle Kontaktpersonen nachverfolgen können.“

Auch Stahmann ist froh, dass der Sport weiter ins Laufen kommt, insbesondere der Fußball. „In Bremen spielen 45 000 Menschen Fußball, da ist es gut, dass hier auch wieder Wettkampf möglich ist.“ Sie habe zuletzt immer wieder den Wunsch von Eltern vernommen, dass die Kinder wieder zum Sport gehen möchten. „Es tut der Psyche der Menschen und Kinder gut, wenn man in Bewegung ist“, erklärte Stahmann. Wettkampf ist wieder möglich mit bis zu 30 Personen – aber was genau heißt das für die Praxis? Martin Schultze, Hockey-Trainer beim Bremer HC, will bei all der Freude auch Wasser in den Wein kippen. „Im Hockey gehören im Wettkampf zu jeder Mannschaft 16 Spieler. Hinzu kommen noch Schiedsrichter und die Trainer, da sind wir schnell bei fast 40 Personen auf und neben dem Feld. Ich hatte mich im Vorfeld für eine Obergrenze bis 40 Sportler und Sportlerinnen starkgemacht, das hätte uns viel mehr geholfen.“

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Anja Stahmann kennt die Kritik. „Die 30 Personen als Obergrenze gibt es auch in anderen Bundesländern. Wir sind froh, dass wir jetzt den ersten Schritt gemacht haben. Wie der nächste Schritt aussehen kann, müssen wir besprechen.“ Tatsächlich dürften laut Verordnung wohl nur 30 Personen in den Wettkampf involviert sein, inklusive Auswechselspieler, Trainer und Unparteiische. Es zählt offenbar nicht nur die Anzahl der Sportler auf dem Platz. Wie genau die Lockerung aber letztlich interpretiert werden kann, wird noch geklärt.

Die Freude im Bremer Sport jedenfalls ist groß. Uwe Piehl, zweiter Vorsitzender beim Regionalliga-Aufsteiger FC Oberneuland, erklärte: „Wir freuen uns, dass die Kontaktbeschränkungen zurückgefahren werden und unsere Kinder und Jugendlichen die Möglichkeit erhalten, ihrem Fußballsport wieder nachzugehen.“ Allerdings ende die Vorsicht mit der Pandemie für den Klub nicht mit dem 1. August. Und FCO-Trainer Kristian Arambasic ergänzte: „Das Warten auf echten Fußballsport hat damit ein Ende. Ich bin erleichtert, dass es nun wieder Rahmenbedingungen für Trainingseinheiten und Inhalte gibt, die ich für mein Team einfach brauche.“

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Auch im Bremer Handball kam die Nachricht aus der Politik gut an. „Das ist sehr erleichternd für uns“, sagte Matthias Ruckh, Trainer des Drittliga-Aufsteigers ATSV Habenhausen. Der Klub ist bereits in die Vorbereitung gestartet und hatte die Planungen für den August schon vorangetrieben. „Wir wollen dann den Fokus auf den spielerischen Teil legen und viele Testspiele absolvieren. Dass das jetzt wieder ohne Einschränkungen möglich ist, finde ich perfekt.“ Dafür hat das Team jetzt ein anderes Problem. Eigentlich sollte es vom 30. Juli bis 2. August ins Trainingslager gehen, das Leistungszentrum des THW Kiel war schon reserviert. Doch weil Schleswig-Holstein die Corona-Regeln wieder angezogen hat, steht die Reise auf der Kippe. In Bremen, das weiß Ruckh jetzt, haben es die Sportler da schon besser.

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