Saison weiter unterbrochen

Bremer Trainer: „Wir vermissen alle den Fußball“

Bremer Trainer über die Auszeit und die Chancen, die Ligen doch noch zu Ende spielen zu können. Aber die Skepsis überwiegt: Viele rechnen mit einem Abbruch.
23.01.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Stefan Freye

Sie sind vereint in einem Wunsch: Die Trainer der Bremer Fußballteams möchten natürlich so schnell wie möglich zurück auf den Platz und ihre Wettbewerbe fortsetzen. Nachdem der Lockdown aber gerade erst verlängert wurde, werden sie alle auch von ernsthaften Zweifeln an eine baldige Rückkehr zur Normalität begleitet. Diese Unsicherheit wirkt sich auf verschiedene Weise aus: Während manche geduldig auf den Tag X warten, plädieren andere bereits jetzt für ein vorzeitiges Saisonende.

Günter Tuncel (SV Hemelingen, Bremen-Liga): „Ich wünsche mir, dass wir so schnell wie möglich wieder spielen, aber vorstellen kann ich es mir nicht“, sagt Günter Tuncel, gemeinsam mit Bruder Feyhat auf der Trainerbank der SVH. Seine Prognose für die kommenden Monate ist also allenfalls durchwachsen, und das hat Folgen für die Haltung von Günter Tuncel: „Ich bin eigentlich jetzt schon dafür, die Saison zu annullieren.“ Der Hemelinger Trainer verweist in diesem Zusammenhang auf den Hamburger Fußball-Verband. Der hatte kürzlich klargestellt: Wird der Spielbetrieb im Februar nicht wiederaufgenommen, werde die Saison abgebrochen. Eine solche Deadline wünscht sich auch Günter Tuncel, sie könne sich ja auf einen späteren Zeitpunkt beziehen. „Aber ich kann mir auch nicht vorstellen, dass wir im März wieder spielen“, so der Coach des Tabellenzwölften. Für Tuncel wäre es nur konsequent, sich bereits jetzt mit einem vorzeitigen Ende zu beschäftigen. Er sagt: „Im Moment hängen wir doch in der Luft.“ Glücklich ist er mit der Situation aber keineswegs: „Wir vermissen den Fußball alle, aber es gibt Wichtigeres.“

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Dennis Richter (TuS Schwachhausen, Frauen-Verbandsliga): Der Trainer und sein Team haben vermutlich einen Minusrekord aufgestellt: Gerade zwei Partien hat der TuS Schwachhausen bislang absolviert. Ein positiver Corona-Test in den eigenen Reihen sowie ein Pokalspiel verhinderten mehr Punktspiele. „Ich würde die Saison natürlich gern so schnell wie möglich und gesund zu Ende spielen“, sagt Dennis Richter. Es bestehen auch nur wenig Zweifel, dass sein Team am Ende ganz oben stehen und zur Qualifikation um einen Platz in der Regionalliga antreten würde. Dem Trainer fehlt allerdings der Glaube an ein Happy End: „Realistisch werden wir nicht vor Ostern wieder spielen können.“ Zwar würde die Zeit vermutlich ausreichen, um – wie derzeit noch geplant – die Hinrunde in der Frauen-Verbandsliga zum Abschluss zu bringen. Aber Dennis Richter befürchtet, dass die Saison annulliert und es auch keinen Sonderweg für seine verhältnismäßig kleine Spielklasse (neun Teams) geben wird. „Ich schätze, es wird ein Jahr ohne Wertung“, sagt der TuS-Coach. Sein Team hätte damit erneut „viel Zeit verloren“. Im letzten Frühjahr hatte Schwachhausen den Aufstieg auch deshalb verpasst, weil die Saison abgebrochen worden war.

Ugur Biricik (Tura Bremen, Landesliga): Ugur Biricik und sein Team lauern auf Platz zwei der Landesliga. Das Ziel der Gröpelinger ist klar: Sie wollen hoch in die Bremen-Liga. Insofern kommt ihnen die momentane Auszeit sehr ungelegen. „Wir waren gut drauf, aber je länger die Pause dauert, umso mehr werden die Karten neu gemischt“, sagt der Tura-Trainer. Andererseits weiß Biricik natürlich auch, dass „die schwierige Situation für jeden gilt“. Ebenso bewusst ist er sich, dass der ursprüngliche Plan, also ein Start im Februar, nicht mehr einzuhalten sein wird. „Vielleicht können wir im März das Training aufnehmen und dann noch im gleichen Monat wieder spielen“, hofft er. Auf sein Team würden auf jeden Fall „nur noch Endspiele“ zukommen. Für Ugur Biricik kommt es dabei ganz besonders auf eine sportliche Entscheidung auf dem Platz an: „Ich möchte nicht aufgrund eines Saisonabbruchs aufsteigen.“

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Jürgen Damsch (ATSV Sebaldsbrück, Bezirksliga): Eines ist dem Trainer ganz wichtig: Seine Haltung zur Fortsetzung der aktuellen Spielzeit wird nicht beeinflusst durch den Tabellenstand seiner Mannschaft. Zwar belegt der ATSV lediglich den 14. Rang der Bezirksliga. Er wird sich in den kommenden Wochen aber verstärken und deshalb nach Ansicht von Jürgen Damsch auch keine sportlichen Probleme mehr haben. Allerdings findet der Trainer, es sei schon jetzt nicht mehr wirklich sinnvoll, sich mit einer sportlichen Entscheidung zu beschäftigen. „Ich tendiere dazu: Wenn wir bis zum März nicht ins Spielen kommen, sollte man die Saison annullieren“, sagt Damsch. Andernfalls würde ein „hammerhartes Programm“ auf die Mannschaften zukommen – trotz der bereits erfolgten Verkürzung. Mit der Vielzahl an Spielen verbindet der ATSV-Coach auch ein erhöhtes Verletzungsrisiko: „Man muss beachten, dass wir bereits seit dem 15. Oktober raus sind und die Muskulatur nach einer kurzen Vorbereitung sehr anfällig wäre.“ Dabei geht es Jürgen Damsch nicht nur um die erwarteten Ausfälle und einen verzerrten Wettbewerb. Er denkt auch an die berufliche Situation der Spieler: „Da hängen manchmal Arbeitsplätze an schweren Verletzungen.“

Jannis Bösche (TSV Grolland, Kreisliga A): Der Grollander Trainer hat einen „Wunsch-Gedanken“: er hofft, ab dem März ins Training einsteigen zu können und spätestens im April die Punktspielserie fortzusetzen. Aber es hat schon einen Grund, warum Jannis Bösche den Wunsch in seinem Gedanken betont – er wurde zu oft enttäuscht in den vergangenen Monaten. „Bei der Unterbrechung im November hatte ich noch die Hoffnung, dass es bereits im Februar weitergeht“, erinnert sich Bösche. Von einem Start im nächsten Monat ist mittlerweile keine Rede mehr. Aber Jannis Bösche ist sich schon sicher, dass noch einmal gespielt wird und seine Mannschaft zu den noch ausstehenden acht Spielen der Hinrunde antreten kann. Dann geht es für den Tabellenzweiten vor allem um größtmögliche Konzentration. „Wir dürfen dann nicht mehr patzen, denn wir möchten gern in die Bezirksliga aufsteigen“, blickt Jannis Bösche voraus.

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