15. Bremen-Marathon läuft noch immer

Ärger um Bremen-Marathon geht weiter

Die Bestätigung, dass die drei angebotenen Laufstrecken wirklich so lang waren wie versprochen, lässt weiter auf sich warten. Der inzwischen abgelöste Vermesser war untätig geblieben, nun macht es ein Anderer.
27.11.2019, 16:09
Lesedauer: 3 Min
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Ärger um Bremen-Marathon geht weiter
Von Jörg Niemeyer
Ärger um Bremen-Marathon geht weiter

Oktober 2019: Start frei für den 15. SWB-Marathon auf dem Bremer Marktplatz. Während sich die Läufer allmählich schon auf den nächsten Lauf vorbereiten, hat der letzte für die Veranstalter noch ein Nachspiel. Die Vermessung der drei angebotenen Streckenlängen ist noch immer nicht offiziell bestätigt.

Christina Kuhaupt

„Für mich existiert der Bremen-Marathon nicht.“ Das hatte Udo Brandt dem WESER-KURIER fünf Wochen vor dem 15. SWB-Marathon am 6. Oktober gesagt. Ein Widerspruch? Ja und nein. Ja, weil die Veranstaltung seit 2005 Jahr für Jahr stattgefunden hat. Nein, kein Widerspruch, weil der Essener im Auftrag des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV) Laufstrecken zertifiziert und der SWB-Marathon nicht auf seiner Liste steht.

Udo Brandt überprüft Protokolle von Streckenvermessungen und bestätigt dann, dass die vermessene Strecke offiziell 42,195 Kilometer (Marathon), 21,0975 Kilometer (Halbmarathon) oder zehn Kilometer lang ist. Im Fall des SWB-Marathons konnte Brandt bislang allerdings keine Bestätigung ausstellen. Der Grund ist fünf Wochen vor wie knapp acht Wochen nach der Veranstaltung derselbe: Die Brandt vorliegenden Daten genügen nicht den Anforderungen für eine Zertifizierung.

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Rückblende: Beim 13. SWB-Marathon 2017 war René Anselment das Rennen seines Lebens gelaufen. Die Uhr war für ihn auf der Langstrecke nach 2:53:32 Stunden stehen geblieben – eine Zeit, die sich der Läufer in die offizielle Bestenliste eintragen lassen wollte. Normalerweise kein Problem, wenn eine Strecke das DLV-Zertifikat erhalten hat. Das Problem in Bremen: Angeblich war die Strecke vermessen worden, nur hat das Protokoll, erstellt vom einzigen Bremer Vermesser Herwig Renkwitz, den Prüfer Udo Brandt nie erreicht. Und René Anselment wartet weiter auf die Anerkennung seiner persönlichen Bestzeit.

„Ich nehme die Sache auf meine Kappe“, hatte Renkwitz Ende August dem WESER-KURIER gesagt – seitdem äußert er sich auch auf Anfrage nicht mehr. Inzwischen herrsche zwischen Veranstalter Utz Bertschy und Renkwitz ebenfalls Funkstille, wie Bertschy am Dienstag sagte. Das liegt nicht nur am offenbar nie eingereichten Protokoll von 2017, sondern auch am ungenügenden Protokoll von 2019. An einem Sonntagabend Anfang September waren Renkwitz als Erst- und sein Delmenhorster Kollege Karl-Ludwig Rittel als Zweitvermesser mit Polizeibegleitung die 42,195 Kilometer abgefahren. Die Daten, die Renkwitz erst nach dem 6. Oktober beim DLV einreichte, genügten nicht für eine Zertifizierung. Das teilte Udo Brandt den Beteiligten auch mit, doch die angekündigte Nachbesserung von Renkwitz erfolgte nicht.

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Seit Kurzem ist Renkwitz den Auftrag los. „Unsere Geduld ist an der Stelle am Ende“, sagte Bertschy, der selbst lange untätig geblieben war. Erst das stete Nachhaken von René Anselment und dessen Gang an die Öffentlichkeit hatten überhaupt für wahrnehmbare Aktivitäten seitens des Veranstalters gesorgt. Und für gravierende Veränderungen in der Organisation. Seit Mai 2019 ist die in Berlin ansässige Firma Davengo als Ausrichter tätig. Zuvor war sie ab dem 1. SWB-Marathon „nur“ als Dienstleister für das Online-Portal und die Zeitmessung bei den Läufen zuständig.

„Bis Mai hatten wir nie Einblicke in die Organisation gehabt“, sagte Davengo-Geschäftsführer Andreas Dobrawa am Dienstag. Er zeigte sich einigermaßen verwundert darüber, dass etliche Aufträge rund um den Bremen-Marathon bisher offensichtlich nur mündlich vergeben worden seien. Das werde sich ändern, versprach Dobrawa, der für die Zukunft auch ein weiteres Vermessungschaos ausschloss. „Das ist sicher wie das Amen in der Kirche“, sagte er, „wir werden rechtzeitig reagieren, sofern es erforderlich sein sollte.“

Erste Gespräche für den 16. SWB-Marathon am 4. Oktober 2020 seien, so Dobrawa, geführt, demnächst stünden weitere an. Auch die SWB plant mit der 16. Auflage im kommenden Jahr. „Wir gehen davon aus, dass bis Mitte Dezember die fehlenden Nachweise und Protokollierungen nachgereicht werden“, teilte die Pressesprecherin des Unternehmens, Angela Dittmer, schriftlich mit. Zu den Fragen, wie die SWB zu den negativen Schlagzeilen der vergangenen Wochen beim Thema Vermessung steht und ob die Einsetzung von Davengo als Mitorganisator möglicherweise eine Bedingung der SWB für die Fortsetzung des Sponsorings war, äußerte sich die Sprecherin ausweichend. „Als Sponsor übt SWB keinerlei Kontrollfunktionen zu organisatorischen Details aus, die gesamte Organisation liegt in den Händen des Veranstalters“, heißt es.

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Utz Bertschy und Andreas Dobrawa haben mittlerweile reagiert. Karl-Ludwig Rittel ist für die Vermessung der diesjährigen Strecke nun verantwortlich. Er habe, so Bertschy, die von Renkwitz Anfang Oktober übermittelten Daten kürzlich von Udo Brandt erhalten und in die vom DLV-Verantwortlichen gewünschte Fassung gebracht.

Am kommenden Sonntag werde eine Nachvermessung zweier Wendepunktstrecken für Halbmarathon und Marathon erfolgen. Dann könne möglicherweise schon bald die Zertifizierung für 2019 erfolgen. Die Zehn-Kilometer-Strecke werde laut Bertschy demnächst noch einmal komplett vermessen, dafür seien auch wieder Absprachen mit der Polizei erforderlich.

Bleibt die Frage, was mit der Zertifizierung für 2017 passiert. „Das nehmen wir in Angriff, wenn 2019 abgeschlossen ist“, sagte Bertschy. Udo Brandt hat, obwohl auch er inzwischen ziemlich genervt von der ganzen Angelegenheit ist, Unterstützung versprochen. René Anselment darf also hoffen, dass seine persönliche Fabelzeit doch noch anerkannt wird.

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