Mehr Geld für Talente Politik will Leistungssport fördern

Koalition erstellt einen Aktionsplan für größere finanzielle Unterstützung - Kritik von der Opposition. LSB-Präsident fordert Nachbesserung des Sporthaushalts
16.04.2020, 15:41
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Politik will Leistungssport fördern
Von Mathias Sonnenberg

Der Antrag hat auf jeden Fall einen schmissigen Titel. „Aktionsplan für die Zukunft des Sports im Land Bremen: Breiten- und Leistungssport gemeinsam fördern“ lautet er. Und endet mit einem Ausrufezeichen, sodass gleich klar wird, mit welcher Entschiedenheit die Unterzeichner hier am Werke sind. Es geht also um den Bremer Sport und die Frage: Wie kann er besser werden? Und was wird dafür gebraucht? „Es geht auch darum, wie man das Potenzial des Leistungssports für die Gesamtentwicklung nutzen könnte“, sagt Eva Quante-Brandt, sportpolitische Sprecherin der SPD. Sie hat den Plan mit Mustafa Öztürk (Grüne) und Cindi Tuncel (Linke) verfasst, beide ebenfalls Sprecher für den Sport in den Koalitionsparteien.

Elf Punkte umfasst der Aktionsplan, der der Bürgerschaft binnen sechs Monaten nach Beschlussfassung vorzulegen ist. Es geht dabei um höhere Zuschüsse für die Übungsleiterpauschale, Förderung von Mädchen und Frauen, Fortführung des Trainer-Lehrer-Modells, Ausbau der Oberschule Ronzelenstraße zu einer Elite-Schule des Sports oder auch verstärkte Einrichtung von Bolzplätzen oder Laufstrecken. Außerdem wird die Notwendigkeit zur Einrichtung eines Studiengangs Sportpädagogik an der Universität Bremen bekräftigt.

Quante-Brandt, bis Sommer vergangenen Jahres Bremer Gesundheitssenatorin, weiß genau, dass längst nicht alles neu ist. Was auch Andreas Vroom, Präsident des Bremer Landessportbundes (LSB), nicht entgangen ist. „Es sind einige Themen dabei, die wir schon lange vor uns hertreiben und die aus unterschiedlichen Gründen nicht angepackt oder umgesetzt wurden.“ Aber grundsätzlich sei es schön, dass die Parteien sich finden und einen Plan entwerfen würden, wie man den Sport voranbringen könne. „Die Themenauswahl ist richtig aus Sicht des LSB“, sagt Vroom.

Quante-Brandt geht es nach eigener Aussage um die bessere Verzahnung zwischen Breiten- und Leistungssport. Und sie greift dabei auf den altbekannten Spruch zurück, demzufolge jede Spitze eine Breite und jede Breite eine Spitze brauche. „Die motorische Leistungsfähigkeit der jungen Menschen entwickelt sich zurück. Und das geht einher mit einem sinkenden Potenzial für den Leistungssport“, sagt die 60-Jährige. Viele Breitensportler hätten einen Leistungssportler als Idol. Und es brauche einen spannenden Breitensport für alle, aus dem dann die Fachverbände die entsprechenden Leistungskader speisen könnten.

Dass Leistung auch Geld kostet, wird dabei nicht bestritten. Am Ende sei der Bremer Sport in seiner Größe im Vergleich mit anderen Landesverbänden klein und auch auf das Zusammenwirken mit dem Nachbarland Niedersachsen angewiesen. „Aber wir haben Talente in Bremen“, sagt Quante-Brandt, „und es wäre gut, die auch sichtbarer zu machen.“ Aber für die gezielte Unterstützung würden sie mehr Ressourcen benötigen. „Es muss schon ein bisschen mehr Geld sein für die Förderung des Leistungssports“, sagt sie.

Im Sporthaushalt für 2020 und 2021, der vor knapp drei Wochen unter gehöriger Kritik des LSB bekannt wurde, steigt die Förderung des Leistungssports von 146 000 auf 241 000 Euro. Enthalten sind 50 000 Euro für das Haus der Athleten, das derzeit in Planung ist. LSB-Präsident Vroom bemängelte allerdings, dass die Fördersumme von 107 500 Euro für Bremer Nachwuchsathleten seit 2008 nicht erhöht worden sei. Ob der Aktionsplan auch hier eine Erhöhung vorsieht, wird nicht ersichtlich, überhaupt werden Zahlen in dem Antrag nicht aufgeführt.

Im Mittelpunkt des Antrags stehen für Quante-Brandt aber auch die Erhöhung der Übungsleiterpauschale sowie ein klarer Fahrplan für die Sportstättensanierung. „Ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Strukturen schaffen können, um die Sportstätten in einem überschaubaren Zeitfenster zu sanieren“, sagt sie. „Die Gelder müssen auch nicht im Sporthaushalt veranschlagt werden, sondern können auch im Finanzhaushalt abgebildet werden.“ Gleichzeitig wirbt sie für einen Fonds, aus dem Kleinreparaturen bezahlt werden könnten. „Es geht darum, unbürokratisch dafür zu sorgen, dass die Hallennutzung für Sportlerinnen nicht durch Kleinkram blockiert wird.“

Aus der Opposition kommen Lob und Kritik für den Antrag. „Es ist dringend an der Zeit, dass der Sanierungsstau in den Sporthallen endlich strukturell angegangen und priorisiert wird“, sagt Birgit Bergmann, sportpolitische Sprecherin der FDP und Vorsitzende der Sportdeputation. Aber wer sich zum Spitzensport bekenne und Werder in der aktuellen Situation Steine in den Weg lege, der widerspräche sich selbst. Bergmann fragt sich: „Warum machen sie nicht einfach und lehnen alle Ideen der Opposition ab? Warum gibt es keine Entscheidungen, sondern schon wieder nur eine Konzepterstellung?“

Auch Andreas Vroom spart nicht mit Kritik. „Wir wollen nicht nur schöne Worte. Wenn die Fraktionen den Antrag ernst nehmen, können sie den Sporthaushalt noch gezielt aufbessern.“ Den hatten LSB und weitere Bremer Sportfunktionäre zuletzt als Mogelpackung bezeichnet, weil der Haushalt zwar erhöht wurde, das meiste Geld aber zweckgebunden sei für die Sanierung von Bremer Schwimmbädern.

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