Derbysieger triumphiert beim Großen Preis

Amateur zeigt es den Profis in Oberneuland

Christian Glienewinkel triumphiert beim Großen Preis in Oberneuland. Der 31-jährige Amateur unter den Springreiterprofis ritt mit seinem Hannoveraner Wallach am schnellsten und gewann das S-Springen.
30.05.2016, 00:00
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Amateur zeigt es den Profis in Oberneuland

Springturnier beim RC-Rosenbusch der Familie Forkert, Großen Preis von Bremen-Oberneuland - Gewinner der Springprfg. Kl. S ist Christian Glienewinkel mit Professional Aircare.

Frank Thomas Koch

Christian Glienewinkel triumphiert beim Großen Preis in Oberneuland. Der 31-jährige Amateur unter den Springreiterprofis ritt mit seinem Hannoveraner Wallach am schnellsten und gewann das S-Springen.

Thomas Voß hatte alle Zeit der Welt. Er war der letzte von vier Springreitern, der noch im Stechen um den Großen Preis von Bremen-Oberneuland antreten musste. Alle drei Reiter vor ihm hatten gepatzt. Also musste Thomas Voß nur fehlerfrei bleiben – und der Sieg im wichtigsten Springen des viertägigen Turniers wäre ihm sicher gewesen.

Aber der 58-Jährige zeigte Nerven und patzte gleich zweimal. Am Ende landete er auf Rang vier mit acht Strafpunkten und der langsamsten Zeit im Stechen. Freuen durfte sich dagegen Christian Glienewinkel. Dem 31-jährigen Amateur unter den Springreiterprofis unterlief mit seinem Hannoveraner Wallach Professional Aircare zwar auch ein Abwurf, doch ritt er mit 44,38 Sekunden am schnellsten und gewann das S-Springen vor Dieter Smitz (4/50.61) und Markus Beerbaum (8/45.93).

„Ich wäre nicht mal bei null Fehlern davon ausgegangen, dass ich hier gewinne, weil mein Pferd nicht das Schnellste ist“, freute sich Glienewinkel über seinen Erfolg. Der Sieg in Bremen ist für ihn eine gelungene Generalprobe: Er startet am nächsten Wochenende das erste Mal bei den Deutschen Meisterschaften in Balve.

Christian Glienewinkel gehörte schon im Vorfeld zu den Mitfavoriten in Oberneuland. Spätestens nach seinem Sieg beim Hamburger Derby 2015 wird sein Name hoch gehandelt. Schließlich hatte der 31-Jährige aus Celle den Profis gezeigt, wozu ein Amateur fähig ist. Vormittags arbeitet Christian Glienewinkel als Pflegedienstleiter im Altenheim seiner Eltern, nachmittags geht es auf seinen kleinen Hof, wo er sich um seine zehn Pferde kümmert. Das erfolgreichste davon heißt Professional Aircare, der Derbysieger des vergangenen Jahres, und der Garant für den Sieg am Sonntag. Aus den Händen von Stifterin Ulrike Bergmann durfte Glienewinkel Siegertrophäe und Scheck entgegen nehmen.

Drückten dem Ehemann und Vater die Daumen: Meredith Michaels-Beerbaum und Tochter Brianne.

Drückten dem Ehemann und Vater die Daumen: Meredith Michaels-Beerbaum und Tochter Brianne.

Foto: Frank Thomas Koch

Dass nur vier Reiter überhaupt ins Stechen kamen, lag zum einen am anspruchsvollen Parcours, der den Startern alles abverlangte, aber auch an den schwierigen Bodenverhältnissen. Das Wetter hatte sich am Sonntag dabei noch gnädig gezeigt, indem es pünktlich zum Start des Großen Preises aufhörte zu regnen. Aber die vorausgegangenen Schauer hatten den Boden tief werden lassen. „Wegen des Regens vorher war ich skeptisch, aber die Platzverhältnisse waren dennoch gut“, meinte Glienewinkel. „Man merkt, dass sich hier beim Turnier viel Mühe gegeben wird.“

Dennoch verzichteten einige Reiter auf einen Start, so dass sich das Teilnehmerfeld von ursprünglich 60 auf 31 reduzierte. Immerhin – es war trotz der Absage von Vorjahressiegerin Mynou Diedrichsmeyer sowie des Siegers von 2014, Carsten-Otto Nagel – noch immer ein Springreiterfeld mit klangvollen Namen. So hatte auch der ehemalige Nationenpreis-Reiter Markus Beerbaum alles in der Hand, um zu gewinnen. Er hatte anlässlich der schweren Hauptprüfung das Pferd gewechselt und war schließlich mit Comanche angetreten, der vornehmlich von seiner Ehefrau Meredith Michaels-Beerbaum geritten wird. Und es lief hervorragend mit dem zehnjährigen Schimmel. Mit einem souveränen Ritt meisterte der 45-Jährige aus Thedinghausen erstklassig den Parcours und qualifizierte sich fürs anschließende Stechen.

Auch dort sah es zunächst gut aus, aber dann unterliefen ihm zwei leichte Fehler, die einen möglichen Sieg zunichte machten. „Ich bin ein wenig enttäuscht, weil ich im Stechen nicht gut geritten bin“, sagte der Mannschaftsweltmeister von 1998. „Die Feinabstimmung hat gefehlt“, meinte Beerbaum. Immerhin für Platz drei hat es dann ja doch noch gereicht.

Gastgeber Hergen Forkert startete gleich mit zwei Pferden bei seinem Heimturnier. Vor allem mit Con Color sah es zunächst so aus, als ob Forkert sich als letzter Starter noch fürs Stechen qualifizieren könnte. Aber ein leichter Fehler am Ende des Durchgangs verhinderte dies. Forkert nahm es gelassen. „Er ist trotzdem toll gesprungen.“

Trotz des schlechten Wetters am Sonntagvormittag kamen dennoch rund tausend Zuschauer zum Großen Preis nach Oberneuland. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagte Veranstalter Hergen Forkert. „Wir sind rundum zufrieden. Vor allem der Samstag mit dem Speed Derby wurde sehr gut angenommen“, resümierte Mitveranstalter Marten Forkert. Richtig beliebt ist das nationale Springturnier des RC Rosenbusch Oberneuland auch bei den Aktiven selbst. „Es ist eben ein Turnier von Reitern für Reiter“, meinte Sieger Glienewinkel. „Das merkt man. Die Bedingungen sind perfekt.“

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