Mentaltraining

Was man nicht im Kopf hat . . .

Auch in Bremen arbeiten etliche Vereine und Athleten mit dem Achimer Mentaltrainer Stefan Kloppe zusammen. Der früherer Handball-Nationalspieler hat besonders im Blick, was Sportler blockieren könnte, sagt er.
05.08.2020, 14:12
Lesedauer: 4 Min
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Was man nicht im Kopf hat . . .
Von Olaf Dorow
Was man nicht im Kopf hat . . .

Über Stefan Kloppe aus Achim ließe sich sagen: Er arbeitet mit dem Kopf für den Kopf. Der Mentalcoach war einst Handball-Nationalspieler und hat nicht nur mit Handballprofis oder der deutschen Handball-Nationalmannschaft zusammengearbeitet. Auch Bremer Vereine und Sportler gehören zu seinen Kunden.

Frank Thomas Koch

Es soll mal einen Mönch gegeben haben, den sollte man vielleicht nicht gleich den Einstein des Mentaltrainings nennen. Ein bisschen in die Richtung darf man aber wohl denken. Jedenfalls soll dieser Mann so eine Art Urformel ersonnen haben, die das ganze Mentaltrainingsuniversum ganz gut erfasst. Zumindest, wenn dieses Universum so verstanden wird, dass es in ihm primär darum geht, etwas festzustellen und dann zu verbessern. L = P - S. So soll in der Definition des Mönches jene Formel gelautet haben. Leistung ist gleich Potenzial minus Störfaktoren.

Es handelt sich um den Achimer Mentalcoach Stefan Kloppe, der das mit dem Mönch erzählt. Kloppe hat einen Namen in seinem Metier, er sei schon seit 15 Jahren im Coaching, erzählt er. Wenn er die Story mit dem Mönch einstreut, klingt es nicht nach Märchenstunde. Es klingt sowiesot nicht nach Märchenstunde, wenn er von seiner Laufbahn, seinem Metier, seinen Klienten erzählt. Obwohl dem Mentalcoaching, zumindest wohl an einigen Stamm- oder Küchentischen, noch immer dieser Touch von etwas Waberigem anhaftet. Von etwas schwer Mess- und Greifbarem. Ein bisschen von Märchenstunde halt.

Stefan Kloppe ist eine Art Gegenbeweis für dieses Waber-Klischee. Er arbeitet, als Selbständiger mit einem Assistententeam um sich herum, erfolgreich mit seiner Kundschaft aus Sport und Wirtschaft zusammen. Etliche Bremer Vereine oder Athleten sind an ihn herangetreten. Handballvereine, Golfklubs oder Hockeyklubs wie der ambitionierte Bremer HC, dessen Marschrichtung erste Bundesliga heißt. „Immer mehr Trainer sind offen für diesen Faktor“, bestätigt Stefan Kloppe. Er sei 2013 Mental- und Kinetik-Trainer der deutschen Handball-Nationalmannschaft gewesen, die bei der WM Fünfter wurde und im Viertelfinale dem Gastgeber und späteren Weltmeister Spanien kräftig zusetzte. Kloppe hat mit etlichen Handball-Nationalspielern gearbeitet. Und zwar als jemand, der selbst einer war. Kein zigfacher, aber immerhin ein vierfacher. 2002 war er dabei, als der SC Magdeburg die Champions League gewann.

Kernwort Zielkarheit

Die Zusammenarbeit zwischen dem gewesenen und den nachfolgenden Nationalspielern braucht man sich nicht so vorstellen, dass da jemand von früher erzählt. Stefan Kloppe, mittlerweile 38, sagt: „Ich will, dass sie es besser hinbekommen als ich früher.“ Er hatte schon früh, „viel zu früh“, wie er sagt, aufhören müssen. Zu viele Verletzungen, zu viele Selbstzweifel, zu viele negative Gedanken. Lass die negativen Gedanken nicht gewinnen – das zählt inzwischen zu seiner Philosophie im Coaching. Hört sich einfach an, aber jeder Sportler darf sich ja mal selbst fragen, wie das bei ihm eigentlich so ist. „Ich unterstütze Sportler in dem Versuch, die beste Version hinzukriegen, die sie sein können“, sagt er.

Ein Kernwort sei dabei: Zielklarheit. Wenn es die gibt, dann sei das schon die halbe Miete, würden Mentaltrainer sagen. Sportler würden eigentlich immer aus zwei Gründen kommen. Entweder läuft es nicht, und sie wissen nicht so recht, warum. Oder es läuft ganz okay, aber es gibt diese Wahrnehmung, dass das noch nicht das Limit ist. An dieser Stelle könnte man ganz gut an die Formel des Mönches erinnern. Was sind die Störfaktoren, die auf das eigentlich vorhandene Potenzial drücken? Stefan Kloppe sagt, er sei inzwischen ganz gut darin, die Störfaktoren herauszufiltern und zu bearbeiten. Vielfältig könnten sie sein. Der Mentalexperte erzählt von einem Handballprofi, der unsicher war, ein Vertragsangebot zu unterschreiben. Als sensibler Punkt stellte sich schließlich heraus, dass zu viele Grübeleien um die Frage kreisten, warum der Trainer ihn nicht zum Kapitän gemacht hat. Kloppe ermutigte den Spieler, mit dem Trainer offensiv darüber zu sprechen. In den beiden folgenden Spielen habe Kloppes Klient jeweils 15 Tore geworfen. Blockade gelöst, wie man in solchen Fällen gerne sagt.

35 Interviews für ein Format

Stefan Kloppe sagt, er sei stolz darauf, wie sich das in seiner Karriere nach der Sportkarriere entwickelt hat. Er findet sogar, dass sein beruflicher Weg noch erfolgreicher ist als jener, den er als Handballer gegangen war. Der war für ihn, geboren in Finsterwalde, schon bald nach seiner Zeit in Magdeburg zu Ende. Er landete nach Stationen in Lübbecke und Hildesheim beim damaligen Zweitligisten in Achim. Und begann ein duales Studium. Mit den beiden Säulen Gesundheitsmanagement und Fitnessstudio. Motiv: mehr über die vermaledeiten Verletzungen herausfinden und wieder fit werden. Er wurde nicht mehr fit genug fürs Handballparkett. Aber immer fitter fürs Coaching. Zunächst im Fitnessbereich, schon bald kam der mentale Bereich und eine Ausbildung in Life Kinetik hinzu. Das Netzwerk wuchs, die Anfragen nahmen zu. Step by Step, könnte man neudeutsch sagen.

Der neueste Step: Er versucht, ein neues Format aufzubauen. Mit Trainingsvideos, Audios, Hausaufgaben, Anleitungen, Livecoaching. Dafür habe er 35 Interviews mit Sportlern aus verschiedensten Bereichen und Leistungsklassen geführt. Was ist die größte Herausforderung? Was wäre der Idealzustand? Was fehlt? Was wurde warum noch nicht probiert? Fragen wie diese. Überschrift des Formats: Step by Step zur Siegermentalität.

Info

Zur Sache

Training fürs Gehirn

Life Kinetik wird zumeist als ein Gehirntraining mit Bewegung verstanden. Dabei gehe es gerade nicht darum, sagt Mentaltrainer Stefan Kloppe, eine bestimmte Übung perfekt und quasi wie automatisiert zu beherrschen. Stattdessen ginge es darum, das Gehirn permanent neu zu fordern und so die Bildung neuer Synapsen zu fördern. Beispiel: Wem das Jonglieren mit drei Bällen schon halbwegs gelingt, bekäme vom Kinetik-Trainer in diesem noch längst nicht perfekten Stadium den vierten Ball. Statt mit drei Bällen so lange weiter zu üben, bis es sitzt und nie mehr ein Ball herunterfällt. Das Gehirn wird sozusagen nicht in Ruhe gelassen.

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