Handball-Oberliga der Männer ATSV Habenhausen im Klammergriff der Konkurrenz

Nach der Niederlage in Achim haben die Bremer vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter TV Cloppenburg. Elf Spieltage vor Saisonende ist der Drittliga-Aufstieg ohne Schützenhilfe anderer Teams nicht mehr möglich.
29.01.2020, 18:18
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ATSV Habenhausen im Klammergriff der Konkurrenz
Von Jörg Niemeyer

Mit ein paar Tagen Abstand zur Niederlage hatte sich die Erregung bei Matthias Ruckh gelegt. In den letzten Sekunden der Partie bei der SG Achim/Baden hatte sich der Bremer Handball-Oberligist von den Schiedsrichtern benachteiligt gefühlt und der ATSV-Trainer Protest angekündigt. Inzwischen nehmen die Habenhauser davon Abstand, sodass das 24:25 seine Gültigkeit behalten wird. Und damit auch die Tatsache, dass die Habenhauser (24:6 Punkte) im Kampf um die Meisterschaft und den Aufstieg in die 3. Liga jetzt zwei Niederlagen mehr aufweisen als Spitzenreiter TV Cloppenburg (26:2).

„Von der Grundeinstellung hat sich nicht viel verändert“, sagt Matthias Ruckh, „wir dürfen uns keinen Fehltritt mehr leisten.“ Eigentlich hatte das für den ATSV auch vor dem Spiel in Achim gegolten, aber am vergangenen Sonnabend hat sich doch Wesentliches getan: Die Habenhauser können ab sofort aus eigener Kraft nicht mehr Meister werden.

Vorausgesetzt, dass der ATSV tatsächlich alle elf noch ausstehenden Partien gewinnt – darunter auch das Topspiel am 21. März beim TV Cloppenburg –, ist Platz eins für ihn nur möglich, wenn der Tabellenführer wenigstens noch ein weiteres Spiel verliert. Eine Konstellation also, die den Verfolger letztlich auch zum Außenseiter macht. Denn im Gegensatz zur Lage beim ATSV hat sich die gelegentlich gezeigte Schwäche beim TVC zumindest nicht in Punktverlusten niedergeschlagen. Nur beim 27:33 im Hinspiel in Habenhausen mussten sich die Cloppenburger geschlagen geben.

Der jüngste Rückschlag im Kampf um den Wiederaufstieg in die 3. Liga wirft die Habenhauser nun aber nicht aus der Bahn. Teammanager Thomas Hasselmann und Matthias Ruckh bewahren die Ruhe, zumal der Drei-Jahres-Plan des Vereins das Erreichen des Ziels bis 2021 vorsieht. „Solche Rückschläge muss man bei so einem Projekt leider mit einplanen“, sagt der Trainer. Er hat sich das Video vom 24:25 in Achim zweimal angesehen und seine Spieler schon am Montagabend ins Gebet genommen. „Wenn es mal nicht so gut läuft, müssen wir uns auch mal in eine Partie reinkämpfen. Da waren wir am Sonnabend nachlässig.“ Übersetzt heißt das: Die Einstellung der Akteure ist noch zu verbessern.

Probleme haben die Habenhauser aktuell auch in der Defensive. Da Abwehrchef Fabian Rojahn wegen seines Nasenbeinbruchs möglicherweise noch bis Ende Februar fehlen wird, ist Matthias Ruckh zum Umbau dieses Mannschaftsteils gezwungen. Eile ist dabei geboten, denn nach einem spielfreien Wochenende muss der ATSV am 8. Februar beim TuS Rotenburg antreten. Eine äußerst unangenehme Aufgabe, weil die von Handballern so geliebte „Backe“, also das klebrige Harz als Haftmittel für die Hände, in der dortigen Halle verboten ist. Das ist ein ernst zunehmender Vorteil für die Rotenburger, die ihre bisherigen elf Punkte ausnahmslos in eigener Halle holten. „In Rotenburg ein Spiel zu gewinnen, ist ohne Backe nicht über den Angriff, sondern nur über eine stabile Abwehr möglich“, sagt Matthias Ruckh. Da ist das Fehlen von Fabian Rojahn schon mal ein großes Manko. Und es muss sich zeigen, ob die zweite Abwehrsäule des ATSV, Björn Wähmann, seine Rückenprobleme bis dahin überwunden hat.

Auch wenn an der Spitze der Oberliga derzeit alles für Cloppenburg und gegen Habenhausen spricht, verfolgen die Bremer ihr Ziel weiterhin konsequent. Dem Hauptproblem, dem zu schmal besetzten Kader, sind Hasselmann und Ruckh schon zu Leibe gerückt. „Wir sind jetzt bei einem Kern von zwölf Spielern, die wir langfristig an uns gebunden haben“, sagt der Trainer. Die personellen Planungen seien weit gediehen – ob nun für eine weitere Oberliga-Spielzeit oder schon die 3. Liga. Nach Verstärkungen, so Matthias Ruckh, schaue sich der Verein trotzdem weiter um.

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Zur Sache

Elf Endspiele für den ATSV

Matthias Ruckh gibt sich kämpferisch. „Der Druck liegt bei uns“, sagt der Trainer des Handball-Oberligisten ATSV Habenhausen, sieht die Aufstiegschancen seines Teams trotz des Vier-Punkte-Rückstands auf den TV Cloppenburg aber immer noch bei 50:50. Allerdings ist das Restprogramm des ATSV sehr schwer. Elf Spiele sind es noch, darunter Partien in Rotenburg, in Fredenbeck und in Cloppenburg. Ohne die Schützenhilfe mindestens eines anderen Vereins kann der ATSV den Sprung nach ganz oben ohnehin nicht mehr schaffen. Kleiner Trost: Gewinnt das Team auch das zweite Duell mit Cloppenburg, hat es im direkten Vergleich der Topteams die Nase vorn. Und der würde bei Punktgleichheit letztlich entscheiden.

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