Regionalverbände attackieren den DFB

Auch Bremen unterstützt den Protestbrief

Das gibt es auch nicht alle Tagen: Mit einem deftigen Schreiben protestieren verschiedene Regional- und Landesverbände gegen das unsäglich Treiben in der DFB-Spitze. Auch in Bremen schaut man genau hin.
20.04.2021, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Auch Bremen unterstützt den Protestbrief
Von Jean-Julien Beer
Auch Bremen unterstützt den Protestbrief

Noch im Amt, aber sehr umstritten: DFB-Präsident Fritz Keller.

dpa

Zwischen Bremen und der Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Frankfurt liegen rund 470 Kilometer. Immer mehr Amateurfußballer entlang der Weser glauben inzwischen aber, dass mindestens ein Universum zwischen ihnen und der Verbandsspitze liegt. Mal fährt in Frankfurt die Staatsanwaltschaft vor, mal die Steuerfahndung. Mal streiten sich DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius um Zuständigkeiten, mal um den Verrat von Geheimnissen. In immer mehr Streitfragen in der DFB-Führung scheint es vor allem um Macht und Eitelkeiten zu gehen. Mit den Problemen an der Basis hat das schon lange nicht viel zu tun: Während die Amateurvereine in der Pandemie ums Überleben kämpfen und nicht mehr wissen, wann ihre vielen Jugend- und Hobbyfußballer überhaupt mal wieder trainieren können, brauchen sie nicht Hilfe suchend nach Frankfurt zu blicken. Dort geht es dem Anschein nach vor allem um Intrigen und Affären.

Deshalb verwundert es nicht, dass mehrere Landes- und Regionalverbände einen heftigen Protestbrief verfasst haben, mit dem die entrückte DFB-Führung unter Druck gesetzt werden soll. Nach Informationen des WESER-KURIER soll auch der Bremer Fußball-Verband (BFV) zu den Verfassern gehören. Das braucht in Frankfurt niemanden zu überraschen, schließlich hatte BFV-Präsident Björn Fecker schon im Februar im Interview mit unserer Zeitung deutliche Worte gefunden. Damals sagte Fecker: „Das Außenbild des DFB war fatal in den letzten Monaten. An der Basis, sowohl in den Vereinen als auch bei vielen im BFV, ist der Eindruck entstanden, dass es beim DFB erst mal um die eigene Position und weniger um die Sacharbeit ging.“

Das und noch mehr steht nun auch in dem Positionspapier der Basis an das DFB-Präsidium. Die Regional- und Landesverbände beklagen nicht nur den „desolaten Zustand“ des DFB, sondern nennen auch die Hausdurchsuchungen und Ermittlungsverfahren gegen Spitzenfunktionäre sowie die persönlichen Differenzen. Damit, so heißt es in dem Schreiben, schade die DFB-Spitze dem gesamten deutschen Fußball bis hinunter auf Kreisebene. Eine Zusammenarbeit zwischen Präsident Keller, Generalsekretär Curtius, dem Schatzmeister Stephan Osnabrügge sowie Vize-Präsident Rainer Koch sei „in der aktuellen Konstellation undenkbar“.

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Wer will, kann das als Aufforderung zum Rücktritt verstehen und damit als Rebellion der regionalen Basisverbände. Nicht alle Unterstützer des Protestbriefes meinen das aber auch so klar. Die deutlichen Formulierungen, so heißt es in einigen Landesverbänden, könne man auch als dunkelgelbe Karte verstehen, als allerletzte Verwarnung, den Laden endlich in den Griff zu bekommen. Dennoch: Die Zukunft der DFB-Führung sehen auch viele Funktionäre auf regionaler Ebene düster. Ihre Sorge ist, dass nichts in der Frankfurter Zentrale durch einen Rücktritt von Keller oder Curtius besser würde. Dann käme doch einfach der Nächste, heißt es - vielleicht wieder ahnungslos, vielleicht erneut skrupellos. Und die Probleme würden von vorne beginnen. Eine bedrückende Perspektive in Zeiten, in denen nicht nur die Pandemie herausfordernd ist, sondern auch die geplante Super-League europäischer Spitzenteams, der anstehende Trainerwechsel beim Nationalteam oder die umstrittene Weltmeisterschaft im kommenden Jahr in Katar einen gut funktionierenden DFB erfordern würden. Die einflussreichen Regional- und Landesfürsten sind zunehmend dafür, die Zuständigkeiten an der DFB-Spitze grundsätzlich noch einmal neu zu strukturieren, um weitere Machtkämpfe zu vermeiden.

Der Präsident des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV), Hermann Winkler, fordert eine bessere Führungskultur der DFB-Spitze und sagt: „Die Streitereien müssen endlich aufhören.“ Der Bremer Verband schweigt dazu, zumindest noch. Am Donnerstag gibt es eine Konferenz der Präsidenten der Regional- und Landesverbände in Frankfurt, dort ist Fecker vor Ort. Am Freitag tagt das Präsidium.

Björn Fecker - Bremer Fußball-Verband

Björn Fecker, Präsident des Bremer Fußballverbandes.

Foto: Christina Kuhaupt

Das Verhältnis zwischen dem DFB und Bremen ist ohnehin seit Jahren angespannt. Das gilt für den SV Werder und auch für den Senat. Dafür sorgten nicht zuletzt die Diskussionen um Polizeikosten und der Verzicht auf Länderspiele im Weserstadion, was eine Bestrafung der Bremer durch die DFB-Spitze war. Auch in Werders Vereinsführung verfolgt man das Gegeneinander beim DFB mit Interesse: Aufsichtsrats-Chef Marco Bode hat durch seine Nationalmannschaftskarriere ein hohes Standing in der Branche, auch sein Name fiel als möglicher Kandidat für das Amt des DFB-Präsidenten, bevor der umtriebige, aber nicht immer gut informierte Freiburger Winzer Keller ins Amt gehoben wurde. Im Gespräch mit dem WESER-KURIER sagte Bode schon im November sehr offen, dass er zwar gerne Aufsichtsrat bei Werder sei, „aber es ist kein Geheimnis, dass mich die gesamte Fußballbranche interessiert. Ich denke, der DFB hat in den vergangenen Jahren viele Dinge nicht gut gemacht und ist dafür zu Recht kritisiert worden. Wir brauchen im Fußball aber einen funktionierenden DFB. Ich bin immer bereit, wenn gewünscht, mit darüber nachzudenken, wie man die Dinge dort positiv gestalten kann. Ich hoffe nicht, dass der DFB durch die jüngsten Vorfälle weiter an Rückhalt verliert.“

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