Tischtennis-Champions-League Außenseiter gegen Titelaspirant

Bremen. Werder Bremen und Borussia Düsseldorf treffen sich 2012/13 rekordverdächtig oft. Nach drei Partien im deutschen Pokalwettbewerb und in der Bundesliga folgen in der Tischtennis-Champions-League nun die Begegnungen vier und fünf.
02.02.2013, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Außenseiter gegen Titelaspirant
Von Jörg Niemeyer

Fünf Duelle in einer Saison: Der SV Werder Bremen und Borussia Düsseldorf treffen sich 2012/13 rekordverdächtig oft. Nach drei Partien im deutschen Pokalwettbewerb und in der Bundesliga folgen in der Tischtennis-Champions-League nun die Begegnungen vier und fünf: morgen um 15 Uhr in Bremen und kommenden Freitag das Rückspiel in Düsseldorf.

Bremen. Als größenwahnsinnig möchte Sascha Greber nicht dargestellt werden. "Wie hört sich das an, wenn ich sagen würde: Wir müssen 3:1 gewinnen?" Der Teamchef des Tischtennis-Bundesligisten SV Werder Bremen weiß: Das würde vermessen klingen. Hier der im Fußball zwar renommierte, im Tischtennis jedoch noch titellose Außenseiter von der Weser – und dort der erfolgreichste deutsche Tischtennis-Klub vom Rhein, der in seiner Chronik 60 nationale und internationale Titel auflistet.

Werder gegen Deutschland: So könnte das anstehende Duell in der Champions League auch überschrieben sein, stellt die Borussia aus Düsseldorf mit Timo Boll (Weltranglistenplatz/WRL 5), Patrick Baum (WRL 33) und Christian Süß (WRL 34) doch gleich drei Mitglieder der deutschen Nationalmannschaft. Da klingt es nicht nach falscher Bescheidenheit, wenn Sascha Greber die Favoritenrolle dem Gegner zuschiebt. Aber chancenlos, das zeigten die Vergleiche in dieser Saison, sind die Werderaner deshalb noch lange nicht. Die Bilanz: 3:1 und 2:3 in den Bundesliga-Partien und 1:3 im deutschen Pokal-Halbfinale.

Beim 3:1-Erfolg der Bremer am zweiten Spieltag hatten die Düsseldorfer zwar auf Timo Boll verzichtet. Doch auch in den beiden Spielen, in denen der seit vielen Jahren stärkste Europäer mitwirkte, besaß Werder Chancen. Mit Chuang Chih-Yuan (WRL 7) und Adrian Crisan (WRL 18) haben die Bremer ebenfalls absolute Spitzenspieler im Aufgebot, die an guten Tagen einem Timo Boll gefährlich werden. Crisan zerstörte bei den Olympischen Spielen 2012 in London Bolls Traum von einer Einzelmedaille, Chuang bezwang den deutschen Ausnahmeakteur Anfang Januar beim 2:3 in der Liga gerade erst mit 3:0 Sätzen. "Chuang Chih-Yuan und Adrian Crisan können gegen jeden unserer Spieler gewinnen", weiß denn auch Düsseldorfs Manager Andreas Preuß um die Schwere der Aufgabe.

"Wir müssen am Sonntag mit 1:0 in Führung gehen und dann den Druck hochhalten", sagt Sascha Greber. In Heimspielen bestreitet die Nummer eins der Gastgeber stets das erste Spiel gegen die Nummer zwei der Gäste – so gesehen muss der Wunsch Sascha Grebers kein Traum bleiben. Andererseits: Verliert Werder das Auftaktmatch, wird es noch schwerer mit einer Überraschung. So oder so fällt die Entscheidung jedoch erst am kommenden Freitag im Rückspiel in Düsseldorf.

Klar ist aber auch: Werder erreicht mit dem Einzug ins Champions-League-Viertelfinale den vorläufigen Höhepunkt einer großartigen Entwicklung. Während die Runde der letzten Acht für die Düsseldorfer nach ihren drei Triumphen in der Königsklasse (2009 bis 2011) nur Durchgangsstation auf dem Weg zum vierten Titel sein soll, haben die Schützlinge von Trainer Cristian Tamas als Außenseiter nichts zu verlieren. Zudem bewies Chuang Chih-Yuan am vergangenen Wochenende mit Platz drei bei den Austrian Open gute Form. Seit Montag bereitet er sich mit Crisan, Constantin Cioti und Paul Drinkhall intensiv aufs morgige Spiel vor. Videoaufzeichnungen wurden studiert, Düsseldorfs Linkshänder Timo Boll und Patrick Baum durch Trainingspartner simuliert. Den Ausschlag muss morgen die Tagesform geben.

"Wir wissen, wie wir aufstellen", sagt Sascha Greber, will Namen aber nicht preisgeben. Der Aufstellungspoker gehört im Tischtennis inzwischen zum Alltag. Chuang und Crisan gelten als gesetzt, Werders Nummer drei aber ist offen. Dass die Borussia morgen wie im Bundesliga-Hinspiel auf Timo Boll verzichtet, glaubt Greber nicht. "Das kann ich mir in diesem Wettbewerb nicht vorstellen." Seine Mannschaft, das verspricht er, werde alles geben, um dem Favoriten ein Bein zu stellen. Wer als Zuschauer dabei sein möchte, kann morgen an der Tageskasse in der Halle Hermine-Berthold-Straße noch Karten erwerben.

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