Vereinsverschmelzung im Bremer Osten

Bei OT müssen es nun Andere richten

Nach der zum zweiten Mal gescheiterten Abstimmung sucht der Verein jetzt händeringend nach einem neuen Vorstand. Die Vorsitzende Ute Brunzel wird aufhören und vorher notfalls noch einen Notvorstand bestellen.
09.03.2020, 19:11
Lesedauer: 4 Min
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Bei OT müssen es nun Andere richten
Von Jörg Niemeyer
Bei OT müssen es nun Andere richten

Dem TSV Osterholz-Tenever droht ein Notvorstand.

Franz Berding

Nach der zum zweiten Mal verlorenen Abstimmung hatte sich Ute Brunzel für das Wochenende erst einmal selbst ein öffentliches Redeverbot erteilt. Am Montag äußerte sich die Vorsitzende des TSV Osterholz-Tenever (OT Bremen) über die erneut gescheiterte Verschmelzung ihres Vereins mit der SG Arbergen-Mahndorf zur geplanten Sportgemeinschaft SG Bremen-Ost (SGBO). „Ich hatte es gesagt: Es wird ein Kampf um jede Stimme“, sagte sie nun, „und so ist es gekommen.“ Mit dem Ergebnis, dass den Befürwortern der Verschmelzung in diesem Kampf genau 15 Stimmen fehlen sollten (wir berichteten).

„Die Befürworter haben es zu leicht genommen“, sagte Ute Brunzel. Damit meinte sie, dass die knapp 300 Mitglieder, die sich im Januar per Unterschrift für eine zweite Abstimmung stark gemacht hatten, am Freitag nicht vollzählig in der Halle Schevemoor erschienen waren. Zur Erklärung: Ein Passus in der Satzung von OT sorgte dafür, dass die Verschmelzung zur SG Bremen-Ost zum zweiten Mal Gegenstand einer außerordentlichen Mitgliederversammlung werden musste, wenn – die einzige Voraussetzung – mindestens ein Zehntel der Vereinsmitglieder sich zuvor dafür ausgesprochen hatten. Diese Bedingung war im Januar erfüllt.

Wie schon im November, zogen die Befürworter am Freitag trotz einer klaren Mehrheit den Kürzeren. 71,08 Prozent oder 263 Anwesende hatten mit Ja gestimmt – zu wenig, um die erforderliche Drei-Viertel-Mehrheit zu erreichen. Das Resultat ließ vor Ort bei einigen Gegnern der Verschmelzung die Sektkorken knallen und stieß bei anderen durchaus auf Verwunderung. „Das ist überraschend“, sagte Dieter Weickert. Der Leiter der Tischtennis-Abteilung mit ihren 68 Mitgliedern war und ist gegen die Verschmelzung, hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie ein zweites Mal scheitern würde. „Die große Herausforderung ist jetzt, einen neuen Vereinsvorstand zu finden“, sagte er.

OT droht ein Notvorstand

OT wird sich nun mit Hochdruck um einen neuen Vorstand kümmern müssen. Denn Ute Brunzel hatte schon Ende vergangenen Jahres angekündigt, dass sie nur dann für OT weiterarbeiten wolle, wenn es zur Verschmelzung komme. Wenn nicht, werde sie – wahrscheinlich für April – zu einer ordentlichen Mitgliederversammlung des Klubs einladen und sich dann verabschieden. „Nach wie vor wäre die schlechteste Lösung für den Verein, dass wir einen Notvorstand bestellen müssten“, sagte die Vorsitzende am Montag. Diesen Schritt werde sie selbst aber einleiten, falls sich in den kommenden Wochen für sie und den geschäftsführenden Vorstand keine Nachfolger finden lassen.

Vielleicht kommt OT schon an diesem Mittwoch einen Schritt voran. Dann steht die nächste Sitzung des Vereinsbeirats an, in dem die Abteilungsleiter sitzen. Die Klubchefin wird noch einmal dabei sein. „Ich möchte mein Amt geordnet übergeben – und dann in Ruhe gelassen werden“, sagte Ute Brunzel. Sie war froh, dass die Versammlung am Freitag, an der Pressevertreter nicht teilnehmen durften, gesitteter verlief als die im November. „Diesmal verlief der Abend ruhig und sachlich“, bestätigte Dieter Weickert.

Für einigen Wirbel hatte Fusionsgegnerin Martina Fischer gesorgt, die vor der Versammlung in einem offenen Brief die Politiker des Osterholzer Beirats kritisiert hatte, weil die sich in einer einstimmigen Empfehlung für die Verschmelzung zur SG Bremen-Ost ausgesprochen hatten. Dieter Weickert glaubt, dass diese Erklärung des Beirats einige Ja-Stimmen gekostet und so mit zur Niederlage der Befürworter geführt haben könne. Kann sein, muss aber nicht. Auf jeden Fall hatte die Mehrheit der OT-Mitglieder am Freitag keinen Redebedarf mehr. Fragen zur Verschmelzung gab es nicht, dieser Tagesordnungspunkt war ohne Aussprache schnell abgehakt. Auch die zwei eingegangenen Anträge zur Versammlung waren rasch abgearbeitet, sodass die Abstimmung beginnen konnte.

Nur etwas mehr als 60 Minuten lagen zwischen Begrüßung und Verabschiedung, dann hatte OT als Verein sich zum zweiten Mal von der Idee einer Vereinsverschmelzung verabschiedet. Im November 2019 hatte der Vorstand der SG Arbergen-Mahndorf als erster von vier Klubs das notwendige Drei-Viertel-Votum seiner Mitglieder bekommen. Einige Tage später scheiterte der ATSV Sebaldsbrück an der 75-Prozent-Hürde, tags darauf dann OT. Als Vierter im Bunde wollte der TuS Vahr Teil der SG Bremen-Ost werden, er ließ seine Mitglieder allerdings gar nicht mehr abstimmen. „Die Verschmelzung hätte für uns keinen Mehrwert, wenn es bei OT in die Hose geht“, sagte Vahrs Vorsitzender Uwe Jacobs damals wie noch am vergangenen Dienstag.

TuS Vahr überlegt noch

Am kommenden Montag (16. März) steht die ordentliche Jahreshauptversammlung des TuS Vahr an. Punkt drei auf der Tagesordnung: Erklärung zur Verschmelzung und Abstimmung Verschmelzung. „Vielleicht lassen wir dann doch abstimmen“, sagte TuS-Vorsitzender Uwe Jacobs am Montag. Anders als nach der ersten gescheiterten OT-Abstimmung, räumen sich die Vahrer diesmal ein paar Tage Bedenkzeit ein, wie sie sich verhalten werden. Weiter wollte sich Uwe Jacobs zu diesem Thema jedoch nicht äußern.

OT-Vorsitzende Ute Brunzel hält es nicht für ausgeschlossen, dass ihr Verein buchstäblich vor einer Zerreißprobe steht. Es gebe Anzeichen dafür, dass sich die Mitglieder einiger Abteilungen anderen Klubs anschließen, sagte sie. Das betreffe kleine Sparten wie Volleyball, Prellball, Schach, Handball oder Basketball, für die es nicht leicht sei, ein Angebot aufrechtzuerhalten. Schließlich hatten sich auch deshalb die Vorstände der ursprünglich vier interessierten SGBO-Vereine fast zehn Jahre Gedanken über Veränderungen ihrer Vereinsstrukturen gemacht.

„Wir wollten mit der SG Bremen-Ost professionelle Strukturen haben“, sagte Ute Brunzel am Montag noch einmal, „vom Kaffeetisch aus ist OT jedenfalls nicht mehr zu führen.“ Spannend wird nun sein, ob sich bei OT in den kommenden Wochen genügend Mitglieder für die Vorstandsarbeit finden lassen. Klar sei, so Ute Brunzel, dass in den vergangenen Wochen einige Aufgaben liegengeblieben seien und in den kommenden Monaten viele gelöst werden müssen.

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