Gastkommentar über die Bedeutung des Sports

Bewegungsförderung ist Bildungsarbeit

Vielen Kindern fehlt die natürliche Freude an der Bewegung. Ein vitaler Körper ist aber eine wesentliche Voraussetzung für Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, schreibt unser Gastautor Andreas Vroom.
29.10.2019, 06:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Andreas Vroom
Bewegungsförderung ist Bildungsarbeit

Schüler in einer Grundschule beim Schulsport.

Uta Rademacher/dpa

Seit 33 Jahren stehe ich als Übungsleiter für Kinderturnen auf Sportanlagen. Neben dem klassischen Geräteturnen stehen Ballspiele und die Vorbereitung auf das Deutsche Sportabzeichen auf dem Programm. In aller Deutlichkeit: Die motorischen Fähigkeiten der Kinder haben sich massiv verschlechtert. Viele haben keine Idee von einem Purzelbaum, dem Werfen eines Balles, vom Rückwärtslaufen, vom Halten im Stütz, vom Balancieren über eine umgedrehte Bank oder vom beidbeinigen Abspringen. Das Ablegen der altersgerechten Sportabzeichen gelingt vereinzelt auch nach monatelangem Training nicht. Wenn wir endlich alle Fertigkeiten erarbeitet haben, folgt die bittere Erkenntnis: 50 Meter Schwimmen kann ich nicht.

Vielen Kindern fehlt die natürliche Freude an der Bewegung. Statt beim Stundenbeginn zu rennen, zu werfen oder zu bolzen, werden Computerspiele „nachgespielt“: peng, peng, peng! Viele Übungen werden nicht einmal versucht. Sobald sich der Puls etwas erhöht, wird nach einer Trinkpause verlangt. Alarm! Auf Bäume klettern, Gummitwist, Verstecken spielen, bolzen, Völkerball, Himmel und Hölle – all das war vorgestern.

Liebe Eltern, was eure Kinder hier in den ersten Lebensjahren verpassen, können die Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer und auch die Übungsleiter in den ehrenamtlich organisierten Sportvereinen nicht kompensieren. Es ist in der Breite auch nicht deren Aufgabe. Verschärft wird die Fehlentwicklung durch Personalmangel, unzureichende Qualifizierung, zu große Klassen und eine ungenügende Infrastruktur.

Das schlechte Abschneiden im IQB Bildungstrend für Deutsch und Mathematik ist eine völlig logische Konsequenz. Bewegungsförderung ist Bildungsarbeit. Trotz vieler tertiärer Arbeitsplätze ist ein vitaler Körper eine wesentliche Voraussetzung für Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit, insbesondere für einen dauerhaften Einsatz mit möglichst viel Lebensfreude. Neben der staatlichen Verantwortung für Bildung und Gesundheit bleibt die Eigenverantwortung der Menschen.

Bis zur geistigen Reife sind die Eltern für ihre Kinder, unsere nachfolgende Generation, verantwortlich. Gebt diese Verantwortung nicht an Fernseher, Computer, Handy oder Playstation ab. Kümmert euch um die Bewegungsfähigkeit und Bewegungsfreude mit allen positiven Auswirkungen für ein ganzes Leben und eine funktionsfähige Gesellschaft – als Eltern, als Rentenanwärter, als verantwortungsbewusste Mitbürgerinnen und Mitbürger.

Info

Zur Person

Unser Gastautor

ist ehrenamtlicher Präsident des Landessportbundes Bremen, begeisterter Sportler und Trainer, selbstständiger Kaufmann und Unternehmensberater.

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