Trainer mit klaren Vorstellungen „Ich bin kein Fan vom Dazwischen“

Björn Dreyer ist der neue Coach von Werders U 17 und lebt nach dem Motto „Ganz oder gar nicht“. Einst hat er gegen Toni Kroos und Thomas Müller gespielt, aber zu einer eigenen Spielerkarriere reichte es nicht.
18.09.2020, 05:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye

Er hatte vier Jahre die U 15 des SV Werder trainiert, war dann ein Jahr lang Assistent von Konrad Fünfstück bei der U 23, und nun sitzt Björn Dreyer in verantwortlicher Position auf der Bank der grün-weißen U 17. Das ist schon eine bemerkenswerte Aufgabe. In der B-Junioren-Bundesliga treten nicht so viele Übungsleiter an; ein entsprechendes Amt in einem Leistungszentrum zählt zu den begehrtesten Jobs unter ambitionierten Nachwuchstrainern. Man könnte also durchaus sagen, der 31-Jährige hat einen weiteren Schritt auf der Karriereleiter vollzogen. Aber da macht Björn Dreyer nicht mit. „Wir sagen den Spielern, sie müssten Geduld haben, und wir jungen Trainer wollen immer den nächsten Schritt machen?“ Nein, dieser Sprachgebrauch ist nichts für den Nachfolger vom zur U 19 aufgestiegenen Christian Brand. „Ich finde das einfach verkehrt“, so Dreyer.

Die Aversion gegen den „nächsten Schritt“ drückt Bescheidenheit aus. Der Werder-Trainer wäre auch gern als Co-Trainer in der U 23 geblieben, allein wegen der interessanten Verbindung des Regionalliga-Teams mit der eigenen Profiabteilung. Auch ein paar weitere Jahre auf der Bank der U 15 hätte sich Björn Dreyer gut vorstellen können: „Damit wäre ich jetzt noch glücklich.“

Auf der anderen Seite weiß der Trainer schon, was mit seiner „Beförderung“ verbunden ist. „Sie ist Anerkennung meiner Arbeit“, sagt er. Zu viel Bescheidenheit ist in seiner Situation dann eben auch nicht angesagt. Nicht für Björn Dreyer. In einer Abteilung, die neben Ex-Profi Christian Brand noch Mitarbeiter wie Thomas Schaaf, Thomas Wolter, Mirko Votava, Frank Ordenewitz oder Björn Schierenbeck vereint, sollte man sich als junger Coach nicht immer nur hinten anstellen.

Da ist ein gesundes Selbstbewusstsein gefragt. Auch oder gerade von einem Trainer, dessen eigene Karriere weniger imposant verlief als die der meisten Kollegen. Einst galt auch Björn Dreyer als Talent. Nachdem er 2003 aus Osterode im Harz in die Pauliner Marsch gewechselt war, zählte er stets zu den Leistungsträgern der grün-weißen Nachwuchsteams, einmal durfte Dreyer sogar einen ganzen Jahrgang überspringen – und das kommt eher selten vor. Als die U 19 – damals noch unter Mirko Votava – 2007 im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gegen Bayern München scheiterte, war der Gegner mit den späteren Weltmeistern Toni Kroos und Thomas Müller angetreten. Für Werder spielten damals Max Kruse und noch einige anderen bekannte Namen. „Ich zähle zu den Wenigen, die danach nicht im bezahlten Fußball gelandet sind“, sagt Björn Dreyer.

Dabei stieg er kurz darauf in die U 23 des Vereins auf. „Sie waren damals in der 3. Liga, und das war für mich als jungen Spieler ein riesiger Schritt“, sagt Dreyer. Nach einem Jahr wechselte er mangels Spielpraxis zum Regionalligisten FC Oberneuland, wollte es noch einmal auf überregionalem Niveau probieren. „Aber danach sind die Angebote ausgeblieben“, erinnert sich der heutige Trainer. Also zog er seine Konsequenzen, heuerte beim damals gut betuchten TuS Heeslingen an und finanzierte sich so sein Studium der Gesundheits- und Sportwissenschaften. Vom Fußball hatte er sich deshalb zwar nicht völlig verabschiedet. Aber eine große Rolle spielte der Sport im Jahre 2010 eigentlich auch nicht mehr. Der Wunsch, später mal als Ausbilder von Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, allerdings schon: „Deshalb wurden Trainer-Lizenzen für mich interessant.“

Ein Anruf bei Bremens Ausbilder Willi Zander verschaffte Björn Dreyer damals einen Platz im C-Lizenz-Lehrgang – und damit war der Anfang gemacht. Der Kontakt zu Werder blieb über all die Jahre ja bestehen, und schon bald wurde Björn Dreyer wieder ein Teil der „Familie“. Mittlerweile besitzt er die A-Lizenz, den Fußballlehrer will er bald in Angriff nehmen. Dafür hat sich die aktive Karriere seit Langem erledigt. Bereits im Januar 2013, also im Alter von 24 Jahren, meldete sich Björn Dreyer ab. Seine Erklärung: „Ich hatte keine Lust mehr auf halbprofessionellen Fußball.“ Das ist dem Trainer wichtig und richtet sich keineswegs gegen den ambitionierten Amateurfußball: „Ich bin kein Fan vom Dazwischen, ich mache etwas entweder ganz oder gar nicht.“

Vermutlich ist es auch diese klare Haltung, die Dreyer als verhältnismäßig jungen und mit keinem großen Namen versehenen Trainer zur exponierten Position bei der U 17 verholfen hat. Die Fokussierung auf eine Aufgabe liegt ihm, daraus zieht er eine Menge Energie. Kein Wunder also, dass Dreyer auch genaue Vorstellungen vom Auftreten seiner neuen Mannschaft hat: „Ich gewinne lieber 5:4 als 1:0.“ Ein hohes Ergebnis böte nämlich viel mehr Chancen zum Sammeln von Erfahrungen. Darauf kommt es bei der so wichtigen Entwicklung eines jungen Spielers ja auch an. „Wenn sie jetzt keine Fehler machen dürfen, dann machen wir etwas falsch“, sagt Björn Dreyer.

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