Ungewöhnliche Karriere Breakball bringt den Durchbruch

Mehmet Kekec hat in seinem Leben so manche Schwierigkeit durchleben müssen. Immer wieder haben Menschen versucht ihm Grenzen zu setzen. Dann hat ein Handyvideo sein Leben verändert.
07.08.2015, 00:00
Lesedauer: 4 Min
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Breakball bringt den Durchbruch
Von Marc Hagedorn

Das Leben ist nicht gerade zimperlich mit Mehmet Kekec umgegangen. Mehmet Kekec ist in Osterholz-Tenever aufgewachsen. Eine Lehrerin hatte ihm früh, da ging er gerade erst zur Grundschule, vorhergesagt, dass er es in der Schule nicht sehr weit bringen würde. Später gab es Trainer, die ihm erklärten, dass er zu klein sei, um als Spielmacher im Basketball Karriere zu machen.

Mehmet Kekec hat dann aber doch die Schule geschafft und das Fachabitur gemacht. Und als Basketballer hat er es bis in die Bremer Landesauswahl gebracht. Die Geschichte von Mehmet Kekec ist eine Geschichte von Grenzen, die andere ihm setzen. Manchmal scheitert er daran, manchmal setzt er sich über Grenzen hinweg. Fast immer eröffnen sich ihm Chancen.

Bei Mehmet Kekec verliefen die Dinge nie unkompliziert. Er hat das Studium der Wirtschaftsinformatik geschmissen, er hat hier und da gejobbt, es war ein steter Kampf um neue Perspektiven. Es war vor allem der Basketball, der ihm jeden Tag geholfen hat, seinen Weg und all die Umwege zu gehen. Auch an jenem Tag, den er heute „entscheidend“ nennt.

Ein Handyvideo verändert alles

Irgendwann 2006 oder 2007, so ganz genau weiß Mehmet Kekec das nicht mehr, packte er mal wieder den Basketball ein und machte sich auf den Weg zum Freiplatz in Tenever. Seine neue Freundin Luisa war dabei. Sie hantierte mit ihrem Handy, während Mehmet Kekec mit dem Basketball spielte. Ihn auf den Fingern drehte und kreisen ließ, vom Kopf zum Ellenbogen und wieder zurück. Dabei Tanzschritte machte, entliehen aus dem Breakdance, der ihn sein Leben lang begleitet hat. Irgendwann gingen Mehmet Kekec und Luisa wieder nach Hause. Für ihn ging das Suchen weiter. Luisa stellte das Handyvideo ins Internet.

Seitdem ist alles anders.

Mehmet Kekec, heute 35, kann gut reden, er fängt Menschen ein. Er ist ein prima Ideenverkäufer, und das muss er auch sein, denn seit gut sechs Jahren ist er Chef einer Gruppe, die sich „Spalding Breakball-Team“ nennt und eine Art Basketball-Showtruppe ist, die so ein wenig an die Harlem Globetrotters erinnert. Doch während die Weltstars aus den USA Basketbälle vor allem in Basketballkörbe legen, stopfen, zaubern, ist bei Mehmet Kekecs Breakball-Team neben Basketball vor allem Jonglage, Tanz und Akrobatik angesagt – wie der Name Breakball schon andeutet: Basketball trifft Breakdance.


Mehmet Kekec hat schon ein erstes Leben als Künstler hinter sich. In den 90ern war er als B.Boy Devil mit seiner Breakdance Crew „Unique North Style“ in Norddeutschland bekannt, rappte, tanzte, beatboxte. Bis heute ist ihm Kumpel B.Boy Cino ein treuer Begleiter und natürlich Teil des Spalding Breakball-Teams genau wie eine weitere Kekec-Entdeckung namens B.Boy Nox Emrah Ajra.

In Deutschland sind die Bremer dabei, eine Marke zu werden. Sie haben in den vergangenen drei Jahren 16 Mal die Halbzeitshow bei Heimspielen der FC-Bayern-Basketballer gerockt, genauso oft waren sie bei den EWE Baskets in Oldenburg zu Gast, ein paar Mal auch bei den Eisbären Bremerhaven. Wer für Kurzweil, gute Laune und beste Unterhaltung rund um ein Basketballspiel sorgen will, muss bei Mehmet Kekec anrufen.

Im Guinnessbuch der Rekorde

Inzwischen liefern er und seine Agentur „Youract“ komplette Pakete: Showproduktionen und Inszenierungen, Künstlerbetreuung, Marketingstrategien, dazu Filme und Videos. Sehr professionell, immer ein wenig rau. „Ich brauche den Underground“, sagt Mehmet Kekec, „es muss immer etwas dreckig sein, denn dort komme ich her, und das will ich nicht vergessen.“ Man könnte es vergessen: Er war schon bei Stefan Raab in der Sendung, in seiner inzwischen sechsköpfigen Mannschaft, zu der regelmäßig internationale Größen stoßen, sind Typen wie Michael Kopp, der im Guinnessbuch der Rekorde steht, oder Tommy Baker, der als weltbester Basketball-Freestyler gilt und lange Zeit Kekecs Vorbild war. „Jetzt ist er mein Angestellter“, sagt Mehmet Kekec. Mit insgesamt vier Rekorden steht sein Breakballteam inzwischen im Guinnessbuch. Für den ersten Rekord hat der Chef noch selbst gesorgt, als er sich den Basketball auf den Kopf gesetzt und gedreht hatte, 18,11 Sekunden lang und damit fast doppelt so lang wie der vorherige Rekordhalter.

Dass die Guinnessbuch-Macher damals überhaupt auf ihn aufmerksam geworden sind, hatte viel mit dem Handyvideo seiner damaligen Freundin und heutigen Frau und Mutter seiner drei Kinder zu tun. Denn im Internetkanal „Youtube“ war das Filmchen wie eine Rakete abgegangen. Irgendwann kam ein Brief von „Youtube“, Inhalt: Er, also „Hardball Attack“, sei zum Showformat „Secret Talents“ eingeladen. „Zu dem Zeitpunkt“, sagt Mehmet Kekec, „wusste ich nicht einmal, dass ich im Netz unter dem Namen ,Hardball Attack‘ bekannt war.“ Dafür hatte Luisa gesorgt.

Es folgten ein Videodreh, eine Einladung zur Eröffnung des Google-Office in Berlin. Und beim Festival „Zeitgeist“ in London wurde er sogar als Erfinder des Breakball vorgestellt. Es lief nicht alles glatt, aber doch so gut, dass Mehmet Kekec wie damals als Breakdancer erneut eine Fangemeinde fand. Zum Leben aber reichte das noch nicht, dafür musste ihm einer seiner Schutzengel helfen. So nennt Mehmet Kekec die Menschen, die ihm im und durchs Leben geholfen haben. Etwa seine Frau.

Oder Jens Hotze, „mein Guru und Wegweiser bis heute“. Der Bremer Unternehmer war Kekecs Basketballtrainer in der Landesauswahl und gab ihm später, 2009, einen Job in seiner Firma für Hochdruck- und Reinigungstechnik. Gut zweieinhalb Jahre lang hielt Mehmet Kekec es in dem Job aus, dann brauchte er wieder Auslauf, setzt seitdem auf seine eigene Agentur. „Mehmet geht mit einem Lachen durch die Welt“, sagt Jens Hotze, „unter ihm kann die Welt zusammenbrechen, aber er geht weiter. Er ist ein bisschen verrückt. Er ist immer an der Grenze unterwegs.“

Mehmet Kekec sagt: „Grenzen sind dazu da, sie zu überschreiten.“ Er ist wieder einmal dabei, es zu tun. Er ist in das Kreativteam Neusta mit Sitz in der Überseestadt eingestiegen, daneben hat er als Privatmann die Europarechte für den Vertrieb einer sogenannten „Ballkralle“ („Ball Claw“) erworben, die im Hobbyraum Ordnung schafft, indem man sie an die Wand schraubt, um Basket-, Volley- oder Fußbälle festzuklemmen. Das Projekt will er vorantreiben. Jens Hotze schließlich will er zu einem neuen Videoformat fürs Internet überreden. Es geht um handfeste Tipps vom Profi für Handwerker. Könnte in der endlosen Weite des Netzes untergehen, könnte aber auch ein Renner werden. Bei Mehmet Kekec und seinen Ideen kann man das vorher nie so genau sagen.

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