Nominierte und erste Gewinner

Bremen ehrt Sportler des Jahres

Am 17. März werden im GOP-Varieté-Theater Bremens Sportlerinnen und Sportler des Jahres 2019 geehrt. Die Sieger in den Hauptkategorien sind noch unbekannt, aber die ersten Gewinner stehen bereits fest.
18.02.2020, 20:13
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Von Mathias Sonnenberg, Frank Büter, Jörg Niemeyer, Olaf Dorow
Bremen ehrt Sportler des Jahres

Der Bremer Leon Schäfer ist Behindertensportler des Jahres 2019.

© by Otto bock

Der Termin ist im Kalender der Bremer Sportler und Sportlerinnen dick angestrichen: Am 17. März findet im GOP-Theater die Ehrung zur Sportlerwahl des Jahres 2019 statt. An dem Abend werden die Preise in den Kategorien Sportler, Sportlerin, Mannschaft und Trainer des Jahres vergeben. Die Nominierten für die ersten drei Kategorien stehen fest. Außerdem hat die Jury für die Sportlerwahl den Trainer des Jahres bereits gewählt, hält den Namen bis zur Ehrung aber noch geheim.

Am Dienstag gab die Jury die Sieger in vier weiteren Kategorien bekannt. Behindertensportler des Jahres ist der Leichtathlet Leon Schäfer. Im Bereich Nachwuchs bekommt die Handballerin Naomi Conze vom SV Werder den Einzelpreis. Der Eis- und Rollsportverein Bürgerweide (ERB) Bremen stellt mit dem Rollkunstlaufpaar Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow das Nachwuchsteam des Jahres 2019. Die beste Arbeit im Betriebssport leistete die SG Stern. Die neunköpfige Jury besteht aus den Vorsitzenden Mathias Sonnenberg (WESER-­KURIER-Sportchef) und Ludwig Evertz (Radio Bremen) sowie Peter Gagelmann (Vorsitzender Sportstiftung Bremen), Monika Wöhler (Landessportbund), Stefan Freye (Verein Bremer Sportjournalisten), Marc Gogol (Landesbetriebssportverband), Bernd Giesecke (Behindertensportverband), Stefan Offenhäuser (Handelskammer Bremen) und Dietmar Rose („Nordsee-Zeitung“).

Eintrittskarten für die Sportgala gibt es für 59 Euro plus Vorverkaufsgebühr, sie beinhalten Getränke und Essen und sind erhältlich im Bremer Pressehaus in der Martinistraße sowie im Internet unter www.nordwest-ticket.de und telefonisch unter 0421 / 36 36 36.

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Die Nominierten:

Sportler des Jahres

Lennard Kämna (Radsport), Jan Urbas (Eishockey), Florian Wellbrock (Schwimmen)

Weltmeister über zehn Kilometer im Freiwasser, zwölf Tage später Weltmeister über 1500 Meter im Becken: Florian Wellbrock ist mit diesem Doppeltriumph im vergangenen Sommer bei den Titelkämpfen in Südkorea etwas gelungen, das vor ihm noch kein Schwimmer geschafft hatte. Der mit dem Sport-Bambi ausgezeichnete Bremer lebt seit 2015 in Magdeburg. Für Tokio 2020 gilt der Langstreckenspezialist als großer Hoffnungsträger.

2018 hatte sich Lennard Kämna noch eine Auszeit genommen, beim Comeback 2019 wurde der Bremer zum Aufsteiger des Jahres im deutschen Radsport. Nach Platz 17 bei der Tour de Suisse durfte der 23-Jährige für sein Team Sunweb bei der Tour de France an den Start gehen. Bei der größten Rundfahrt der Welt belegte Kämna als zweitbester deutscher Fahrer Platz 40 im Gesamtklassement und erreichte zwei Top-Ten-Platzierungen.

Jan Urbas ist einer der besten Scorer in der Deutschen Eishockey-Liga DEL. 22 Tore hat der slowenische Nationalspieler in der laufenden Saison für die Fischtown Pinguins bereits erzielt, weitere 18 hat er vorbereitet. Urbas (Vertrag bis 2021) ist Leistungsträger und Publikumsliebling, Teammanager Alfred Prey nennt ihn „den König von Fischtown“.

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Sportlerin des Jahres

Kim Behrens (Volleyball), Rike Jürgens (Hip-Hop), Pia Wolter (Fußball)

Mit Titelgewinnen muss nicht gegeizt werden, wenn es um die Vorstellung der Kandidatinnen für den Titel „Sportlerin des Jahres“ geht. Die Hip-Hop-Tänzerin Rike Jürgens hatte nicht nur sich selbst, sondern auch das Bremerhavener Publikum zu Freudentänzen verholfen. In ihrer Heimatstadt wurde die Abiturientin Weltmeisterin. „Das war wie eine Explosion im Kopf. Alle haben rumgeschrien. Ich hab’s mir nie erträumt“, sagte sie später im Interview mit dem WESER-­KURIER über den Moment, in dem die Jury ihren WM-Triumph verkündete.

Auch die Fußballerin Pia Wolter kam 2019 zu Titelehren. Ein Jahr zuvor war sie den Schritt vom SV Werder zum VfL Wolfsburg gegangen. Ein großer Schritt. Wolfsburg ist, um es neudeutsch zu sagen: ein Hotspot im Frauenfußball. 2019 holte der VfL das Double aus Meisterschaft und Pokal – und Pia Wolter wurde ein Teil des Double-Erfolgs.

Kandidatin Nummer drei ist die Beachvolleyballerin Kim Behrens. Sie schaffte mit ihrer Partnerin Cinja Tillmann im Sommer den Sprung in die K.-o-Runde der WM – und scheute sich nicht, sich juristisch mit dem Verband anzulegen. Weil der aus ihrer Sicht die sportliche Fairness missachtet.

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Mannschaft des Jahres

Fischtown Pinguins (Eishockey), Grün-Gold-Club Bremen (Tanzen), Wassersportverein Hemelingen (Segeln)

Die Fischtown Pinguins haben die Wintersportart Eishockey in Bremerhaven etabliert und die Stadt an der Wesermündung damit bundesweit bekannt gemacht. Der Klub mit dem kleinsten Etat aller Bundesligisten hat sich vom kleinen Nordlicht zu einer festen Größe in der DEL entwickelt. Das Team spielt aktuell seine vierte DEL-Saison – mit kontinuierlich ansteigender sportlicher Tendenz.

Die Lateinformation des Grün-Gold-Clubs steht seit Langem schon an der internationalen Spitze. Unter Trainer Roberto Albanese haben sich die Tänzer nicht nur ganz oben halten können, sondern sich auch kontinuierlich weiterentwickelt. 2019 feierte Grün-Gold seine 15. deutsche Meisterschaft, die 13. in Folge, und seinen zehnten WM-Titel seit 2006.

Ähnlich wie die Fischtown Pinguins, sorgt auch der Wassersportverein Hemelingen in seiner Sportart als großer Außenseiter für Furore. Die Crew um Teamkapitän Jan Seekamp wurde 2019 mit Platz zwei in der Segel-Bundesliga erstmals deutscher Vizemeister und feierte damit den bisher größten Erfolg in der Vereinsgeschichte. Zudem überzeugten die Hemelinger beim Finale der Champions League als Elfte unter 24 Teilnehmern.

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Diese Sieger stehen bereits fest:

Behindertensportler des Jahres: Leon Schäfer

Kann es sein, dass dieser Mann nach dem Saisonhöhepunkt 2019 enttäuscht war, wenn auch nur kurz und ein kleines bisschen? Ja, kann sein. Leon Schäfer hatte im 100-Meter-Finale der Para-WM in Dubai zwei Hundertstelsekunden mehr benötigt als sein dänischer Konkurrent Daniel Wagner. Nur WM-Silber. Kein Doppel-Weltmeister. Zuvor hatte Schäfer, dem vor zehn Jahren der rechte Unterschenkel samt Knie abgenommen werden musste, in seiner Klasse den Weitsprung gewonnen, mit 6,90 Metern.

Die kurzzeitige Enttäuschung über die knappe Niederlage im WM-Sprint – wenn man sie denn überhaupt als Niederlage bezeichnen will – zeigt das Niveau, auf dem der in Bremen aufgewachsene 22-jährige Leichtathlet von Bayer Leverkusen inzwischen unterwegs ist. Weltmeister 2017 mit der Staffel, WM-Gold- und Silber 2019 in zwei Einzeldisziplinen, Favorit für die Paralympics 2020 in Tokio. Der Knochenkrebs, der vor zehn Jahren die Amputation nötig gemacht hatte, konnte den Sport-Traum des Jungen aus Gröpelingen nur vorübergehend torpedieren. Leon Schäfer spielte Fußball bei Tura Bremen, er galt als talentiert – und stellte sich vor, dass er mal Fußballprofi werden wird.

Auf der onkologischen Station des Klinikums Bremen-Mitte hatte er nach der Operation, so erzählte er es später einmal, wie alle Kinder einen Wunsch frei. Er wünschte sich ein Treffen mit dem deutschlandweit bekannten Behindertensportler Markus Rehm. Jetzt schließt sich auf der Bremer Sportgala im März ein Kreis. Nach 2015 wird erneut Bremer Behindertensportler des Jahres: Leon Schäfer.

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Rolltänzer Paul Turbanow und Palmira Seeger Suarez

Rolltänzer Paul Turbanow und Palmira Seeger Suarez

Foto: Kyrulf Petersen

Nachwuchsteam des Jahres: Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow

Sie hatten sehr viel investiert in ihre erste WM-Teilnahme. Trotz ihrer Abiturklausuren hatten sie im vergangenen Frühjahr sechsmal, siebenmal pro Woche trainiert und häufig auch noch Zusatzschichten eingelegt. Und die harte Arbeit sollte sich auszahlen für das Bremer Duo Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow. Bei der Weltmeisterschaft in Barcelona/Spanien sicherte sich das Tanzpaar des Eis- und Rollsportvereins Bürgerweide (ERB) Bremen die Goldmedaille in der Juniorenklasse.

Als der letzte Ton verklungen und ihr vierminütiges Programm beendet war, sind sich die beiden 18-Jährigen auf dem Parkett im Sant Jordi Club erst einmal in die Arme gefallen. Eng umschlungen standen sie da, genossen den verdienten Applaus von der Tribüne und waren in dem Moment einfach nur glücklich. Bereits nach dem Kurzprogramm am Vortag hatten Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow in Führung gelegen und nun als vorletzte Starter im Feld mit einer fehlerfreien Kür in Summe 84,70 Punkte vorgelegt, eine Marke, die schließlich zum Titelgewinn reichen sollte.

„Wir sind Weltmeister!“, rief Palmira Seeger-Suarez ihrem Partner mit tränenerstickter Stimme zu, der Rest war Freude pur. Siegerehrung. Nationalhymne. Goldmedaillen. Umarmungen, immer wieder Umarmungen, Glückwünsche und Erinnerungsfotos. „Glücklich und stolz“ seien sie gewesen, schilderten Palmira Seeger-Suarez und Paul Turbanow. Emotionale, unvergessene Momente eines großen Erfolges, für den die beiden Abiturienten jetzt von der Sportstiftung Bremen im Rahmen der Sportgala mit dem Nachwuchsförderpreis Mannschaft ausgezeichnet werden.

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Handball, 2. Bundesliga Frauen, TuS Lintfort - SV Werder Bremen

Naomi Conze spielt Handball beim SV Werder Bremen.

Foto: Oliver Baumgart (hansepixx)

Nachwuchssportler des Jahres: Naomi Conze

Dank ihrer imposanten 1,86 Meter Körpergröße ist Naomi Conze nicht zu übersehen. In ihrer Sportart, beim Handball, fällt die 17-Jährige allerdings nicht nur wegen ihrer Statur auf, sondern auch wegen ihrer Leistungsstärke. Die weiß ihr Verein, der SV Werder, ebenso zu schätzen wie der Deutsche Handball-Bund (DHB), in dessen U 18-Mannschaft die Bremerin zu einer festen Größe geworden ist. Im Dezember, beim 26:19-Sieg über die Niederlande im Rahmen eines Vier-Länder-Turniers in Ungarn, war die Rückraumspielerin mit zehn Treffern die überragende Akteurin ihres Teams. Bei Werder ist die Schülerin der Sportbetonten Schule an der Ronzelenstraße eine der Stützen der Bundesliga-A-Jugend und seit Beginn der laufenden Saison auch festes Mitglied der Zweitliga-Damen.

Am 17. März erhält die Teamplayerin Naomi Conze ihren ersten Einzeltitel: Dann wird sie im GOP als Bremens Nachwuchssportlerin des Jahres 2019 geehrt. Sofern ihre Entwicklung keinen gewaltigen Knick erleidet und die Sportlerin von größeren Verletzungen verschont bleibt, dürfte sie vermutlich auch bei den Damen ihren Weg finden. Vielleicht kann sie ihn sogar berechnen: In der Schule hat Naomi Conze als zweites Leistungsfach neben Sport jedenfalls Mathematik gewählt. Das sei ihr schon immer leicht gefallen, hat sie dem WESER-KURIER kürzlich gesagt, dafür müsse man nicht so viel lernen. An Fleiß mangelt es ihr aber nicht – schon gar nicht im Sport.

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Betriebssportgemeinschaft des Jahres: Sportgemeinschaft Stern Bremen

Wintersport. Bowling. Kanu. Dazu Golf. Schach. Fitness und Gymnastik. Oder Skat. Die Sportgemeinschaft Stern Bremen hat als Mitglied des Landesbetriebssportverbandes einiges zu bieten. In 28 verschiedenen Sparten haben die Angestellten Gelegenheit, sich neben der Arbeit sportlich zu betätigen. Auch E-Sports gehört inzwischen zum Angebot des Mercedes-Benz-Werks Bremen, darüber hinaus gibt es standortübergreifend sogar die Möglichkeit, sich an Drohnen-Rennen zu beteiligen.

„Am Puls der Zeit bleiben, neue Angebote schaffen und traditionellen und digitalen Sport verbinden“, so wirbt die SG Stern für ihre bunte Palette sportlicher und sozialer Aktivitäten wie etwa die Ausrichtung von Sommerferiencamps für Kinder im Alter von sieben bis 13 Jahren. Exakt 1957 Mitglieder (Stand 31. Dezember 2019) sind für einen Jahresbeitrag von 60 Euro (ermäßigt 30 Euro) in dieser Bremer Sportgemeinschaft aktiv, die Zahl ist allein in den vergangenen zehn Jahren um beachtliche 40 Prozent gestiegen. 65 Ehrenamtliche kümmern sich derzeit um den Sportbetrieb; das Angebot gibt es schon seit 41 Jahren.

Das olympische Motto steht dabei zumeist im Vordergrund, doch es gibt auch die Chance, sich leistungsmäßig mit anderen Betriebssportlern zu vergleichen. Etwa bei den European Company Sports Games 2019 in Salzburg, an denen auch Sportlerinnen und Sportler aus Bremen teilgenommen haben. Für ihr Engagement erhält die SG Stern den Sonderpreis der Handelskammer Bremen.

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