Überraschende Trennung Eta wollte abwarten – der BSV nicht

Der Tabellenführer der Bremen-Liga muss sich zur neuen Saison einen neuen Trainer suchen. Er habe warten wollen, ob der BSV aufsteigt, sagt der Trainer. Man habe nicht darauf warten wollen, sagt der Verein.
27.04.2022, 09:23
Lesedauer: 3 Min
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Eta wollte abwarten – der BSV nicht
Von Olaf Dorow

Der Bremer SV und Trainer Benjamin Eta gehen nach der Saison getrennte Wege. Eta, der derzeit mit dem BSV in der Bremen-Liga den ersten Platz belegt und beste Chancen hat, die Relegationsrunde zur Regionalliga zu erreichen, sagte dem WESER-KURIER: "Ich hätte gerne weitergemacht beim BSV." Er habe aber vor seiner Zusage für die kommende Saison aber abwarten wollen, ob der Aufstieg in die vierte Liga gelingt. Eta: "Nach zehn Jahren bin ich Bremen-Liga-müde. Nix gegen Bremen, aber irgendwie ist es immer der gleiche Trott. Ich brauche einen nächsten Schritt." Er sei völlig offen für Angebote und habe bislang lediglich einige lose Anfragen vorliegen. "Vielleicht mache ich auch ein Jahr lang gar nix. Ich muss nicht zwingend irgendetwas annehmen", sagte er. Eta, 41 Jahre alt und gebürtiger Hamburger, betreibt derzeit eine Fußballschule. Seine Frau Marie-Louise kickte lange für den SV Werder und arbeitet als Cotrainerin der U15 für den DFB. Sie sei in ihrem Job nicht ortsgebunden, auch deswegen könne er sich für die Zukunft auch rein geografisch alles Mögliche vorstellen, sagte Eta. Er sei da "tiefenentspannt." 

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Ende März war für den Verein wie den Trainer die Option ausgelaufen, den 2020 geschlossenen Vertrag zu verlängern. Ralf Voigt, Sportlicher Leiter des BSV, sagte dem WESER-KURIER: "Wir hätten gern verlängert. Benjamin hat den Vertrag gekündigt." Die Entscheidung einen knappen Monat später öffentlich zu machen, sei der Wunsch des Trainers gewesen. Eta präzisierte diese Darstellung am Mittwoch. "Wenn ich nicht gekündigt hätte, hätte sich der Vertrag automatisch verlängert." Also habe er gekündigt und dem Verein gegenüber gleichzeitig angekündigt, im Falle des Aufstiegs gerne weiter beim dann Regionalligisten BSV zu bleiben. Zunächst habe man Verständnis für diese Haltung gezeigt. "Letzte Woche hieß es aber, dass man nicht mehr länger warten könne", sagt Benjamin Eta. Natürlich sei er etwas enttäuscht gewesen, dass nicht die Relegation abgewartet werden konnte, bis Klarheit über die künftige Spielklasse des BSV geherrscht hätte, sagte er. Aber so sei das nun mal im Fußball-Business. Er wünsche dem BSV alles Gute. Am Dienstagabend, nach dem Spiel gegen die Leher TS (3:0), habe er der Mannschaft seinen Entschluss mitgeteilt, den Verein zum Saisonende zu verlassen. Er sei überzeugt, dass man gemeinsam den Fokus hochhalten könne. Er selbst werde alles für den Aufstieg tun.        

Natürlich sei man beim BSV zunächst enttäuscht gewesen, sagte seinerseits auch Ralf Voigt. "Aber es wird da kein Misston bleiben. Er bleibt bis zum 30. Juni unser Trainer, ich wünsche ihm das Allerbeste", sagte Voigt. Die zwei erfolgreichen Jahre seien noch nicht beendet, heißt es in der Klubmitteilung, die mit einem "Danke, Benni" versehen ist. Zuvor lautet die Formulierung: "Zusammen wollen wir das Sahnehäubchen köpfen und in dieser Saison den Pokal, die Meisterschaft und die Relegation erfolgreich bestehen."

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Noch weit vor dem 30. Juni, möglichst in den nächsten Wochen, will der BSV laut Voigt einen neuen Trainer für die neue Saison präsentieren. Man sei da in Gesprächen. Kandidaten, die zunächst abwarten wollen, ob der Bremer SV als klarer Tabellenführer der Bremen-Liga in der kommenden Saison weiter in der fünften oder nach erfolgreicher Relegation in der vierten Liga spielen wird, würden dabei quasi ausscheiden. Der Verein brauche Planungssicherheit. Voigt: "Kandidaten, die warten wollen, sind nicht die richtigen für den BSV." Das gelte im Übrigen auch für Spieler. Aus der aktuellen Mannschaften hätten bereits etliche Spieler für die kommende Saison zugesagt, sagte der Sportchef des Bremer Traditionsvereins.

Voigt selbst hatte als BSV-Trainer 2019 den Aufstieg in die Regionalliga verpasst. In der für dieses Jahr anstehenden Runde müsste sich der Verein als Bremer Meister eigentlich mit dem Vizemeister der niedersächsischen Oberliga, dazu mit den Meistern aus den Verbänden Hamburg und Schleswig-Holstein messen. Weder aus Schleswig-Holstein noch aus Hamburg wird jedoch nach Lage der Dinge der Beste antreten. Laut Eta hat aus Schleswig-Holstein nur der aktuell Zweite sowie der Dritte gemeldet, aus Hamburg gar nur der Viertplatzierte, Concordia Hamburg.

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Aus der Viererrunde der Relegation dürfen dann die beiden Erstplatzierten in die Regionalliga aufsteigen. Zudem steht für den BSV am 21. Mai das Bremer Pokalfinale gegen die Leher TS aus Bremerhaven an. Der Sieger zieht in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals ein, kassiert eine üppige DFB-Prämie und darf auf einen attraktiven Gegner hoffen. So bekam im vergangenen Sommer der BSV sein Jahrhundertspiel gegen den FC Bayern im Weserstadion. Es blieb in der laufenden Saison die einzige Pflichtspiel-Niederlage der Mannschaft von Trainer Benjamin Eta.   

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