Veranstaltung auch an zwei Tagen möglich

Bremen-Marathon noch nicht gesichert

So groß wie das Bedürfnis nach Bewegung ist auch die Frage, ob der Bremen-Marathon stattfinden kann. Veranstalter Utz Bertschy püft unter anderem, ob sich das Programm auf zwei Tage verteilen lässt.
23.05.2020, 15:41
Lesedauer: 4 Min
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Bremen-Marathon noch nicht gesichert
Von Olaf Dorow
Bremen-Marathon noch nicht gesichert

Los geht’s. Oder doch nicht? Den Bremen-Marathon 2020 wird es nur vielleicht geben.

Frank Thomas Koch

Für einen Marathon braucht der Läufer, haha, einen langen Atem. Der Veranstalter auch. Das wäre im Moment ungefähr die griffigste Aussage, die mit Blick auf den großen Bremen-Marathon getroffen werden kann, zumindest, wenn man auf das Wort Glaskugel dabei verzichten möchte. Geplant ist für die Auflage 2020 der 4. Oktober. Die Veranstaltung, die zuletzt rund 8000 Lauffreudige und -willige auf den Bremer Marktplatz gelockt hatte, ist nach jetzigem Stand so sehr durchführbar, wie sie auf der Kippe steht.

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Veranstalter ist seit vielen Jahren Utz Bertschy mit seinem Laufladen Sport-Ziel. Er sitzt in seinem Büro in der Nähe der Uni und sagt: „Irgendeine gewürgte Nummer werden wir nicht machen.“ Das sagt sich recht einfach, das ist aber dann doch eine vertrackte Angelegenheit. Bertschy, seine Büromitarbeiterin, seine Helfer, sein Marathon-Team: Sie sind dabei, tragbare Konzepte zu entwerfen für einen Zeitpunkt, dessen Pandemie-Status niemand verlässlich vorhersagen kann. Das Spannungsfeld, in dem sich Bertschy befindet, ist größer, als man es auf den ersten Blick vermuten könnte. Einerseits ist er selbst durch das geprägt, was er als Namen für seine Firma gewählt hat: durch den Sport, durch ein Ziel. Er will das schaffen, er will die Herausforderung annehmen. Um nicht zu sagen: Er will gewinnen. Aufgeben ist doof für einen, der als ambitionierter Läufer groß geworden ist.

Auf der anderen Seite hat er einen Ruf zu verlieren. Der Bremen-Marathon hat ein Image zu verteidigen. Der Aufwand ist ordentlich. „Eigentlich ist das ja Wahnsinn“, sagt Utz Bertschy, „dass wir für nur einen Tag eine solche Infrastruktur einrichten.“ Die Laufgemeinde besetzt Bremens zentralen Platz komplett, Hauptverkehrsadern sind stundenlang gesperrt. Wenn der Lauf mit seinen Strecken über zehn Kilometer, einen halben oder eben ganzen Marathon zu einer Lachnummer verkommt, weil die Stimmung, die ihn trägt, sich nicht einstellt, könnte das nachhaltigen Schaden anrichten. „Wenn wir diesmal nur 2000 statt 8000 Leute haben, könnte gefragt werden: Wo sind denn die anderen 6000?“, sagt Utz Bertschy.

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Ja, wo laufen sie denn?

Ja, wo laufen sie denn? Beziehungsweise: Wie laufen sie denn? Dass sich tatsächlich wieder 8000 Renner am Start- und Ziel vor dem Rathaus versammeln, dazu all die Begleiter und Zuschauer, hat momentan eine eher geringe Wahrscheinlichkeit. Bertschy und sein Team begutachten in ihren alternativen Überlegungen zunächst mal zwei Optionen: Man könnte die Veranstaltung zeitlich strecken. Oder räumlich. Zeitlich: Dann könnten zum Beispiel einen Tag vorher, am Feiertag 3. Oktober, einem Sonnabend, jene Läufer starten, die für die zehn Kilometer oder den Halbmarathon gemeldet haben. Am Tag darauf dann die Marathonis. Räumlich: Start und Ziel könnten an verschieden Orten liegen, der Marktplatz wäre nicht so überfüllt. Bislang haben sich, sagt Utz Bertschy, rund 2000 Läufer angemeldet. Stornierungen habe es kaum gegeben. Auch von den Sponsoren, zumeist langjährige und regional orientierte Partner, seien bis jetzt so gut wie keine definitiven Absagen gekommen. Der Wunsch nach Rückkehr zur Normalität scheint stärker zu sein als die Verunsicherung durch die Unnormalität. Der Wunsch, sich laufend zu bewegen, hat durch Corona ohnehin eher zu- als abgenommen. Bisweilen fühlt sich Bertschy, 52 Jahre alt und seit 25 Jahren mit Sport-Ziel am Start, zurückversetzt in die Anfangsjahre des großen Laufbooms. Es kämen, sagt er, wieder mehr Laufanfänger, Leute mit Beratungsbedarf.

Seine Beratungsstelle, ein auf der Straße vorm Büro stehender ausrangierter Linienbus, werde gut frequentiert. Mit Beginn der Corona-Krise, die all seine Laufveranstaltungen platzen ließ, habe sich das Laufbedürfnis gesteigert. Auch hier hat das Spannungsfeld Marathon-Dimensionen: Einfach Schuhe an und loslaufen, das wäre eines der kleinsten Corona-Probleme. Wettlaufen, mitlaufen, laufend das Gemeinschaftserlebnis spüren, das wäre eines der größeren Probleme. Geht nicht, auf unbestimmte Zeit. Eine Art Geisterlauf mit einem Minimum an Läufern und Zuschauern wäre keine Option, sagt Bertschy.

Marathon macht Schmerzen

Wann er einen Antrag stellt bei den Behörden, um eine Genehmigung für den Bremen-Marathon zu erwirken, will auch gut überlegt sein. Klare amtliche Ansagen für Massenveranstaltungen gibt es im Bundesland Bremen derzeit nur bis zum 31. August. Ansage: keine Massenveranstaltungen erlaubt. Es fehle derzeit „allen Beteiligten die Phantasie, wie man den Veranstaltern nun Planungssicherheit verschaffen kann“, heißt es aus dem Haus der Sportsenatorin Anja Stahmann, der Schirmherrin des Bremen-­Marathons. Wenn man sich vor Augen halte, dass das Münchener Oktoberfest schon vor Wochen abgesagt worden sei, „dann ahnt man, dass auch andere Veranstalter von sich aus vermutlich noch schmerzliche Konsequenzen ziehen werden“, lässt Stahmann mitteilen.

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Ein Marathon macht Schmerzen, sowieso. Das weiß sogar der, der noch nie einen gelaufen ist. Er weiß aber wahrscheinlich auch, dass eine geschaffte Laufstrecke ordentlich Glückshormone freisetzt. Utz Bertschy will nichts mit Gewalt durchdrücken. Aber jetzt schon aufgeben, das will er eben auch nicht. Er habe gehört, sagt er, dass der Hamburg-Marathon vom Frühjahr auf den Herbst verlegt werden soll. Es sei da also etwas in Planung. Dass in Hamburg gerannt wird, in Bremen aber nicht, wäre dann für so manchen wohl keine befriedigende Antwort auf die Frage: Ja, wo laufen sie denn?

Info

Zur Sache

Eingeschränktes Laufvergnügen

Bereits die AOK-Winterlaufserie war für Laufveranstalter Utz Bertschy in diesem Jahr nicht rund gelaufen. Er musst erst verschieben, später ganz absagen. Den Staffellauf, der in der kommenden Woche als Nachtlauf geplant war, muss er ebenfalls ausfallen lassen. Der Firmenlauf, der Mitte Juni zum zwölften Mal stattfinden sollte und zuletzt rund 5000 Mitläufer hatte, wird voraussichtlich auf September verschoben. Ob die Vorbereitungsläufe für den Bremen-­Marathon stattfinden werden, die es ab Juli mit jeweils rund 500 Läuferinnen und Läufern geben soll, steht derzeit noch nicht fest.

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