Hoffen auf erfolgreiche Bewerbungen

Bremen meldet als Spielstätte für künftige Handball-WM schon mal Interesse an

Der Chef der ÖVB-Arena, Andreas Adolph, und Bremens Handball-Verbandspräsidentin Monika Wöhler wollen sich für ihre Stadt starkmachen. Beide erinnern sich gut an die Handball-WM 2007 mit Bremer Beteiligung.
05.03.2020, 22:13
Lesedauer: 4 Min
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Bremen meldet als Spielstätte für künftige Handball-WM schon mal Interesse an
Von Jörg Niemeyer

Natürlich kann sich Monika Wöhler noch sehr gut an die Handball-Weltmeisterschaft 2007 in Deutschland erinnern. An das grandiose Finale, in dem die Männer des Deutschen Handballbunds (DHB) beim 29:24-Erfolg gegen Polen über sich hinauswuchsen und nach einem fantastischen Turnier überraschend den Titel gewannen. Und an das dramatische Halbfinale gegen Frankreich, das die damalige Präsidentin des Bremer Handball-Verbands (BHV) mit ihrem Enkel auf den Rängen der Kölner Arena verfolgte.

Zwei Dinge sind Monika Wöhler von diesem 1. Februar 2007 besonders im Gedächtnis haften geblieben: die fast schon unerträgliche Spannung des Halbfinalduells – und die Sorge ihres Enkels. „Oma, unser Zug fährt jetzt doch nicht?“, hatte Tilman sie gefragt, als das 21:21 nach regulärer Spielzeit die erste Verlängerung erforderlich machte und noch keine Entscheidung gefallen war. Nein, der Zug zurück nach Bremen fuhr noch nicht. Auch noch nicht, als das 27:27 eine zweite Verlängerung nach sich zog. Oma und der zehnjährige Tilman, der zuvor hatte versprechen müssen, im Fall einer Niederlage des DHB-Teams nicht zu weinen, hatten genügend Zeit, um das 32:31-Happy-End vor Ort mitzuerleben.

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Aus dem damals so leidenschaftlichen Fan Tilman Pröhl ist inzwischen ein Zweitliga-Handballer geworden, seine Großmutter ist noch immer BHV-Präsidentin. In dieser Funktion erhielt sie damals zwei Ehrenkarten für Köln. Und in dieser Funktion freut sie sich heute darüber, dass der DHB in der vergangenen Woche den Zuschlag als Gastgeber für gleich drei Weltmeisterschaften erhielt: für die U 21-WM 2023, die Frauen-WM 2025 gemeinsam mit den Niederlanden und die Männer-WM 2027.

Für alle drei Turniere braucht es Spielorte – eine Tatsache, die Monika Wöhlers Heimatstadt Bremen ins Spiel bringt. Wieder einmal. Denn 2007 war Bremen dabei, als Spielstätte für die Vorrundengruppe D mit den Mannschaften aus Spanien, Tschechien, Ägypten und Katar. Die BHV-Präsidentin war regelmäßige Zuschauerin – auch deshalb, weil sie zwei für den Bremer Handball herausragende Persönlichkeiten betreute: die BHV-Ehrenpräsidentin Inge Schröder sowie die Möbel-Meyerhoff-Inhaberin und großzügige Sportsponsorin Inge Küster aus dem Kreis Osterholz.

Das Bremer Publikum strömte in Scharen zur Bürgerweide

„Die Stimmung in der Halle war super“, sagt Monika Wöhler und schwärmt noch immer von der damaligen Atmosphäre. Das Bremer Publikum strömte in Scharen zur Bürgerweide, obwohl das deutsche Team woanders auflief. Die Spanier, die damals starken Ägypter und die Tschechen mit dem späteren Welthandballer und jetzigen THW-Kiel-Trainer Filip Jicha hatten eine enorme Anziehungskraft.

Nicht nur die BHV-Präsidentin hofft nun, dass die Weltmeisterschaften 2023, 2025 und 2027 in Teilen auch in Bremen stattfinden. „Wir wären auf jeden Fall bereit“, sagt der Chef der ÖVB-Arena, Andreas Adolph, „wir haben das 2007 hinbekommen und würden es natürlich wieder schaffen.“ Adolph steht wegen der möglichen Austragung von Handball-Testländerspielen sowieso in Kontakt zum DHB und hat für die Weltmeisterschaften beim Verband bereits Interesse angemeldet. Die Arena kann von der Kapazität zwar mit den größten deutschen Hallen nicht mithalten, bietet aber immerhin auch knapp 10.000 Zuschauern Platz.

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„Ich würde mich freuen, wenn Bremen bei allen drei Turnieren dabei wäre“, sagt Monika Wöhler. Sie verspricht, sich als DHB-Vizepräsidentin auf jeden Fall in den Präsidiumssitzungen für ihre Stadt stark zu machen. Zugleich hofft sie auf finanzielle Unterstützung Bremens. „Ohne sie wird es nicht gehen“, sagt Monika Wöhler. Andere deutsche Städte haben sich in der Vergangenheit an der Finanzierung beteiligt, ansonsten hätten sie den Zuschlag des DHB nicht bekommen. „Der DHB pocht auf Unterstützung, weil die Städte durch die großen Turniere auch wirtschaftlichen Nutzen ziehen“, sagt sie. Der Verband weiß, dass sich Handball in Deutschland inzwischen zu einer Marke entwickelt hat.

Interessenten werden sich noch gedulden müssen

Und welche Signale sendet der DHB in Richtung möglicher Bewerberstädte, wie könnte der Zeitplan aussehen? „Wir sind da ganz ruhig„, sagt DHB-Vorstandschef Mark Schober, “wir haben die Zuschläge für die Weltmeisterschaften ja gerade erst bekommen. Aktuell beschäftigen wir uns mit den Bewerberstädten für die EM 2024 und natürlich mit dem Qualifikationsturnier in Berlin für die Olympischen Spiele in Tokio.“ Interessenten werden sich also noch gedulden müssen. So verkündete der DHB offiziell erst im Juni 2017, in welchen deutschen Städten die WM-Spiele im Januar 2019 ausgetragen werden sollten. 2019 waren Dänemark und Deutschland gemeinsame Gastgeber.

Auch für die EM 2024 hat Andreas Adolph bereits den Hut in den Ring geworfen – dann allerdings für die Hauptrunde. Aufgrund der Sixdays werde die Halle vorher für die Vorrunde noch nicht zur Verfügung stehen. Wie sehr sich die Bremer Hallenbetreiber für eine Großveranstaltung ins Zeug legen und wie flexibel sie sind, hatten sie 2007 bewiesen: Damals verschoben sie mit der Musikschau der Nationen eine ihrer Topveranstaltungen im Januar, damit Bremen Teil des deutschen WM-Märchens werden konnte.

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Langjährige Bremer Tradition

Obwohl bis zu den Handball-Weltmeisterschaften 2023 (U 21), 2025 (Frauen) und 2027 (Männer) noch viel Wasser die Weser hinunterfließen wird, machen sich mit ÖVB-Arena-Chef Andreas Adolph und Handball-Verbandspräsidentin Monika Wöhler nur wenige Tage nach der Vergabe der Titelkämpfe die ersten Bremer für die Bewerbungen ihrer Stadt stark. Die Hallenmitarbeiter und die lokalen Sportverbände haben in den vergangenen Jahren häufig bewiesen, dass sie Großveranstaltungen organisieren können.

Und das Bremer Publikum hat stets gezeigt, dass es solche internationalen Events liebt. Ob Tanzen, Tischtennis, Volleyball, Tennis, Reitsport, Handball, Basketball, Judo, Radsport oder Karate: Die Zuschauer haben die Organisatoren nie im Stich gelassen. Eine Tatsache, die die nationalen Sportverbände veranlasst, immer mal wieder Station in Bremen zu machen. Die Infrastruktur mit unterschiedlichen Hallenkapazitäten, kurzen Wegen vom Bahnhof in die Halle, von der Halle in die Hotels oder ins Stadtzentrum ist ein hoher Bremer Trumpf.

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