Sportler und Betreiber brauchen weiter Geduld

Öffnung der Fitnessstudios in Bremen wohl erst im Juni

Die Bremer Fitnesstudios hoffen auf die Öffnung – womöglich müssen sie aber noch bis Mitte Juni warten. Am 19. Mai will der Senat einen Beschluss fassen.
12.05.2020, 08:04
Lesedauer: 4 Min
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Öffnung der Fitnessstudios in Bremen wohl erst im Juni
Von Olaf Dorow
Öffnung der Fitnessstudios in Bremen wohl erst im Juni

Leerlauf statt Laufband. In den Fitnessstudios läuft derzeit nichts.

Jean-Christophe Bott

Am Montag, so schildert es Jürgen Kohne, habe er eine Absage erhalten, wieder mal. Kohne ist Geschäftsführer der Sport Lounge Munte gegenüber vom Bürgerpark. 2600 Mitglieder habe sein Center mit Schwerpunkt Fitness. Es gibt Gastronomie, einen Wellness-Bereich, Außenanlagen und auch eine große Badminton-Halle. Für diese Halle habe er einen Antrag gestellt, sagt Kohne. Ob nicht wenigstens dort Badminton gespielt werden könne? Unter strenger Einhaltung der Corona-Regeln, versteht sich. Antwort des Ordnungsamt sei gewesen: nein. Sport in der Sporthalle: geht nicht. Der Lounge-Manager ist, um es vorsichtig zu formulieren, wenig begeistert. „Wo soll sich denn in dieser riesigen Halle das Virus verbreiten?“, fragt er.

Studios seit Ende März geschlossen

Er findet, dass es doch primär um Infektionsschutz gehen sollte. Und nicht primär um Verordnungen beziehungsweise ihre Durchsetzung. So sieht er das, und man darf wohl sagen: nicht nur er. Seit Ende März sind die Studios zu. In einem offenen Brief hatte sich Kohne zusammen mit 13 Betreibern von Bremer Fitnessstudios Ende April an den Bürgermeister, die Senatoren und Senatorinnen sowie an die Fraktionen gewandt.

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Sinngemäß heißt es darin unter Berufung auf wissenschaftliche Expertisen, dass Gesundheitssport systemrelevant sei. 14 Prozent der Deutschen würden in Fitnessstudios gehen, 70 Prozent davon würden das nicht aus kosmetischen, sondern aus gesundheitlichen Erwägungen heraus machen. Motto: Sport stärkt die Abwehrkräfte. In der Fitnessbranche seien "bei einem Fortschreiten der aktuellen Schließung allein bei uns 500 Arbeitsplätze (inklusive Teilzeit, Studenten, Azubi) ganz oder teilweise bedroht“.

Eine Reaktion auf den Hilferuf sei bislang nicht gekommen, sagt Jürgen Kohne. Nur Carsten Meyer-Heder von der CDU habe geantwortet, dass er Verständnis habe. Aber leider nix machen könne, weil Opposition. Um die existenziellen Sorgen zu bekämpfen, blieb in den vergangenen Wochen nicht viel mehr als das Prinzip Hoffnung. Seit dem 6. Mai, der letzten großen Runde mit Bundeskanzlerin und Ministerpräsidenten, ist es etwas mehr als Hoffnung. Am 6. Mai waren die Corona-Entscheidungen in die Hände der Bundesländer gelegt worden. Und waren Lockerungen für den Komplex Sport in Aussicht gestellt worden.

Studios in Nordrhein-Westfalen wieder geöffnet

In Nordrhein-Westfalen ist der Gang ins Fitnessstudio – unter Einhaltung strenger Auflagen – seit Montag wieder erlaubt. In Hessen soll es am Freitag soweit sein. Andere wollen erst später Lockerungen vornehmen oder prüfen Öffnungstermine. In Niedersachsen ist laut dem Fachverlag „Fitness-Management“ der 25. Mai im Gespräch. Für Bremen ist laut Bernd Schneider, Sprecher des Ressorts von Sportsenatorin Anja Stahmann eine Lockerung zumindest in Aussicht. Am kommenden Dienstag solle eine entsprechende Vorlage eingebracht und dann auch beschlossen werden.

In der Senatsvorlage heiße es sinngemäß, dass dann der Besuch von Fitness- oder Yogastudios bei strenger Beachtung der entsprechenden Hygiene- und Vorsichtsmaßnahmen „in den nächsten vier Wochen“ wieder erlaubt werden soll. Die Studios können also immerhin darauf hoffen, dass die Kundschaft ab spätestens Mitte Juni wieder kommen darf. Vorausgesetzt, es tritt in den kommenden Tagen oder Wochen nicht eine völlig veränderte Corona-Lage ein.

35 Mitarbeiter hat er, sagt Jürgen Kohne. Mehr als die Hälfte seien hochqualifizierte Fachkräfte, derzeit befinden sie sich alle in Kurzarbeit. Kohne stockt das Kurzarbeitergeld derzeit auf. Auf 100 Prozent, sagt er. Lange könne er das nicht mehr durchhalten. Rund 100 000 Euro an Mitgliedsbeiträgen würde er pro Monat erhalten. Glücklicherweise würden derzeit rund 90 Prozent der Mitglieder weiterhin zahlen. Quasi als Darlehen für eine wegen der Schließung nicht verfügbare Leistung. Dazu kommt eine Soforthilfe der Bremer Aufbaubank (BAB). Je länger der Lockdown anhalte, je größer werde logischerweise die Summe des zurückzuzahlenden Darlehens. Je größer werde auch die Risiko, dass Lounge-Kunden ihr Abonnement kündigen. Ein Antrag, die Außenanlagen für Fitness-Angebote nutzen zu dürfen, sei abschlägig beschieden worden. Die Sport-Erlaubnis für Freiflächen gelte nur für Sportvereine, habe es geheißen.

Da ging es den privat betriebenen Studios nach Beginn des großen Corona-Stillstands, der Ende März einsetzte, noch etwas schlechter als den Vereinen. Sport im Freien ist auf deren Anlagen schon wieder möglich. Im Gesundheits- und Fitness-Bereich, in den viele Sportvereine in den letzten Jahren immer mehr investiert haben, lief abgesehen von vielfach genutzten Online-Angeboten auch nichts. Mit 600 Mitgliedern sei dieser Sektor inzwischen sogar die größte Abteilung seines Vereins, sagt Ekkehard Lentz, Sprecher von Tura Bremen. Nur ein paar Abmeldungen habe es gegeben, sagt er. Die Mitglieder, die die Angebote des Vereins nicht wahrnehmen konnten, hätten die Treue gehalten. Unter ihnen würden sich auch viele ältere Menschen befinden, die sich in der digitalen Welt nicht eben zuhause fühlen. Für sie habe der Weg ins Studio neben dem gesundheitlichen vor allem einen hohen sozialen Stellenwert. Es geht um das oft zitierte Vereinsleben.

Die Bindung an den Verein ist auch beim Club zur Vahr eine Art Glück im Unglück. So schildert es Geschäftsführer David Müller. Es gebe „eine hohe Identifikation“. Im Januar hatte der Club im neuen Vereinsgebäude ein Fitnessstudio eröffnet – mit inzwischen 125 Mitgliedern. Nur zwei oder drei hätten gekündigt seit Beginn der Corona-Krise. Müller sagt: „Die meisten zahlen weiter.“

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Lange Schlangen um Mitternacht

In Nordrhein-Westfalen haben in der Nacht zu Montag die ersten Fitnessstudios wiedereröffnet. Ganz kurz nach Mitternacht wurden etwa im Kölner Stadtteil Kalk die ersten Sportler wieder an die Geräte gelassen. Die Kette McFit sperrte dort wie an anderen Standorten um 0.01 Uhr die Türen auf. „Ich glaube, das haben alle herbeigesehnt“, sagte McFit-Gründer Rainer Schaller. Etwa 150 Menschen hätten in einer Schlange vor dem Eingang ausgeharrt, um Mitternacht wurde ein Countdown heruntergezählt und den Trainingsgästen ein roter Teppich ausgerollt. Es gelten aber strenge Auflagen: Zwischen den genutzten Geräten muss genügend Abstand sein, das Training ist auf maximal 60 Minuten begrenzt.

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