Bremen Liga und Landesliga virtuell

Bremer Amateurfußball auf der Playstation

Bremer SV gegen den FC Oberneuland - virtuell auf der Playstation. Sorin Lemke hat mithilfe des Spiels Pro Evolution Soccer alle 32 Teams der Bremen Liga und Landesliga erstellt.
03.06.2020, 05:00
Lesedauer: 5 Min
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Von Mario Nagel
Bremer Amateurfußball auf der Playstation

Sorin Lemke ist Fan des Bremer SV und tritt mit seinem Lieblingsverein in der Bremen-Liga auf der Playstation an.

Christina Kuhaupt

Als der Bremer SV und der FC Oberneuland Ende April ihr virtuelles Topspiel austrugen, Verantwortliche das Spiel kommentierten und BSV LateNight das Duell auf Youtube übertrug, wirkte ein Mann im Hintergrund: Sorin Lemke. Dabei war es der 45-Jährige, der das Spiel auf seiner Playstation austrug. Der die Vereine samt Trikots und die Spieler so detailgetreu wie möglich erstellte. Und der letztlich mit dem Bremer SV ein 3:3-Unentschieden gegen den computergesteuerten FC Oberneuland erreichte. Doch warum machte er sich all die Mühe?

Angefangen habe alles vor circa zwei Jahren, erzählt Sorin Lemke. Weil sich der Profifußball immer weiter von der Basis entfernte, wendete er sich verstärkt dem Bremer Amateurfußball zu. „Die Kommerzialisierung des Profifußballs hat mich abgeschreckt“, sagt er. Also verfolgte der Angestellte einer Vertriebsfirma fortan nur noch die Spiele auf den Bremer Fußballplätzen, vor allem die des Bremer SV. Hier ist Sorin Lemke ein Mitglied der Fangruppe „Hauptsache Blau“, die im Stadion am Panzenberg regelmäßig für Stimmung sorgt. Dazu spielte er daheim gerne die Fußballsimulation Pro Evolution Soccer (PES).

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„Da man hier die Mannschaften und Spieler editieren kann, lag es für mich irgendwann nahe, auch den Bremer SV zu erstellen.“ Gesagt, getan: In mühevoller Kleinstarbeit erstellte der 45-Jährige erst den Verein, fügte das Logo und die originalen Trikots in das Spiel ein. Dann folgten die Spieler, die er nach seinem Gefühl in ihrer Qualität bewertete. „Kapitän Alexander Arnhold ist mit 87 der stärkste Spieler im Team“, verrät er. Die Spannweite der Werte reicht in der Fußballsimulation von eins bis 99, Arnhold wurde also als sehr gut eingeordnet. Auf ein großes Echo aus der BSV-Mannschaft sei seine Bewertung aber noch nicht gestoßen. „Nur wenige wissen, dass sie auf meiner Playstation existieren. Einige kommentieren aber auch mal meine Facebook-Posts oder fragen, welchen Wert sie haben“, sagt Lemke.

Eine wahre Ausnahme sei da schon Sebastian Kmiec gewesen. Der 29-Jährige beschwerte sich nach dem virtuellen Topspiel bei Sorin Lemke, weil er ihn als Linksverteidiger auflaufen ließ, obwohl er eigentlich als linker Angreifer spielt. „Da habe ich ihm gesagt, dass das aber genau so auf der Homepage des Bremer SV steht. Er wollte noch mit den Verantwortlichen sprechen“, sagt Lemke und lacht. Auch BSV-Trainer Maik Stolzenberger meldete sich bei dem 45-Jährigen, allerdings aus einem anderen Grund: „Er fand es nicht gut, dass der Bremer SV in dem Oberneuland-Spiel so viele lange Bälle gespielt hat. Das wäre nicht der Spielstil der Mannschaft. Er hat das alles etwas zu ernst genommen.“

Eine richtige Saison spielen können

Der BSV-Coach reagierte damit anders als Kristian Arambasic, Trainer des FC Oberneuland, der das virtuelle Topspiel „eher als großen Spaß“ einordnete, wie Lemke fand. Dass der FCO überhaupt in der Fußballsimulation auftauchte, war wiederum dem Fan des Bremer SV geschuldet. „Ich hatte nach dem Bremer SV auch gleich den FC Oberneuland und dann die restlichen Bremen-Ligisten erstellt, damit ich eine richtige Saison spielen kann.“ Als Grundlage für den FCO diente dabei die Mannschaft von Borussia Dortmund, deren Spieler von Sorin Lemke editiert wurden.

Mit einem Wert von 91 ist Torjäger Ebrima Jobe im Übrigen der beste Spieler der Bremen-Liga. „Bei Pro Evolution Soccer gibt es keine Bundesliga, da Konami als Entwickler der Fußballsimulation keine Rechte dafür besitzt. Es gibt im Spiel aber eine fiktive europäische Liga, die man editieren kann“, erklärt er. Sogenannte Option-Files, also Dateien mit Ligen, die andere Nutzer erstellt haben, werden kostenlos im Internet angeboten.

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Sorin Lemke überschrieb daher erst mit einer „Option-File“ der Bundesliga die fiktive europäische Liga, bevor er aus ihr die gesamte Bremen-Liga machte. „Ich habe geschaut, welcher Bundesligist zu welchem Bremen-Ligisten passt.“ Der FC Bayern München, der bei Pro Evolution Soccer neben Schalke 04 und Bayer Leverkusen tatsächlich vorhanden ist, wurde aber nicht verwendet. Stattdessen wurde aus RB Leipzig der TuS Schwachhausen, aus dem Bundesliga-Aufsteiger 1. FC Union Berlin der Bremen-Liga-Aufsteiger FC Union 60. Naheliegend sei natürlich gewesen, aus Werder Bremen die U21 der Grün-Weißen zu erstellen. Trotzdem habe das Editieren viel Zeit in Anspruch genommen, „schließlich wollte ich die Vereine und Spieler so detailliert wie möglich erstellen“.

Die größte Informationsquelle sei dabei neben den Vereinshomepages vor allem „transfermarkt.de“ gewesen. „Da waren die jeweiligen Positionen der Spieler aufgelistet und manchmal auch Bilder zu finden.“ Fand er ein Foto, suchte er einen Profifußballer, dem der Amateurspieler möglichst ähnlich sieht. „Alexander Arnhold hat zum Beispiel Ähnlichkeiten mit Dries Mertens vom SSC Neapel“, sagt Lemke. Im virtuellen Topspiel zwischen dem Bremer SV und FC Oberneuland sei das auch gleich jemandem aufgefallen. „Plötzlich stand in dem Chat zum Spiel, dass da ja Dries Mertens mitspielt. Das war ziemlich lustig.“

Bislang kein Überraschungsmeister

Die einzelnen Bremen-Ligisten habe er natürlich nicht an einem Tag, sondern nach und nach erstellt. Dass er die einzelnen Klubs den richtigen Bundesligisten zugeordnet hat, zeigen jedoch die Ergebnisse auf der Playstation. „Die Top fünf der Bremen-Liga spielen auch auf der Playstation oben mit“, sagt Lemke. Einen Überraschungsmeister wie die BTS Neustadt oder den Habenhauser FV gab es bislang nicht. Doch gänzlich zufrieden war der 45-Jährige noch immer nicht. „Ich konnte zwar eine Saison spielen, hatte aber keine Auf- und Absteiger. Also habe ich die Landesliga Bremen auch erstellt.“

Als Grundlage dienten dieses Mal die Vereine der zweiten spanischen Liga. Weil die nötigen Informationen der Bremer Landesligisten schwieriger zu erhalten waren, um die Trikots oder die genauen Positionen der Spieler zu erstellen, besuchte Sorin Lemke sogar extra die Spiele einzelner Vereine. „Ich stand am Spielfeldrand und hab mir das alles genau angeguckt“, sagt er. Mit Erfolg, denn inzwischen verfügt der 45-Jährige über alle 32 Mannschaften aus den beiden höchsten Bremer Ligen. Das hat einen schönen Nebeneffekt: „Ich kann jetzt auch den Bremer Pokal spielen, die Anzahl der Teams geht genau auf.“

Etwa 40 bis 50 Stunden hat Sorin Lemke investiert, um den Bremer Amateurfußball auf seiner Playstation zu haben. In der Sommerpause werden jedoch wieder etliche Stunden dazukommen. „Die Transfers im Sommer verlangen mir alles ab. Im WESER-KURIER werden viele Wechsel zum Glück vermeldet. Aus Niedersachsen kommen meistens nur wenige Neuzugänge, deswegen muss ich nicht so viele neue Spieler erstellen. Aber es ist trotzdem eine mühsame Arbeit.“ Eine, die der 45-Jährige auch gerne teilt. Wer die Datei der Bremer Ligen haben möchte, um sie selber auf der eigenen Playstation spielen zu können, könne sich gerne über Facebook bei ihm melden. So, wie es der Bremer SV und der FC Oberneuland im Vorfeld des virtuellen Topspiels bereits getan haben.

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