Social Media im Amateur-Fußball

Der Fußball braucht Instagram und Facebook

Webinar beim Bremer Fußball-Verband: Warum die Amateur-Vereine noch viel mehr auf Social Media setzen müssen.
26.05.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Stefan Freye
Der Fußball braucht Instagram und Facebook

Kein Tag ohne mein Smartphone: 98 Prozent der 16- bis 24-Jährigen nutzen Apps wie Whatsapp, Instagram oder Facebook. Auch für den Amateur-Fußball ist Social Media eine Möglichkeit, sich den Usern mal auf andere Art und Weise zu präsentieren.

Matzka/DPA

Das erste Mal lief eigentlich es ziemlich gut. „Ich habe recht positive Reaktionen erhalten“, sagt David Dischinger. Der Social Media-Redakteur des Bremer Fußball-Verbandes zählte mit seinem Online-Seminar zu den Pionieren: Sein Verband bietet regelmäßig Fortbildungsmaßnahmen an. Weil diese in Zeiten der Corona-Krise nicht möglich sind, dachte man sich etwas Neues aus. Oder besser: Man folgte einem Trend. Im gesamten Land treffen sich die Menschen derzeit online, tauschen sich aus, besprechen Aufgaben oder lernen. Seit einigen Wochen zählen die sogenannten Webinare zum beliebten Instrument im deutschen Fußball, in allen Verbänden.

Der BFV startete unlängst ebenfalls mit den virtuellen Kursen. Es ging bereits um Fußballregeln, Heimtraining, Urheberrecht oder den Umgang mit Social Media. Dabei konfrontierte David Dischinger die 19 Teilnehmer erst einmal mit einigen Thesen: Die meisten Vereine litten unter einem Schwund von Nachwuchs und Ehrenamtlichen. Das läge nicht zuletzt daran, dass sie die Menschen nicht mehr erreichen. Die Lösung: Social Media. „Die Möglichkeiten sind groß, aber man muss den Mehrwert erkennen“, sagt Dischinger. Durch die Nutzung entsprechender Kanäle ließen sich vielfältige Ziele erreichen. Etwa die Identifikation der vorhandenen Mitglieder, deren Information oder Unterhaltung oder die Interaktion. Zudem könne sich der Verein auf seine eigene Weise darstellen, sein Image pflegen und auf diese Weise Interesse bei potenziellen Mitgliedern oder Sponsoren wecken.

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Der Social-Media-Experte konzentrierte sich dabei auf zwei Kanäle: Facebook und Instagram. Während Letzteres (Marktanteil 2019: 33 Prozent) vor allem von Fotos lebt, ist Facebook (63 Prozent) eher für die Kombination aus Bild und Text sowie die Interaktion bekannt. Der Marktführer der Sozialen Medien eignet sich weniger: Youtube (76 Prozent) erfordert Videos und somit einen deutlich größeren Aufwand. Aber auch die Arbeit mit Facebook und Instagram lässt sich nicht nebenbei betreiben. Das wird auch David Dischinger in diesem Webinar gespiegelt. Auf seinen Hinweis, zwei bis drei Posts pro Woche würden fürs Erste reichen, folgt im Chat der folgende Einwurf: „Zwei bis dreimal ist schon nicht so wenig.“

Ein guter Grund für Social Media mag sicher im Mangel an Ehrenamtlichen liegen. Aber wer soll Social Media betreiben, wenn die Vereine schon froh sein müssen, überhaupt Leute für die dringendsten Aufgaben zu finden? Doch Dischinger zählt einen Auftritt in den üblichen Kanälen ebenfalls zu den Säulen der Vereinsarbeit. Darum betont der Experte den „Mehrwert“ einer solchen Präsenz auch im Webinar regelmäßig. Für einen fachkundigen Mitarbeiter müsse deshalb ein gewisser Aufwand in Kauf genommen werden. „Vielleicht auch über ein kleines Entgelt“, so Dischinger. Der erste Schritt der notwendigen Online-­Strategie sollte jedenfalls darin bestehen, „jemand Verlässlichen zu finden.“

Für Dischinger gibt es auch einige gute Beispiele in der Bremen-Liga: „Beim Blumenthaler SV und dem FC Oberneuland funktioniert es gut, und der Bremer SV hat mit seinem Auftritt sogar ein bisschen Kultstatus erreicht.“ Allerdings würden diese Vereine auch zeigen, dass neben Facebook und Instagram eine gepflegte Homepage zu einem guten Auftritt gehört. „Sie ist sehr wichtig, etwa, wenn es um ausführliche Informationen über einen Verein geht“, sagt David Dischinger. Ob er mit seinem Webinar einen Social Media-Boom auslösen wird, weiß der BFV-Mann nicht. So leicht lassen sich die Hürden auf dem Weg zu multimedialen Verein ja nicht beseitigen.

Aber Dischinger hat vermutlich eine Menge Interesse geweckt und das Bewusstsein geschärft. Obwohl ihm die rund 70 Minuten am Bildschirm gar nicht so leicht fielen: „Man spricht durchgehend, und das ist anstrengend, außerdem bekommt man keine Resonanz.“ In jedem Fall sei mit den Webinaren aber ein Modell für die Zukunft verbunden. „Die Pandemie lehrt uns solche Formate, über Online-­Tools können wir noch viel mehr machen“, sagt David Dischinger. So gesehen hat auch der Bremer Fußball-Verband also noch Luft noch oben.

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